Die Schweiz hat es verpasst, ihre Landschaft so erfolgreich wie ihren Wald zu schützen.

Der Staat alleine kann auf lokaler Ebene der Landschaft nicht den nötigen Schutz bieten.

Die überdrehte Dynamik unserer Gesellschaft erzeugt durch ihre benötigten Infrastrukturen enormen Druck auf unsere Landschaft.

  • Umwelt
  • Organisationen

Goldener Geburtstag für die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz

Zu ihrem 50-jährigen Bestehen lud die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) zum Jubiläumsanlass ein. Ihre bewegte Geschichte, Ein- und Aussichten, Ansprüche und Erwartungen standen im Mittelpunkt der Feierlichkeiten mit namhaften Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.

Dass das Jubiläum mit einer Exkursion auf dem Weissenstein begann und mit der Tagung im Solothurner Landhaus endete, hat Symbolkraft. Wie Kurt Fluri, Präsident der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL), ausführte, ist die Juraschutzzone des Kantons Solothurn eine gesamtschweizerische Pioniertat des Landschaftsschutzes. Bereits 1942 hat der Regierungsrat «zum Schutz des Jura gegen Verbauung» einen Grossteil seines Kantonsgebietes mit einem rigiden Bauverbot belegt. Solothurn nehme auch sonst in der Geschichte des Landschaftsschutzes eine besondere Stellung ein. Marius Baschung und Ruedi Stüdeli, beide Solothurner, waren wichtige Stützen der Schweizer Raumplanung. Heute hat Nationalrat Kurt Fluri, Präsident der SL, auch das Solothurner Stadtpräsidium inne. Raimund Rodewald, fast Synonym für den SL, führt seit 30 Jahren dessen Geschicke mit einer unbändigen Leidenschaft für die Landschaft.

Von der Warnerin zur Institution

Nach einer grossen Zerstörungswut während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und dem Bauboom nach dem Zweiten Weltkrieg war bei der Gründung der SL 1970 ein breites Bewusstsein vorhanden, dass es eine Organisation brauche, die unabhängig und unbürokratisch den erst seit 1967 existierenden gesetzlichen Landschaftsschutz in der Praxis umsetze. Wie Fluri in seiner Festansprache weiter ausführte, blieb seine Organisation stets klein, aber fein. Vielleicht habe sie eben deshalb so Grosses erwirken können. 1972 lieferte sie beispielsweise den Anstoss für den Bundesbeschluss über dringliche Massnahmen auf dem Gebiet der Raumplanung, mit dem grosse Flächen vor wilder Verbauung haben bewahrt werden können. In der Folge wurden 35 900 Einsprachen gegen kantonale Umsetzungen erhoben. Auch für den Schutz der Oberengadiner Seenlandschaft vor Verbauung leistete die SL Massgebliches. Das ungehemmte Einzonen der unersetzlichen Uferlandschaften zu Bauland in den meisten Gemeinden des Bodensees konnte sie leider nicht verhindern.

SL unter verstärktem politischem Druck

Auch heute sei klar, dass der Staat alleine auf lokaler Ebene der Landschaft nicht den nötigen Schutz bieten könne. Obwohl heute gesetzlich besser geschützt, sei die Landschaft in der aus allen Nähten platzenden Schweiz weiter unter Druck, meinte Fluri. Doch auch die SL spüre Gegenwind. Zum einen rolle eine politische Welle gegen Ortsbild-, Natur- und Heimatschutz. Insbesondere die Bedeutung des Bundesinventars der wertvollsten Landschaften der Schweiz (BLN-Gebiete) sei geschwächt worden. Mit einer geänderten Interessenabwägung in Art. 6 des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG) sei der Stellenwert der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) relativiert worden. Nötig wäre aber genau das Gegenteil, ärgerte sich Nationalrat Fluri.

Eine weitere Bedrohung des Landschaftsschutzes ortet die SL in der Umsetzung der Energiestrategie 2050. Durch die massive Ausweitung der erneuerbaren und dezentralen Energieproduktion laufen bundesrechtlich geschützte Gebiete Gefahr, geopfert zu werden. Und unter dem Deckmantel der «Verfahrensbeschleunigung» komme das Instrument der Verbandsbeschwerde ins Visier. Der Vorstoss im Parlament zu dessen Aufhebung für sogenannte kleinere Projekte sei bereits eingereicht. Die Schwächung der «lästigen» Umweltschutzorganisationen freue sowohl die Verfechter der Energiepolitik 2050 wie auch die Gegner des Verbandsbeschwerderechtes.

