Niklaus v. Fischer

Niklaus v. Fischer

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Steingärten – zurück auf Feld 1

Gastkolumne von Niklaus v. Fischer, Gärtner und Biologe, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur SGGK

In der Botanik wird die Entwicklung der Vegetation als Sukzession, also als Abfolge von zeitlich aufeinander folgenden, veränderlichen Pflanzengemeinschaften bezeichnet. Das passiert aufgrund von sich ebenfalls verändernden Standortbedingungen und kommt erst zu einem (vorläufigen) Stillstand, wenn diese bezüglich Klimafaktoren und Bewirtschaftung einigermassen konstant bleiben.

Die Sukzession beginnt nach dem Rückzug der Gletscher mit einem so genannten Gletschervorfeld und endet in den tieferen Lagen unseres Landes auf waldfähigen Böden naturgemäss (und unaufhaltsam!) mit einem Wald. Das wird uns immer wieder vor Augen geführt, wenn wir beispielsweise in Rabatten, unter Ziersträuchern, an Böschungen, in den Fugen von Belägen und auf chaussierten Flächen am Ausreissen der Sämlinge von Salweiden, Birken, Haseln, Ahornen usw. sind.

Falls wir die Gehölze der Einfachheit halber einfach bodeneben abschneiden, bedankt sich der junge Wald für die gärtnerische Unterstützung! Die Gehölze spriessen umso kräftiger und schon bald müssen wir ihnen mit Schaufel und Pickel zu Leibe rücken. Für das so genannte Unkraut, das wir zwischen Blumen und Sträuchern immer wieder ausreissen, ist das Jäten sogar überlebenswichtig, denn es ist auf nackte, bearbeitete Flächen angewiesen. Die differenzierte Aufrechterhaltung aller «Waldvorstufen» auf reichhaltiger Erde ist gärtnerisch höchst anspruchsvoll und erfordert grosse Kenntnis und Erfahrung. Alle, die sich je an einem «mixed border» nach englischem Vorbild versucht haben, wissen das! Wer schliesslich ob Wildwuchs und Winden kapituliert, legt am besten einen Rasen an. Nirgends sonst im Garten gibt es eine konstantere «Bewirtschaftung» – getreulich wird hier jede Woche während der ganzen Vegetationszeit gemäht! Dadurch ergibt sich ein (vorläufiges) Ende der Entwicklung und die Fläche verändert sich höchstens noch ein wenig in ihrer Artenzusammensetzung. Weil sozusagen «jeder Mann» auf diese einfache Weise die Dynamik der Entwicklung (zum Wald) aufhalten kann, gilt ein Rasen als pflegeleicht.

Denjenigen, die überhaupt kein gärtnerisches Flair mitbringen und sogar mit der Pflege eines Rasens überfordert sind, bleibt nichts anderes übrig, als auf Feld 1 zu beginnen, also sozusagen beim Gletschervorfeld: Hier wachsen zwischen lauter Steinen verschiedener Art und Grösse erst einzelne Kräutchen und Kleingehölze. Ein Bild, das sich entsprechend des abnehmenden Bezuges zur Natur allenthalben ausbreitet. Wer die Lösung in einem solchen Steingarten sucht, muss aber gut aufpassen, dass seine gärtnerische Erfahrung mit der Vegetation Schritt hält, sonst befindet er sich bald in einem Wäldchen!

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