Der Segelfalter (Iphiclides podalirius) gehört zu den wärmeliebenden Schmetterlingsarten, die sich durch den Klimawandel weiter ausbreiten. Bild: Charles J. Sharp, Wikimedia

er Segelfalter (Iphiclides podalirius) gehört zu den wärmeliebenden Schmetterlingsarten, die sich durch den Klimawandel zunehmend weiter ausbreiten. Bild: Charles J. Sharp, Wikimedia

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Klimawandel sorgt für Veränderungen in der Schmetterlingsverbreitung

Viele Schmetterlingsarten breiten sich aus, andere verlieren Teile ihres Verbreitungsgebiets. Das Ausmass dieser Veränderungen ist deutlich grösser als bisher angenommen – betroffen sind alle Kontinente.

Eine globale Analyse von 1.758 Schmetterlingsarten – rund zehn Prozent aller bekannten Arten – zeigt, dass 80 Prozent ihre Verbreitungsgebiete ausgeweitet haben. 79 Prozent der dokumentierten Verschiebungen stehen mit Klimawandel und Extremwetter in Zusammenhang. Laut der Mitteilung des iDiv (Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig) und der Monash University schrumpften gleichzeitig die Verbreitungsgebiete bei 27 Prozent der Arten, während 22 Prozent Veränderungen in ihrer Höhenverbreitung zeigten. Da Arten mehrere Arten von Verschiebungen gleichzeitig aufweisen können, überschneiden sich diese Anteile.

Für die bislang grösste Studie dieser Art werteten Forschende 6.182 dokumentierte Verschiebungen aus 105 Ländern aus. Grundlage waren englisch- und nichtenglischsprachige Fachliteratur sowie 68 Experteneinschätzungen. 

Die Veränderungen zeigen sich weltweit unterschiedlich: Auf allen Kontinenten wurden Ausweitungen der Verbreitungsgebiete festgestellt, besonders häufig in tropischen Regionen. Rückgänge treten dagegen häufiger in gemässigten Gebieten wie Europa und Nordamerika auf. Höhenverschiebungen wurden fast ausschliesslich auf der Nordhalbkugel beobachtet.

„Wir haben festgestellt, dass sich die Verbreitungsgebiete von Schmetterlingsarten auf allen Kontinenten verschieben", wird Erstautor Dr. Shawan Chowdhury in der Mitteilung zitiert. „Das Ausmass ist erstaunlich – und die Veränderungen finden nicht nur in den gut untersuchten Regionen Europas und Nordamerikas statt." Schmetterlinge seien Frühindikatoren, so Chowdhury: „Wenn sich ihre Verbreitungsgebiete derart dramatisch verändern, deutet das auf tiefgreifende Veränderungen in ganzen Ökosystemen hin."

Monitoring mit grossen Lücken

Wie gut diese Veränderungen erfasst werden, unterscheidet sich stark von Land zu Land. In der Tschechischen Republik, Deutschland, Finnland, Luxemburg, Spanien und Schweden liegen für mehr als die Hälfte der heimischen Arten Daten vor. In den meisten anderen Ländern wurden mögliche Arealverschiebungen dagegen für weniger als zehn Prozent der Arten dokumentiert.

Auch in Deutschland zeigen sich deutliche Veränderungen. Wärmeliebende Arten wie der Karstweissling (Pieris mannii)und der Segelfalter (Iphiclides podalirius) profitieren vom Klimawandel. Durch die längere warme Jahreszeit können viele Arten zudem mehr Generationen pro Jahr hervorbringen. Gleichzeitig geraten empfindliche Feuchtgebietsarten wie der Hochmoor-Perlmutterfalter (Boloria aquilonaris) durch die Entwässerung von Mooren und intensive Landnutzung unter Druck. Damit beeinflussen sowohl der Klimawandel als auch die Landnutzung die Verbreitung der Schmetterlinge.

Die Einbeziehung nichtenglischsprachiger Studien und von Expertenwissen ermöglichte einen umfassenderen globalen Datensatz. „Die Arbeit von naturkundlichen Gesellschaften und Schmetterlingsexpertinnen und -experten [waren] enorm wichtig, um globale Muster der Schmetterlingsdiversität besser zu verstehen", wird Prof. Aletta Bonn, Forschungsgruppenleiterin am UFZ, bei iDiv und an der Universität Jena, in der Mitteilung zitiert.

Trotzdem bestehen grosse Datenlücken, vor allem in Zentralafrika, Südostasien, Neuguinea und im Amazonasbecken. Gerade diese Regionen gehören zu den globalen Biodiversitäts-Hotspots. „Die Studie trägt dazu bei, das Bild auszugleichen, zeigt aber auch den dringenden Bedarf an koordinierten Massnahmen, um die Monitoring-Bemühungen weltweit auszuweiten", so Seniorautor Dr. Guy Pe'er von iDiv und dem UFZ. Die Forschenden betonen deshalb, dass ein standardisiertes und mehrsprachiges Biodiversitätsmonitoring notwendig ist. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Naturschutzmassnahmen auf einer unvollständigen und verzerrten Datenbasis beruhen.

