Die Eidg. Forschungsanstalt für Wald Schnee und Landschaft (WSL) hat im Rahmen einer Analyse herausgefunden, dass die heutigen Auenschutzgebiete in Zukunft nicht mehr so effektive sein werden. Wie das WSL mitteilt, sind Lebensräume am Wasser besonders sensibel gegenüber klimatischer Veränderungen. Ihnen mache die zunehmende Trockenheit und der sinkende Wasserpegel aufgrund des Klimawandels stark zu schaffen. «Deswegen werden heute geschützte Gebiete in einigen Jahren nicht mehr für Auenarten geeignet sei», schreibt das WSL. Sie seien zu klein und zu wenig untereinander vernetzt, sodass Tiere und Pflanzen keine neuen Lebensräume aufsuchen können. Stattdessen werde es künftig Regionen im Flussverlauf geben, in denen Auen entstehen können.
In der Schweiz sind Auen selten geworden: Viele natürliche Flussverläufe mussten Dämmen, Stauwehren und Flussbegradigungen weichen. Zwar sind zahlreiche Revitalisierungs- und Schutzprojekte im Gang, so die WSL, doch der Klimawandel überhole nun diese Anstrengungen. Gemäss den Forschenden ist es daher wichtig, bestehende Auenlandschaften noch besser zu schützen und untereinander zu vernetzen, um möglichst viel Lebensraum und Artenvielfalt zu erhalten. «Nicht nur heutige Auengebiete müssen geschützt werden, sondern die Planung sollte auch schon jetzt Gebiete mit einbeziehen, die temporär oder langfristig zu ihnen werden können. Ziel ist, diese Lebensräume mit den heutigen geschützten Auengebieten zu vernetzen und so die bedrohten Ökosysteme zu erhalten», so WSL-Ökologin Sabine Fink.
Ein gutes Beispiel, wie es funktionieren kann, sei der Auenschutzpark im dicht besiedelten Kanton Aargau. Das Schutzgebiet für Auen und Flusslandschaften ist seit 1994 in der Kantonsverfassung verankert. Der Park bildet laut WSL ein Netz aus mehreren Teilgebieten entlang der Flüsse im Kanton, sodass sich Tiere, Pflanzen und Pilze zwischen einzelnen Wasser- oder Landlebensräumen bewegen können. Zwischen 1999 und 2008 nahm die Anzahl Käfer und Amphibien im Auenschutzpark deutlich zu, wie die WSL mitteilt.