Eine hohe Leistung und eine gute Performance, gleichzeitig Langlebigkeit und Robustheit – das dürften allgemeine Anforderungen an handgeführte Profimäher sein. Die Geräte müssen lange, belastende Arbeitstage durchhalten. Dabei werden die Leistungsansprüche von Akku- und Benzinmäher immer ähnlicher und die Geräte müssen ihre hohe Mähleistung, Schnitt- und Fangqualität bei unterschiedlichen Nutzern und wechselnden Einsatzszenarien entfalten – so sieht man es beim Hersteller Stihl. Bei Sabo weiss man, dass für Betriebe und Kommunen neben den technischen Anforderungen auch die Wirtschaftlichkeit wichtig ist – und diese besteht aus einem respektablen Preis-Leistungs-Verhältnis bei der Anschaffung sowie günstigen Energie-, Wartungs- und Betriebskosten. Für die Einsatzkräfte sind einfaches Handling, ergonomische und einfache Bedienung sowie geringe Vibrationen wichtig.
«Die Arbeit soll kinderleicht sein, aber auch erstklassige Ergebnisse liefern», sagt Daniel Kurtzenigg, verantwortlicher Portfolio-Manager für handgeführte Mäher bei Stihl Tirol. «Im Einsatz sollen die körperliche Belastung und der Zeitaufwand möglichst gering sein.» Vor dem Herangehen an ein neues Modell betreibe man Marktforschung und ermittle die Bedürfnisse der Anwender. Hausmessen und Händlerschulungen bringen Rückmeldungen aus den einzelnen Märkten. Auch der Hersteller Sabo sondiert den Markt. «Das Wichtigste sind immer die Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden», so Sebastian Majewski, Leiter Engineering. «Wir suchen Antworten auf Fragen wie: Wie haben sich die Anforderungen geändert? Welche rechtlichen Anforderungen gelten bezüglich Umwelt und Sicherheit? Welche normativen Anforderungen haben sich ergeben? Dazu gehört auch eine Wettbewerbs- und Marktanalyse, um Marktlücken zu erkennen und sich passend aufzustellen.» Aber auch Kosten müssen beachtet werden. «Für jedes Produkt haben wir gewisse Target Costs, und diese müssen während der Entwicklung erreicht werden, damit ein wirtschaftlich erfolgreiches Produkt entsteht.»
Vorarbeiten am Computer
Wie sorgen die Entwickler von Rasenmähern dafür, dass die Geräte in der Praxis die Anforderungen erfüllen? Bei Sabo erstelle man zunächst aus den Vorgaben im Lastenheft ein Konzept, bei dem Grundentscheidungen wie Schnittbreite, Antriebstechnologie und Einsatzbereich geklärt werden. Danach folgen erste Handskizzen und Brainstormings, die immer weiter detailliert werden. Steht das generelle Konzept, dann beginnt die Umsetzung im CAD-Programm. Mit der Zeit werden alle Bauteile ausgearbeitet, bis sie einen prototypfähigen Zustand erreicht haben. «In dieser digitalen Phase kann man die Funktionalität der späteren realen Mäher durch Berechnungen und Simulationen bereits am Rechner gut vorausplanen», sagt Sebastian Majewski.
Bevor Rasenmäher von Stihl, Husqvarna, Sabo und anderen Herstellern aus der Entwicklung in die Serienfertigung und den Handel kommen, müssen ihre Prototypen viele Labor- und Einsatztests durchlaufen, eventuelle Schwachstellen werden behoben. «Wir bei Stihl betreiben in jeder Entwicklungsphase der Mäher eine intensive Produktabsicherung», sagt Daniel Kurtzenigg. «Das beginnt mit unvollständigen Konzept-Prototypen von Mähergehäusen und Messern, Monolenkern und Fangkörben, die auf ihr Einsatzverhalten und auf die geforderte Lebensdauer geprüft werden. Wenn während der vorgegebenen Stundenzahl am Prüfstand der Prototyp eines Monolenkers bricht, werden Schwachstellen verbessert. Daraus entsteht ein neuer Prototyp, der wiederum getestet wird. So stellen wir sicher, dass das fertig konstruierte Gesamtprodukt seine Lebenserwartung erfüllt.»
Normprüfungen für Prototypen
Einige dieser Tests an Prototypen sind Normprüfungen, die jeder Rasenmäher unabhängig von Marke und Modell bestehen muss – hier ein paar Beispiele:
- Wurfkörperprüfung: Dabei werden 500 Stahlkugeln von genormter Grös-se und Beschaffenheit ins laufende Mähwerk gegeben, das am Boden von einer Pappwand und weiter oben von einer Papierwand umgeben ist. Bei der Prüfung ist vorgegeben, welche Anzahl an Kugeln höchstens aus dem Gehäuse geschleudert und in welcher Höhe bzw. welcher Region – vorne, seitlich oder hinten an der Bedienerposition – die Papp- bzw. Papierwand getroffen werden darf.
