Wiesenartige, dynamische

Wiesenartige, dynamische Staudenpflanzungen durchbrechen die streng architektonische Formgebung des Selve-Parks. Zwiebelblumen sind Vorreiter.

Kerzenblüten von Persicaria

Kerzenblüten von Persicaria amplexicaulis ‘Speziosa‘ und Dolden von Selinum wallichianum.

Im Herbst entfaltet die Vielzahl

Im Herbst entfaltet die Vielzahl der Gräser ihre malerische Wirkung.

Michael Gerber, www.semiramis-gart

Michael Gerber, www.semiramis-gartenkultur.ch, hat sich auf Pflanzplanungen spezialisiert.

  • Stadtgrün

Dynamische Vegetationsbilder im Selve-Park

Eine ausgedehnte Staudenlandschaft prägt den Selve-Park in Thun, der 2013 auf einem ehemaligen Industrieareal angelegt wurde. Das auf Pflanzplanungen spezialisierte Büro Semiramis Gartenkultur plante die über 1000 m² grosse Staudenpflanzung. Ästhetik und Erlebniswert der durch wechselvolle Blühaspekte geprägten Pflanzungen stossen bei den Anwohnern und Besuchern auf Begeisterung.

 

Es gibt sie wieder vermehrt. Staudenpflanzungen im öffentlichen Grün mit hohem ästhetischem Wert und allen positiven Aspekten, die den Stauden eigen sind: ansprechend, lebendig, vielfältig, auf Dauerhaftigkeit ausgelegt. Aufgeschlossene Stadtgärtnereien scheuen sich nicht, neue Wege in der Staudenverwendung zu gehen – und dies mit gros­sem Erfolg. Ein Vorzeigebeispiel sind die unter Regie von Stadtgrün Thun realisierten grossflächigen Staudenpflanzungen im Selve-Park.

«Pflanzen gleichen eigensinnigen Menschen, von denen man alles erhalten kann, wenn man sie nach ihrer Art behandelt.» Dieses bei J.�W. Goethe entlehnte Zitat steht zur Einleitung der Pflegedokumentation. Michael Gerber, Pflanzplaner bei Semiramis Gartenkultur, Belp, unterstreicht damit den hohen Stellenwert der Pflege. Im Wissen, dass Gärtnerinnen und Gärtner, die Fachkenntnisse, Freude und Flair für die Pflege von Pflanzen mitbringen, die entscheidende Voraussetzung für den Erfolg dynamischer Staudenpflanzungen sind, trifft Gerber schon zu Projektbeginn Abklärungen über die vorhandenen Ressourcen in der Pflege. Die Pflegenden steuern die Dynamik der Pflanzung. Sie legen fest, in welchem Umfang sich z. B. kurzlebige Arten ausbreiten dürfen, wann und wie Schnittmassnahmen durchgeführt werden und welche Pflanzen als Gerüst für den Winteraspekt stehen bleiben sollen. Die «Flora-Selve», sein bislang grösstes mit Stauden realisiertes Projekt, weiss der Pflanzplaner diesbezüglich in guten Händen.

Abwechslungsreiche Vegetationsbilder mit hohem Erlebniswert

Das Konzept für die Planung orientiert sich am Vorbild üppiger Blumenwiesen.Die Vergesellschaftung der Arten ist das Resultat gezielter gestalterischer Überlegungen und einer sorgfältigen, auf den Ort und die Standortbedingungen abgestimmten Pflanzenwahl. Der Blühzyklus erstreckt sich über vieleMonate und zeichnet sich wie in Blumenwiesen üblich durch ein breites Farbenspektrum aus. Die gradlinige, poly­gonale Form des Parkgrundrisses wider­spiegelt sich in der Vielzahl aneinandergefügter Pflanzflächen. Dabei folgt die Anordnung der Flächen den Prinzipien der Block- und der Mosaikpflanzung. Dies schafft eine naturhafte Flächenstruktur.

Die Artenzahl ist gemessen an der Flächengrösse relativ klein. Einzelne Arten wie Molinia caerulea ‘Heidebraut‘ (Pfeifengras) oder Lythrum salicaria (Blutweiderich), die Gerber als ein­heimische und ganzjährig attraktive Strukturpflanzen bevorzugt verwendet, nehmen Flächen von 7 bis 10 m2 ein.