  • Diverses
  • Forschung
  • Biodiversität

Wie aktiv ein Boden ist, lässt sich auch an vergrabenen Unterhosen ablesen. Das zeigt das Citizen-Science-Projekt «Beweisstück Unterhose» der…

Weiterlesen

  • Grünräume
  • Gesundheit
  • Gebäudebegrünung
  • Forschung

Versiegelte Flächen, fehlende Beschattung und aufgeheizte Gebäude können die Wärmebelastung auf Schularealen verstärken. Eine interdisziplinäre Studie…

Weiterlesen

  • Landschaftsarchitektur
  • Forschung

Dicht besiedelte Gegenden kühlen bei Hitze kaum mehr ab. Linderung verschaffen Grünflächen. Wo der Platz dafür fehlt, kann eine vertikale Bepflanzung…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Wildlebende Populationen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) sind in der Europäischen Union erstmals auf der Roten Liste der International…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt

Wie gut ist das Wissen der Bevölkerung über Böden? Dieser Frage widmet sich das EU-Projekt Curiosoil, das erstmals die Bodenkompetenz der Gesellschaft…

Weiterlesen

  • 4.0 – Digitalisierung heute und morgen
  • Forschung
  • Umwelt

Soziale Medien haben die Kommunikation über den Klimawandel in den vergangenen 20 Jahren grundlegend verändert. Das Versprechen, den Klimadiskurs zu…

Weiterlesen

  • Pflanzkonzepte
  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Eine internationale Studie zur Biodiversität zeigt, dass die Pflanzenvielfalt in Ackerlandschaften die natürliche Schädlingskontrolle stärkt,…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Europäische Forschende haben fast 650'000 historische Datensätze zur Biodiversität ausgewertet. Die Resultate zeigen langfristige Anpassungen. Am…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Digitalisierung
  • Forschung
  • Biodiversität

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenvielfalt in Städten werden häufig unterschätzt. Der Grund: Regionale Klimadaten berücksichtigen den…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Biodiversität
  • Internet

Zu diesem Schluss kommen die englischen Forschenden Alexander C. Lee, Tony Iwane, Glenn F. Seeholzer, Carrie Seltzer und Michael S. Webster in einer…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Nicht nur die Anzahl der Arten, sondern vor allem ihre Beziehungen untereinander bestimmen die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen. Zu diesem Schluss…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Die Pflanzenvielfalt im Schweizer Mittelland nahm während Jahrtausenden mit der Landwirtschaft zu. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität…

Weiterlesen

  • Baumschutz
  • Forschung

Das Projekt «Pro Healthy Tree» entwickelt Prognosemodelle zur Früherkennung von Krankheiten und Schädlingen in Baumschulen. Ziel ist es, den Einsatz…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Pflanzenschutz
  • Internet
  • Nutzpflanzen

Zum Internationalen Tag der Pflanzengesundheit am 12. Mai startet die europäische Kampagne «Plant Health for Life» in eine neue Phase. Auch die…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Junge Bäume können hohe Temperaturen erstaunlich gut verkraften – vorausgesetzt, ihnen steht genügend Wasser zur Verfügung. Fehlt dieses, drohen…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Menschengemachte Einflüsse verändern die Muster der Pflanzenbiodiversität zunehmend. Wie sich Verschiebungen in der Zusammensetzung von…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Biodiversität

Das Jahr 2024 war für das Projekt Flora beider Basel eine erfolgreiche Fortsetzung der vergangenen Jahre. Dank der engagierten Arbeit der Freiwilligen…

Weiterlesen

  • Diverses
  • Forschung
  • Biodiversität

Der Klimawandel und die Trockenheit setzen den Auengebieten in der Schweiz stark zu, sodass die bisherigen Schutzgebiete künftig nicht mehr effektiv…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Friedhof

Das Swiss Human Institute of Forensic Taphonomy (SHIFT) forscht im Rahmen eines Pilotprojektes am Zersetzungsprozess menschlicher Körper, u.a. mit dem…

Weiterlesen

  • Branche
  • Forschung

Eine neue Langzeitstudie kommt zum Schluss, dass Waldböden mehr Methan der Atmosphäre entziehen können, als bisher angenommen. Trockene…

Weiterlesen

Aktuelle Ausgabe

dergartenbau 17/2026

Interview: Bereit für die WorldSkills

Neuer Studiengang: «Team  Landschaft»

Interview: Mein Weg  nach Kanada

Japankäfer: Die rote  Zone wächst

Zur Ausgabe E-Magazine

Agenda

NürnbergMesse, Nürnberg

Internationale Fachmesse für Planung, Bau und Pflege von Urban- und Grünräumen und Sportplätzen, Golfanlagen und Spielplatzbau. Weitere Infos und Tickets.

15.09.2026  –  18.09.2026
Flugplatz Eisenach-Kindel (D)

Freilandmesse in Deutschladn mit innovativen Maschinen, Geräte und Digitallösungen für den Praxiseinsatz im Garten- und Landschaftsbau, für kommunale Anwendungen sowie für die Sport- und Golfplatzpflege, inklusive einer Sonderschau für den Rasen. Weitere Infos und Tickets.

20.06.2027  –  22.06.2027

Newsletter Registration

Frau  Herr 

Submissionen

weitere Submissionen