- Schlagprüfung: Der Mäher steht mit rotierendem Messer am Boden. Ein 25 mm starker Stahlstab fährt aus dem Boden herauf und stoppt schlagartig das Messer. Dabei darf laut Norm das Messer nicht brechen und aus dem Gehäuse dürfen keine Teile hervorschlagen. In der Regel wird die Maschine dabei derart beschädigt, dass sie nicht mehr funktioniert. Bei Stihl geht man darüber hinaus: Das Messer darf sich verbiegen, aber die Motorwelle muss geschützt und der Mäher von einem Totalschaden verschont bleiben.
- Geräuschmessung: Bei dieser Normprüfung wird in einem Schallmessraum der Schallleistungspegel des Mähers gemessen. Hierfür wird der Mäher betriebsbereit auf einen Drehteller gestellt, gestartet und die erzeugte Schallleistung gemessen. Je geringer, desto besser – aber je nach Schnittbreite müssen gesetzliche Grenzwerte eingehalten werden.
Die Prüfleute von Stihl checken ihre Mäher nicht nur auf Standard-Anwendungen und nach bestehenden Normen, sondern auch auf Missbrauch – etwa beim Falltest. Bei diesem brachialen, vom Hersteller selbst entwickelten Test wird das Gerät auf eine kniehohe Plattform gezogen und fällt ungebremst auf den harten Laborboden. Diese ruppige Methode des Abladens soll ein Profigerät bestehen. Auch für den Monolenker für Profimäher wurde ein Prüfverfahren entwickelt. Bei Sabo nennt man es den Bergemann-Prüfstand, damit wird u. a. das von Sabo selbst entwickelte Antivibrations-System des Bedienholms getestet.
Zahlreiche Praxistests
Neue Profimäher-Modelle werden auch im Praxiseinsatz in diversen Regionen der Welt mit örtlichen Anwendern getestet. In den einzelnen Ländern – so weiss man etwa bei Stihl – wird unterschiedlich gearbeitet und das Gras kann anders beschaffen sein. In Küstennähe haben beispielsweise die salzhaltige Meeresluft und der sandige Boden einen Einfluss auf den Verschleiss.
Die Mäher in verschiedenen Regionen unter realen Bedingungen zu testen, ist auch bei Sabo ein Kernelement der Entwicklung von Hochleistungsmähern. «Die Prototypen unserer Profigeräte werden in einer Saison mindestens 400 Stunden lang unter realen Bedingungen und bis zu sechs Stunden täglich getestet», sagt Sebastian Majewski. «Und von jedem Modell werden mehrere Maschinen in den Test geschickt, um belastbare Aussagen zu erzielen. Wir achten darauf, immer mindestens eine vollständige Saison zum Testen der Maschinen zu haben und im Anschluss noch genügend Zeit zur Verbesserung zu haben, bis die neuen Mäher in Produktion gehen und auf den Markt kommen.»
Service und Support
Und was, wenn am neu gekauften Mäher später doch einmal etwas kaputtgeht? Die Entwicklung von Rasenmähern zielt bei Stihl, Husqvarna und Sabo auch darauf ab, dass die Geräte beim Fachhändler einfach und schnell repariert werden können und dass die wichtigsten Reparaturen rasch und problemlos auszuführen sind. Geradezu selbstverständlich ist, dass die am Mäher verwendeten Schrauben weitestgehend den gleichen Schraubenkopf haben, das erleichtert dem Händler zusätzlich die Reparatur. Um ein langes Mäherleben zu sichern, werden Ersatzteile bei Stihl zehn Jahre lang vorgehalten. Aber auch über diese zehn Jahre hinaus sind die meisten Ersatzteile noch lieferbar.
Bei Sabo beziffert man die Modelllaufzeit eines Profi-Rasenmähers auf rund zehn Jahre. Der Hersteller bietet bei allen Geräten mindestens zehn Jahre lang Ersatzteile an, meistens sogar deutlich länger – auch für 30 oder 40 Jahre alte Geräte von Sabo sind viele Ersatzteile noch verfügbar.
Husqvarna – schwedische Gründlichkeit
Bei Husqvarna unterzieht man die Prototypen von Rasenmähern im Prüflabor einer Kombination von Langzeittests in massgefertigten Prüfständen. Die Lebensdauertests sollen Daten liefern, die bestätigen, dass die Mäher im beruflichen Einsatz viele Jahre lang halten. Zudem werden in einzelnen Entwicklungsphasen ausgiebige Feldtests durchgeführt, um aus den Prototypen und Pilotmodellen zu lernen und das Design zu verbessern. Diese Tests beginnen mit eigenem Personal auf eigenen Testgeländen mit unterschiedlichem Aussehen und wechselnden Grasbedingungen, um ein realitätsnahes Testumfeld zu bieten.
«Sobald ein Mäher offenbar einen Reifegrad zur beruflichen Nutzung erreicht hat», sagt Henrik Kostet, Produktmanager PRO Wheeled bei Husqvarna, «übergeben wir ihn an gewerbliche Anwender, die ihn im Realbetrieb testen. Diese Feldtests können überall auf der Welt laufen, je nach dem Zielmarkt des Modells sowie seinen Grasbedingungen, Berufsroutinen und anderen Faktoren.» Parallel zu oben genannten Tests führe man Messungen an Messer und Mähwerk durch, um sicherzustellen, dass sie neben der geforderten Mähleistung und Lebensdauer auch die Sicherheitsvorgaben erfüllen.