Lediglich 18 Punkte trennten die Schweizer Silas Nussbaumer und Elias Schöpfer von den Weltmeistern im Landscape Gardening, einem Team aus Frankreich mit Justin Kreis und Corentin Mathieu (743 Punkte). Vize-Weltmeister wurden Zhu Nie und Run Cai aus China mit 740 Punkten. Die Bronzemedaille ging an Deutschland mit Lennard Weitzmann und Marc-Aurel Spalek (732 Punkte). Auf Platz vier landete das Frauenteam aus Südtirol/Italien mit 728 Punkten. «Der Anspruch als Titelverteidiger im vierten Jahr war gewaltig», sagt Garten- und Landschaftsexperte Lorenz Arbogast von JardinSuisse. «Für uns war es das verflixte vierte Jahr nach drei Goldmedaillen. Ich war bislang nur den Erfolg gewohnt.» Der fünfte Platz sporne ihn aber nur noch mehr an: «Für Nationaltrainer Pascal Flüeler war das eine sehr wertvolle Erfahrung. Wir werden weiter an unseren Trainings und der Vorbereitung feilen und das eine oder andere neu zu gestalten.»
Ein chinesischer Garten
Der brasilianische Architekt und Stadtplaner Luis Monti entwarf den diesjährigen Wettbewerbsgarten nach chinesischem Vorbild. 2007 nahm Monti selbst als Teilnehmer bei den WorldSkills in der japanischen Stadt Shizuoka teil und blieb diesem Wettbewerb in verschiedenen Funktionen verbunden. In Shanghai war er nicht nur als Planer tätig, sondern auch für die Wettbewerbsleitung zuständig.
Montis Plan musste innerhalb von 22 Stunden durch die Teams umgesetzt werden. So entstanden an vier Tagen im National Exhibition and Convention Center, (NECC) 18 chinesische Gärten. «Das Projekt war vielseitig und der Grundaufbau mit den Wänden und dem Mond-Tor sorgte vom ersten Tag an für eine coole Atmosphäre. Besonders der vertikale Blick durch die hintereinander liegenden runden Tore war beeindruckend», beschreibt Flüeler seine Eindrücke. «Jeden Tag waren verschiedene Module aus dieser Gartenplanung fertigzustellen, die dann abends von 18 Juroren bewertet wurden.»
Arbogast lobte die vielen kreativen Freiheiten, die den Teams bei der Pflanzung oder auch beim Bau einer Fensterverzierung aus Holz gewährt wurden. Auch dass der Bezug zur Realität im Garten- und Landschaftsbau hergestellt wurde, beeindruckte Arbogast. Am Morgen des zweiten Wettbewerbstages habe es einen zu berücksichtigenden «Kundenwunsch» gegeben. Der Weg sollte nicht im Schachbrettmuster wie auf dem Plan, sondern frei verlegt werden. Dabei galt es, ein treppenförmiges Zickzackmusters zu berücksichtigen. «Das ergab sehr interessante und unterschiedliche Beläge.»
Auch Bewässerung und Beleuchtung waren einzubauen ebenso wie ein Teich mit chinesischer Steinsetzung. Die beiden traditionellen Natursteinmauern waren fachlich präzise ausgeführt. Bis dahin sei alles nach Plan gelaufen, sagt Arbogast und habe die Schweizer Fans begeistert. Am dritten Tag hätten sich bei den Teams jedoch körperliche wie auch mentale Anstrengungen bemerkbar gemacht. Elias und Silas kümmerten sich um die Pflanzung und deren Vorbereitung. Sie begannen mit dem Teichbau, der Steinsetzung für die Quelle sowie mit den Holzarbeiten für die anspruchsvolle Brücke, die aufwendige Konstruktions- und Sägearbeiten erforderte. Irgendwo auf diesem Weg seien wertvolle Punkte verloren gegangen. «Bis dahin zählte das Team zu den Favoriten», sagt Flüeler. «Die Messpunkte müssen einfach passen, dann bist du vorn mit dabei. Hier gibt es nur ein Richtig oder ein Falsch und keine persönliche Bewertung eines Experten.» Bei Favoritenteams werde immer genau hingeschaut.