Eine Herausforderung bei Projekten in dieser Grösse ist laut Gerber die Pflanzenbeschaffung. Die benötigten Stück­zahlen von mehreren Hundert pro Art und Sorte sind oft nicht vorrätig in einer einzigen Baumschule. Diesbezüglich wünscht sich der Pflanzplaner, dass sich Baumschulen noch intensiver im Sinne des Kunden mit anderen Baumschulen vernetzten. Pflanzplaner sollten sich auf Sortenechtheit verlassen können.

Wie beim natürlichen Vorbild ist die Pflanzung durch einen hohen Anteil unterschiedlicher Gräser geprägt. Die verwendeten Pflanzen setzen sich aus 30 % Gräsern, 67 % Stauden und 3 % Gehölzen zusammen. Ergänzend dazu wurden Zwiebelpflanzen eingestreut. Folgende Gräser mit gestaffelter Blütezeit von Mai bis Oktober wurden verwendet: Calamagrostis ‘K. Foerster‘ (Reitgras), Molinia caerulea ‘Heidebraut‘ (Pfeifengras), Achnatherum brachytricha (Diamantgras), Sesleria autumnalis (Herbst-Kopfgras) und Stipa calamagrostis (Silberährengras).

Pflanzliche Dynamik als Gestaltungsmittel

Nebst Gestaltungsprinzipien wie Blütezeitabfolge, Kontrast der Blütenformen, Farbkombinationen, unterschiedlichen Ausbreitungsstrategien und Texturen sind gestaffelte Wuchshöhen ein wichtiger Aspekt, um Tiefenwirkung zu erzeugen. Das Zusammenspiel der filigranen Ähren, Dolden und Quirle erzeugt einen natürlichen, fliessenden Eindruck. Als raumprägende Elemente wurden die vertikalen Strukturen von Blutweiderich (Lythrum salicaria), Virginisches Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum ‘Erica‘), die horizontalen Blütenteppiche der Sonnenhüte (Echi­nacea purpurea), Kattun­aster (Aster horizontalis) sowie die schleierartigen Wolken der Gräser gesetzt. Grosssträucher wie Zierkirschen und Zieräpfel setzen mit Blüten im Frühjahr sowie einer intensiven Laubfärbung und mit Frucht­schmuck im Herbst jahreszeitliche Akzente.

Favorisierte Arten

Wegen ihrer standörtlichen Zuverlässigkeit und dem attraktiven Erscheinungsbild in der zweiten Jahreshälfte plant Gerber gerne Astern ein. Verwendet wurden Sommer­aster (Aster amellus ‘Veilchenkönigin‘), Kattun­aster (Aster
lateriflorus var. horizontalis), Weis­se Waldaster (Aster divaricatus) sowie Glattblattaster (Aster novi-belgii ‘Schöne v. Dietlikon‘). Bei Letzterer kann ein Vorblütenschnitt Ende Mai sinnvoll sein, um die Standfestigkeit zu erhöhen. Dasselbe gilt für die ebenfalls verwendete Schönaster (Kalimeris incisa ‘Madiva‘) sowie bei Phlox ‘Hesperis‘. Zu den Favoriten des Pflanzplaners zählt weiter Amsoniatabernaemonta (Blausternbusch). Sie eignet sich gut für wiesen­artige Pflanzungen. Wird ihr die nötige Entwicklungszeit eingeräumt, bereichert diese ganzjährig attraktive Staude vom Erscheinen der hellblauen Blüte im Frühjahr bis zur leuchtend gelben Herbstfärbung jede Pflanzung. Das Laub bleibt die gesamte Saison hindurch gesund und attraktiv. Hat sich Amsonia einmal etabliert, ist sie unproblematisch und sehr langlebig. Die langsame Entwicklung wird durch Benachbarung mit der kurzlebigen (zweijährigen) Nachtviole (Hesperis matronalis) überbrückt. «Sämlinge sollten innerhalb ihrer zugedachten Fläche unbedingt stehen gelassen werden. Der Rückschnitt erfolgt nach dem Ver­samen im Juli / August», so die entsprechende Pflegeanleitung.

Das robuste, spätblühendeGras Sesleria autumnalis (Herbst-Kopfgras) ist ebenfalls ein sicherer Wert, passt zum Charakter der Pflanzung und lässt sich sehr gut flächig verwenden. Als besonders standfest erweist sich darüber ­hinaus Veronicastrum virginicum ‘Erica‘ (Virginisches Ehrenpreis). Bei der Pflanzenauswahl wird im Hinblick auf ihre ökologische Bedeutung heimischen Arten Platz eingeräumt. Eine bevorzugt verwendete Art ist der Ziest (Stachys officinalis), der auch in der «Flora-Selve» vorkommt.

