Mit einem ungewöhnlichen Pilotprojekt will das Swiss Human Institute of Forensic Taphonomy (SHIFT) neue Erkenntnisse gewinnen. In einer gesicherten Freiluftanlage untersuchen Forschende gezielt den Zersetzungsprozess menschlicher Körper. Dabei soll auch wissenschaftlich untersucht werden, ob sich Verstorbene unter kontrollierten Bedingungen vollständig in Kompost umwandeln lassen und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind.
Das SHIFT verfolgt dabei drei zentrale Ziele: Zum einen soll das natürliche Biokompostieren als ökologische Alternative zu Erd- und Feuerbestattungen geprüft werden. Zum anderen erhoffen sich die Forschenden Fortschritte im Umgang mit humanitären Katastrophen. Darüber hinaus sollen neue, bislang fehlende Daten für die Rechtsmedizin gewonnen werden.
Der Ablauf der Kompostierung ist bewusst einfach gehalten: Der verstorbene Körper wird in ein Baumwolltuch gehüllt und auf ein Bett aus reifem Kompost gelegt. Anschliessend wird er mit pflanzlichem Häckselgut bedeckt. In dieser Umgebung setzen natürliche Zersetzungsprozesse ein – Mikroorganismen, Wärme und Feuchtigkeit sorgen dafür, dass der menschliche Körper zersetzt wird. Nach rund neun Monaten soll der Körper vollständig zu Kompost umgewandelt sein.
Zunächst wollen die Forschenden belastbare Daten erheben und ausreichend statistisches Material sammeln. Dabei stellt sich die Frage, ob das Verfahren unter kontrollierten Bedingungen zuverlässig funktioniert und ob die entstandene Komposterde später den Angehörigen übergeben werden darf. Auch ist unklar, welchen gesundheitlichen und ethischen Status sie hätten. Diese und weitere Fragen sollen in den kommenden Jahren unter realen Bedingungen geklärt werden.