In Waldökosystemen verschiebt sich die Artenzusammensetzung hin zu Arten, die höhere pH-Werte im Boden bevorzugen. Bild: Judith Supper

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Starke Veränderungen in Europas Vegetation

Menschengemachte Einflüsse verändern die Muster der Pflanzenbiodiversität zunehmend. Wie sich Verschiebungen in der Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften über grosse räumliche und zeitliche Skalen hinweg im Kontext von Umweltveränderungen entwickeln, hat eine neue europäische Studie jetzt untersucht.

Unter der Leitung von Gabriele Midolo und Petr Keil von der Tschechischen Agraruniversität in Prag hat ein europaweit verzweigtes Team – darunter auch das Institute of Natural Resource Sciences (IUNR) der ZHAW – räumlich-zeitliche Schätzverfahren auf Grundlage von 644’524 Untersuchungsflächen untersucht und 18’345 Zeitreihen aus unterschiedlichen Lebensräumen analysierten. Herausgekommen ist eine Art Übersicht der Veränderung, die 60 Jahre umspannt. Die Studie wurde diesen April im Fachjournal «Science Advances» veröffentlicht. Analysiert wurden dabei Trends in ökologischen Zeigerwerten – für Licht, Temperatur, Bodenfeuchte, Stickstoffgehalt und Bodenreaktion (pH) – in europäischen Vegetationsbeständen zwischen 1960 und 2020.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Veränderung der Pflanzengemeinschaften in den vergangenen sechs Jahrzehnten: Der Anteil stickstoffliebender Arten hat in nahezu allen wichtigen Lebensraumtypen deutlich zugenommen. Gleichzeitig ist eine moderate Zunahme schattentoleranter Arten zu beobachten. 

In Waldökosystemen verschiebt sich die Artenzusammensetzung hin zu Arten, die höhere pH-Werte im Boden bevorzugen. In Feuchtgebieten hingegen nimmt der Anteil feuchtigkeitsabhängiger Arten im Zeitverlauf ab. Die Temperatur-Zeigerwerte bleiben insgesamt weitgehend stabil, mit einer Ausnahme in alpinen Lebensräumen, wo in jüngerer Zeit eine Zunahme wärmeliebender Arten festzustellen ist.

Insgesamt weisen die Ergebnisse auf einen breit abgestützten Trend hin zu dichteren Vegetationsbeständen. Die Forscher vermuten, dass dieser Wandel zu Pflanzengesellschaften mit höherem Stickstoffbedarf zumindest teilweise durch zunehmende Stickstoffeinträge aus der landwirtschaftlichen Düngung sowie aus der Luft verursacht wird.

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