Allgemeiner Unterhalt

Die wichtigsten Pflegemassnahmen sind im jahreszeitlichen Ablauf dokumentiert. Zu den allgemeinen Pflegearbeiten gehört die Unkrautkontrolle. In den ersten beiden Standjahren, bis sich eine geschlossene Pflanzendecke gebildet hat, ist der Aufwand höher als in den Folge­jahren. Wie Gerber erläutert, soll sich die Bodenlockerung im Anschluss an das Jäten auf ein ganz oberflächiges Lockern der Trittstellen beschränken. «Das klassische Hacken macht keinen Sinn, da bei diesem Eingriff Wurzeln von oberflächig wachsenden Stauden zerstört werden und die Ruderalflora (Unkrautbewuchs) zusätzlich gefördert wird», so die Begrünung.

Stauden geben durch Fruchtstand und Struktur einen spezifischen Charakter, mit Schnee und Raureif überzogen ent­stehen die schönsten Winterbilder. Sie sollten deshalb im Herbst belassen und erst im Februar/März zurückgeschnitten werden. «Die noch bestehenden Pflanzenstrukturen bieten zudem Kleinlebewesen eine Überwinterungsmöglichkeit an und im Boden schlummernden Pflanzen einen natürlichen Winterschutz», wie Gerber als weitere Gründe anfügt.

Alle zwei bis drei Jahre wird eine Gabe von Tonmineral (100g pro m2) empfohlen. Dies fördert das Bodenleben und reichert den Boden mit Spurenelementen und Mineralien an. Von Vorteil ist bei einigen Arten eine Teilung, um der Vergreisung und Blühfaulheit entgegenzuwirken. Der beste Zeitpunkt für sommer- und herbstblühenden Stauden ist im März/April. Das Teilen ist alle sechs bis acht Jahre sinnvoll.

Für Stauden, die zum Auseinanderfallen tendieren, wird ein Pflegeschnitt angewendet. Die Triebe dieser Arten werden ab Ende Mai bis Mitte Juni um etwa 10 bis 15 cm eingekürzt. Dies fördert die Verzweigung und führt zu einem kompakteren Wuchs. Zudem lässt sich mit diesem Pflegeschnitt die Blütezeit steuern. Bei einigen Arten hat ein Abschneiden verblühter Blumen oder ein kompletter Rückschnitt einen zweiten Flor zur Folge und beugt allfälligen Pilzkrankheiten vor. Das neu entwickelte Laub sieht für den Rest des Sommers ansehnlich aus.

Selve-Park

Der von Stadtgrün Thun geplante, multifunktional nutzbare, 7000 m2 grosse Stadtpark ist Bestandteil der Selve. Durch den Park führt ein Uferweg direkt an der Aare. Eine lange Betonbank, in der in Messing gegossene Gegenstände eingelegt sind, erinnert an die Zeit­abschnitte des Selve-Areals, das lange Zeit ein Industriegelände war.

  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün
  • Landschaftsarchitektur
  • Wettbewerbe

Der Binding Preis für Biodiversität 2026 geht an den Ueberlandpark in Schwamendingen. Die Fachjury würdigt insbesondere die beispielhafte Verknüpfung…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Landschaftsarchitektur

Der terrassierte Garten des ehemaligen Kapuzinerklosters in Altdorf (UR) wird vom Verein kulturkloster altdorf sorgfältig gepflegt und…

Weiterlesen

  • Stadtgrün

Mit dem neuen Förderprogramm «Natürlich Schaffhausen» unterstützt die Stadt private Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer, Institutionen sowie…

Weiterlesen

  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün
  • Gebäudebegrünung

Rund 50 Teilnehmende nahmen an der 31. Mitgliederversammlung der Schweizerischen Fachvereinigung Gebäudebegrünung (SFG) auf dem Bächlihof in Jona…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Landschaftsarchitektur

Der Remisepark ist ein attraktiver Grünraum, versteckt im Zentrum der Wohnsiedlung Urbanplanen in Kopenhagen. Zwischen den grossen Gebäuden wachsen…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Umwelt
  • Biodiversität

