Nach zwei Jahren Bauzeit hat Winterthur die Sanierung des Stadtgartens abgeschlossen. Mit der neuen Kulturfläche und dem erneuerten Barockhäuschen endet die letzte Bauetappe. Stadtgrün Winterthur verfolgte einen integralen Ansatz: Die wichtigste Grünanlage der Innenstadt sollte sich stärker mit ihrer Umgebung verbinden und heutigen Ansprüchen an einen öffentlichen Freiraum entsprechen.
Dafür entfernte die Stadt die Mauer und den Ballfangzaun zwischen Stadtgarten und Altstadtschulhaus. Offenere Zugänge und neue Wegführungen verknüpfen den Park nun stärker mit den historischen Gebäuden und angrenzenden Verkehrsflächen. Das Altstadtschulhaus steht damit als «Schule im Park». Auch die Fläche zwischen Barockhäuschen und Merkurplatz erhielt eine offenere Gestaltung. Auf der neuen Kulturfläche liegt ein spezieller Kiesrasen; Schach- und Mühlefelder sowie Sitzbänke ergänzen das Angebot. Ein Nutzungskonzept regelt die Aktivitäten im gesamten Stadtgarten.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete das denkmalgeschützte Barockhäuschen. An der Südfassade entfernten die Fachleute den Zementputz aus den 1970er-Jahren, um Schäden am Fachwerk zu sanieren. Dabei stiessen sie auf helle Farbreste, die Hinweise auf das historische Erscheinungsbild lieferten. Nach dem neuen Kalkputz erhielt die Fassade den wiederentdeckten Weisston. Auch an der Sandsteinfassade entfernten die Beteiligten eine ältere Lasur und restaurierten Schäden. Teile des echten Winterthurer Sandsteins treten nun wieder sichtbar hervor. Im Inneren erneuerten sie elektrische Anlagen und Leitungen und restaurierten Täfer und Wandmalereien. Das Gebäude erhielt zudem einen Anschluss ans Fernwärmenetz. Rundherum geben angepasste Wege sowie Bodendecker, blühende Stauden und Sträucher dem Barockhäuschen mehr Raum.
Auch ökologische Aspekte prägten die Sanierung. Sämtliches Regenwasser versickert künftig im Park statt in die Kanalisation zu fliessen und trägt so zur Grundwasserneubildung bei. Das Wasserbecken arbeitet neu mit einem Kreislauf: Eine Zisterne im ehemaligen Kohlekeller unter dem Altstadtschulhaus nimmt Brunnenwasser auf und erhält zusätzlich Dachwasser des Schulhauses. Die Stadt ersetzte veraltete Strom- und Wasserleitungen und rüstete die historischen Parkleuchten auf energieeffiziente Leuchtmittel um.
Zur neuen Bepflanzung gehören ein Blumengarten mit Wildpflanzen, robusten Blütenstauden und historischen Kulturpflanzen sowie Dutzende neue Bäume und Sträucher. Am Baumplatz schafft eine transparente Pergolakonstruktion Raum für ein Gastronomieangebot. Rankpflanzen sollen die hölzernen Balken mit der Zeit begrünen. Zwei neue Spielplätze ergänzen das Angebot im Stadtgarten.
Das Stadtparlament bewilligte 2021 für die Sanierung 4,9 Millionen Franken. 3,7 Millionen Franken stammen aus der ZKB-Jubiläumsdividende. Für das Barockhäuschen sprach der Stadtrat Anfang 2025 zusätzlich 805'000 Franken. Die Stadt setzte das Projekt etappenweise um, sodass Teile des Parks während der Arbeiten zugänglich blieben.