Vorbereitung und Training
«Wir beginnen mit dem Team für die WorldSkills zuerst mit den Fachtrainings in einzelnen Modulen, beispielsweise zu den Themen Holz, Wasser, Pflasterung, Mauerbau, Pflanzungen und Metall», erklärt Flüeler. Erst dann folgen die Haupttrainings, in denen ein Objekt innerhalb von dreieinhalb Tagen komplett umgesetzt werde. Diese Trainings seien ähnlich wie die Wettbewerbsaufgaben bei den WorldSkilss aufgebaut und sollen den Teilnehmern helfen, die Belastung und die verfügbaren Zeitfenster besser einzuschätzen. Das Ganze wird durch ein Teambuilding zwischen den Trainern und den Teilnehmern untermauert, um das notwendige Vertrauen aufzubauen.«Wir sind auf eine Almhütte gewandert, haben Feuer am Fluss gemacht, Steinmandln gebaut und uns so besser kennengelernt», verrät Flüeler ein paar Details.
Die Rolle der mitgereisten Fans
Wer bei den WorldSkills dabei war, den packt die Begeisterung für diesen Wettbewerb: «Dieses Jahr war eine grosse Delegation mit Arbeitgebern, Partnerinnen sowie Eltern, Grosseltern und Geschwistern dabei», ergänzt Flüeler. «Von Silas war fast die gesamte Firma mitgereist und alle Fans waren sehr interessiert.» Die Teilnehmer spüren diese Energie unterbewusst, ergänzt Arbogast «das gibt ihnen Sicherheit.» Die Nervosität dürfe von den Zuschauenden jedoch nicht auf die Teilnehmenden überspringen.
Was sagen die Schweizer Teilnehmer zu dieser Weltmeisterschaft?
«Es ist ein unglaubliches, einzigartiges Gefühl und etwas ganz Besonderes, an einer Weltmeisterschaft teilnehmen und die Schweiz vertreten zu dürfen» – darin sind sich Silas und Elias einig. «Man ist stolz, aber auch etwas nervös. Es war eine einmalige Erfahrung, sich mit den weltweit besten Gärtnern messen zu dürfen», ergänzt Elias.
Als fachlich grösste Herausforderung sah Elias das Holzelement. Für Silas war es schwierig, unter Zeitdruck die hohe Qualität beizubehalten. «Fehler darf man sich keine erlauben, das kostet Zeit und Punkte.» Entscheidend sei zudem, den Überblick zu behalten und sich auf die nächsten Arbeitsschritte zu fokussieren.
«Die hohe körperliche und mentale Belastung spürt man erst am Ende eines langen Tages», sagt Elias. Dank des hohen Adrenalinspiegels sei es während des Wettbewerbs jedoch möglich, alles zu geben. «Als Titelverteidiger wussten wir, wie hoch die Erwartungen an uns sind. Dennoch ist es wichtig, nicht ständig daran zu denken. Wir haben uns auf die Arbeit konzentriert und unser Bestes gegeben», erklären Elias und Silas.
Grenzen austesten und Höchstleistungen erbringen
«Erfahrene Trainer wie Lorenz Arbogast und Pascal Flüeler sind bei einem solchen Wettbewerb wichtig. Sie konnten uns durch ihr Wissen und ihre Erfahrung sehr viel mitgeben und haben uns während der Vorbereitungen geholfen, unsere Schwächen zu erkennen, uns zu verbessern und uns optimal vorzubereiten», erklärt Silas.«Es ging dann auch darum, Lösungen zu finden, wenn etwas nicht nach Plan lief, oder Grenzen auszutesten, um Höchstleistungen abzurufen», ergänzt Elias.«Während des Wettbewerbs waren vor allem die mentale Unterstützung sowie Tipps und Hinweise in der Kommunikation wichtig.»
Aus diesem Wettbewerb nehmen sie sehr viel mit, sagen Elias und Silas: «Fachlich, persönlich und beruflich. Wir haben neue Menschen kennengelernt, andere Arbeitsweisen gesehen, viele Eindrücke gesammelt, die uns in Erinnerung bleiben werden, und erfahren, dass man an Herausforderungen wachsen kann. Wir werden sicher noch lange von den WorldSkills profitieren, im Berufsalltag aber auch privat.»