Mit KI werteten die Forschenden über Jahrzehnte erfassten Bestandesaufnahmen aus ganz Europa aus. So fanden sie heraus, wie Pflanzengemeinschaften vor über 60 Jahre hinweg in vier Lebensräumen Wäldern, Wiesen, Gebüschen und Feuchtgebieten zusammengesetzt waren und wie sie sich seither verändert haben. Ein Zeigerpflanzensystem verknüpfte diese Entwicklungen mit den veränderten Umweltbedingungen.
Es zeigte sich, dass es in sämtlichen Lebensräumen immer mehr stickstoffliebende Pflanzenarten gibt. Etwa die Grosse Brennnessel im Wald und den Stumpfblättrigen Ampfer auf Wiesen. Die Ursachen sind naheliegend: Die Verwendung von Künstdünger, die Nutztierhaltung sowie die durch den Verkehr verursachten Stickoxide reichern immer mehr Stickstoff im Boden an. Nehmen solche Arten zu, verdrängen sie beispielsweise Orchideen, die magere Böden bevorzugen. Hinzu kommt auf Wiesen eine Zunahme schattenliebender Arten, möglicherweise weil die Vegetation in Europa aufgrund der Nährstoffeinträge oder der fehlenden Bewirtschaftung immer dichter werde. So gelange weniger Licht zum Boden. Kleinwüchsige, sonnenliebende Arten wie Thymiane oder Schlüsselblumen hätten daher weniger Chancen, zu gedeihen.
Überraschenderweise reagiere die Vegetation deutlich langsamer auf Temperaturerhöhungen, wie vermutet wurde, so die Forschenden. Einheimische Arten würden bisher also nicht massgeblich von wärmeliebenden Pflanzen aus südlicheren Ländern oder anderen Kontinenten verdrängt. Eine Ausnahme bilden die Schweizer Berge. Hier sei bereits erwiesen, dass immer mehr wärmeliebende Arten in höhere Lagen vordringen. Etwa das Englische Raygras oder der Wiesenfuchsschwanz.
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