Vom 3. bis 6. September 2026 wird der Meret Oppenheim-Platz hinter dem Bahnhof Basel SBB zur Blumenwiese. 2000 Wiesenziegel verwandeln die graue,…

Weiterlesen

  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün

Gebäudebegrünungen müssen in der Stadtentwicklung zur Selbstverständlichkeit werden. Diese Forderung prägte den Weltkongress Gebäudegrün, der Anfang…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Digitalisierung
  • Forschung
  • Biodiversität

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenvielfalt in Städten werden häufig unterschätzt. Der Grund: Regionale Klimadaten berücksichtigen den…

Weiterlesen

  • Stadtgrün

Mehr Bäume, mehr Biodiversität und neue Grünräume: Die Stadt Zürich erhält zum zweiten Mal die Gold-Auszeichnung von «Grünstadt Schweiz». Bei der…

Weiterlesen

  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün

Wenn es in Städten heiss wird, helfen Bäume. Die Lösung MobileGreen ermöglicht Schatten auch an Orten, wo dies bisher nicht möglich war. Basis dafür…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Landschaftsarchitektur
  • Diverses

Eine neue Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main präsentiert Ansätze und Lösungen aus 13 europäischen Städten, die einen Weg…

Weiterlesen

  • Pflanzenverwendung
  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün

Das Schulmuseum Thurgau hat seinen Aussenraum in mehreren Etappen gemeinsam mit dem Kanton Thurgau und JardinSuisse Thurgau neu gestaltet. Mit der…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Landschaftsarchitektur

Mit dem Prix SIA zeichnet der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) innovative, interdisziplinäre Projekte aus, die einen nachhaltigen…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Umwelt
  • Biodiversität

Am 4. und 5. Juni 2026 fand im Kongresshaus Zürich die Fachtagung «Ökologische Vernetzung im Siedlungsraum» statt. Fachleute aus Forschung, Planung…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Landschaftsarchitektur

Der Erlenmattpark und das ihn umgebende neue Erlenmattquartier gehören zu den spannendsten Beispielen moderner Stadtentwicklung in Basel. Wo einst…

Weiterlesen

  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün
  • Umwelt

Der Kanton Aargau sowie Aarau, Baden, Wettingen, das Naturama Aargau, die Mobiliar Genossenschaft und die Asphaltknackerinnen spannen zusammen: Sie…

Weiterlesen

  • Stadtgrün

Der Geschäftsbericht 2025 von Grün Stadt Zürich macht deutlich, welchen Stellenwert klimaangepasste Freiräume und Stadtbegrünung in Zürich einnehmen.…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Baumschulen
  • Baumpflege
  • Fachmessen

Rund 3450 Fachleute aus 35 Ländern besuchten Anfang Mai die Deutschen Baumpflegetage in Augsburg. Themen wie Schwammstadt, Jungbaumpflege, Regelwerke…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Veranstaltungs-Tipp

Die OST (Ostschweizer Fachhochschule) engagiert sich im Mai 2026 erneut für eine nachhaltige Zukunft. Im Rahmen der «Green Days» des Kantons St.Gallen…

Weiterlesen

  • Stadtgrün

Nach dem Auftakt des Programms Stadtgrün im Sommer 2025 stehen seit Mitte April wieder 50 Jungbäume temporär an vier öffentlichen Plätzen der Stadt…

Weiterlesen

Aktuelle Ausgabe

dergartenbau 17/2026

Interview: Bereit für die WorldSkills

Neuer Studiengang: «Team  Landschaft»

Interview: Mein Weg  nach Kanada

Japankäfer: Die rote  Zone wächst

Zur Ausgabe E-Magazine

Agenda

NürnbergMesse, Nürnberg

Internationale Fachmesse für Planung, Bau und Pflege von Urban- und Grünräumen und Sportplätzen, Golfanlagen und Spielplatzbau. Weitere Infos und Tickets.

15.09.2026  –  18.09.2026
Flugplatz Eisenach-Kindel (D)

Freilandmesse in Deutschladn mit innovativen Maschinen, Geräte und Digitallösungen für den Praxiseinsatz im Garten- und Landschaftsbau, für kommunale Anwendungen sowie für die Sport- und Golfplatzpflege, inklusive einer Sonderschau für den Rasen. Weitere Infos und Tickets.

20.06.2027  –  22.06.2027

Newsletter Registration

Frau  Herr 

Submissionen

weitere Submissionen