Schutz durch Entschleunigung

Nach einer Kunstintervention des Duos Stützle & Mattenberger moderierte Sandra Boner von SRF Meteo die erste Podiumsdiskussion. Die Bühne gehörte jetzt der jungen (Klima-)Generation. Die Umweltnaturwissenschaftlerin Amanda Deplazes wünschte sich die Einsicht, dass es im Kern nicht darum gehe, die Landschaft per se zu schützen, sondern sich selbst. Eine Gesellschaft in gemächlicheren Bahnen, verschlinge weniger Energie. Folglich genügten schmalere Strassen, kleinere Flugplätze, weniger Staumauern und Bergbahnen. Aus sozialer Sicht sei es die überdrehte Dynamik, die Druck auf die Landschaft erzeuge. Laut Sebastian Moos von Mountain Wilderness Schweiz brauche es mehr unkultivierte, sich selbst gestaltende Landschaft. Sie müsse nicht immer nützen, um einen Wert zu haben. Janina Studer von der extra Landschaftsarchitekten AG wollte auch mehr Wildnis und bemerkte, dass besonders bei Neubauten über Autoeinstellhallendecken herzlich wenig Bodenaufbau möglich sei, um eine abwechslungsreiche Landschaft zu gestalten.

Bauen nur in der Bauzone

An der zweiten Podiumsdiskussion kamen Schwergewichte der älteren Generation aus Politik und Wirtschaft zu Wort. Ursula Schneider-Schüttel, Nationalrätin und Präsidentin von Pro Natura, bemängelte die Bautätigkeit der Landwirtschaft ausserhalb der Bauzone. «Gehören Treibhäuser, Hühnerställe, aber auch touristische Bauten mitten in die Landschaft?», fragte Schneider-Schüttel rhetorisch und gab mit dem Hinweis auf die Landschaftsinitiative gleich selbst die Antwort. Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbandes, gab ihr teils recht, verwies jedoch darauf, dass Ernährung auch eine Raumrelevanz habe und im Sinne des Tierschutzes Ställe gross sein sollten.

Die Co-Leiterin der Forschungsstelle Tourismus an der Uni Bern, Monika Bandi, rief zu mehr Mut auf, nicht rentable Hotels und Seilbahnen abzureissen, statt krampfhaft nach Umnutzungen zu suchen. Dem entgegnete Kurt Rohrbach, ehemaliger Konzernchef der BKW AG, pragmatisch, dass dies sehr schwierig durchzusetzen sei. Tourismus sei schliesslich ein Exportgut der Schweiz. Notabene gäbe es nebst den Landschaftsschützern auch Hotel- und Industriedenkmalschützer, die auch gute Menschen seien.

Mit einem Loblied auf die zurückkehrende Schwalbe setzte Köbi Gantenbein als ehemaliger Chefredaktor der Architekturzeitschrift «Hochparterre» ein Schlussbouquet. Im Gesang begleitet von einer Klarinette bedauerte er, dass es die Schweiz verpasst habe, ihre Landschaft soe wie ihren Wald zu schützen. |

  • Stadtgrün
  • Umwelt
  • Biodiversität

Vom 3. bis 6. September 2026 wird der Meret Oppenheim-Platz hinter dem Bahnhof Basel SBB zur Blumenwiese. 2000 Wiesenziegel verwandeln die graue,…

Weiterlesen

  • Diverses
  • Umwelt
  • Biodiversität

Die Schweizer Wälder geraten durch Hitze und Trockenheit zunehmend unter Druck. Gleichzeitig plant der Bundesrat, die zusätzlichen Mittel für die…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Wildlebende Populationen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) sind in der Europäischen Union erstmals auf der Roten Liste der International…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt

Wie gut ist das Wissen der Bevölkerung über Böden? Dieser Frage widmet sich das EU-Projekt Curiosoil, das erstmals die Bodenkompetenz der Gesellschaft…

Weiterlesen

  • Diverses
  • Umwelt

Der mächtigste Affenbrotbaum Madagaskars steht vor dem Ende. Der rund 900 Jahre alte Tsitakakantsa ist von Pilzen und Bakterien befallen und…

Weiterlesen

  • 4.0 – Digitalisierung heute und morgen
  • Forschung
  • Umwelt

Soziale Medien haben die Kommunikation über den Klimawandel in den vergangenen 20 Jahren grundlegend verändert. Das Versprechen, den Klimadiskurs zu…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Viele Schmetterlingsarten breiten sich aus, andere verlieren Teile ihres Verbreitungsgebiets. Das Ausmass dieser Veränderungen ist deutlich grösser…

Weiterlesen

  • Pflanzkonzepte
  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Eine internationale Studie zur Biodiversität zeigt, dass die Pflanzenvielfalt in Ackerlandschaften die natürliche Schädlingskontrolle stärkt,…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Europäische Forschende haben fast 650'000 historische Datensätze zur Biodiversität ausgewertet. Die Resultate zeigen langfristige Anpassungen. Am…

Weiterlesen

  • Diverses
  • Umwelt
  • Biodiversität

Die Hermann und Elisabeth Walder-Bachmann Stiftung (WBS) zeichnet BirdLife Schweiz, LPO Alsace und NABU Südbaden für ihr gemeinsames Engagement zum…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Nicht nur die Anzahl der Arten, sondern vor allem ihre Beziehungen untereinander bestimmen die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen. Zu diesem Schluss…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Die Pflanzenvielfalt im Schweizer Mittelland nahm während Jahrtausenden mit der Landwirtschaft zu. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Umwelt
  • Biodiversität

Am 4. und 5. Juni 2026 fand im Kongresshaus Zürich die Fachtagung «Ökologische Vernetzung im Siedlungsraum» statt. Fachleute aus Forschung, Planung…

Weiterlesen

  • Umwelt
  • Biodiversität

Wo die Rhone noch Kies umlagert, Seitenarme bildet und neue Lebensräume schafft, entsteht eine aussergewöhnliche Artenvielfalt. Dafür zeichnet Aqua…

Weiterlesen

  • Umwelt
  • Biodiversität

Das neue Naturzentrum Zürich bringt Themen rund um urbane Biodiversität und Vogelschutz direkt in die Gemeinden. Mit einem «Naturmobil» sollen Natur…

Weiterlesen

  • Wettbewerbe
  • Umwelt

Wo wieder Wasser durch den Wald fliesst, profitieren seltene Amphibien und der Wald wird widerstandsfähiger gegen Trockenheit. Für die Revitalisierung…

Weiterlesen

  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün
  • Umwelt

Der Kanton Aargau sowie Aarau, Baden, Wettingen, das Naturama Aargau, die Mobiliar Genossenschaft und die Asphaltknackerinnen spannen zusammen: Sie…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Junge Bäume können hohe Temperaturen erstaunlich gut verkraften – vorausgesetzt, ihnen steht genügend Wasser zur Verfügung. Fehlt dieses, drohen…

Weiterlesen

  • Garten- und Landschaftsbau
  • Umwelt

Das Zürcher Unternehmen Wildbiene + Partner erweitert sein Angebot an Nisthilfen erstmals um eine App-basierte Begleitung namens MyBeeHome. Mit ihr…

Weiterlesen

  • Forschung
  • Umwelt
  • Biodiversität

Menschengemachte Einflüsse verändern die Muster der Pflanzenbiodiversität zunehmend. Wie sich Verschiebungen in der Zusammensetzung von…

Weiterlesen

Aktuelle Ausgabe

dergartenbau 17/2026

Interview: Bereit für die WorldSkills

Neuer Studiengang: «Team  Landschaft»

Interview: Mein Weg  nach Kanada

Japankäfer: Die rote  Zone wächst

Zur Ausgabe E-Magazine

Agenda

NürnbergMesse, Nürnberg

Internationale Fachmesse für Planung, Bau und Pflege von Urban- und Grünräumen und Sportplätzen, Golfanlagen und Spielplatzbau. Weitere Infos und Tickets.

15.09.2026  –  18.09.2026
Flugplatz Eisenach-Kindel (D)

Freilandmesse in Deutschladn mit innovativen Maschinen, Geräte und Digitallösungen für den Praxiseinsatz im Garten- und Landschaftsbau, für kommunale Anwendungen sowie für die Sport- und Golfplatzpflege, inklusive einer Sonderschau für den Rasen. Weitere Infos und Tickets.

20.06.2027  –  22.06.2027

Newsletter Registration

Frau  Herr 

Submissionen

weitere Submissionen