Der Oeschberg ist eine Institution in der gärtnerischen Bildungslandschaft der 25 Berufsschulen in der Deutschschweiz und der fünf Lehrwerkstätten (Oeschberg, Gartenbauschule Hünibach, Gartenbauschule Niederlenz, Lehrbetriebe Basel, Gartenbauschule Lullier in der Westschweiz). In den vergangenen Jahrenwar die Existenz des Oeschberg durch den Spardruck des Kantons immer wieder gefährdet. Die Schliessung konnte 2013 durch eine Petition verhindert werden.
Mit der Integration in das neu geschaffene Berufsbildungszentrum Emme (bzemme) ist der Blick nun wieder nach vorne gerichtet. Wie werden die Weichen für die Zukunft gestellt? Der neue Schulleiter Markus Spiegel, der seit knapp einem Jahr im Amt ist, gab Auskunft hierzu. Mit dem 58-jährigen Markus Spiegel steht
der Oeschberg unter Leitung einer durch eine langjährige pädagogische Laufbahn geschulten Persönlichkeit. Nach über
20 Jahren in verschiedenen Funktionen – als Berufsschullehrer für Allgemeinbildung, in der Funktion als Ressorleiter und stellvertretender Abteilungsleiter, an der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern (gibb), unterbrochen durch einen mehrjährigen Aufenthalt in Brasilien und die dortige Tätigkeit als Gesamtschulkoordinator – bringt Spiegel viel Erfahrung in der dualen Grundbildung mit. Er verfügt über eine Managementausbildung sowie den Abschluss eines Zertifikationslehrgangs für Schulleitung und -entwicklung. Spiegel ist Leiter des Oeschberg und Mitglied der Schulleitung des bzemme, der drittgrössten Berufsbildungsinstitution im Kanton Bern.
Die Gartenbauschule Oeschberg ist seit 2014 eine Abteilung des bzemme. Ein Hauptargument für die Zusammenlegung ist die Nutzung von Synergien. Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Markus Spiegel: Dieser Schritt war existenziell. Die Synergien sind eklatant. In zehn Monaten konnte die Informatik auf einen aktuellen Stand gebracht und mit der bzemme synchronisiert werden. Die dafür nötigen Investitionen hätte der Oeschberg als einzelne Institution in der Bildungslandschaft nicht aufbringen können. Die gemeinsame Anstellung beim bzemme erleichtert den Austausch. Kollegen anderer Abteilungen unterrichten auch am Oeschberg. Eingebettet in die regionale Berufsbildungslandschaft nehmen die potenziellen Lernenden den Oeschberg wahr.
Wie viele Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit den Oeschberg?
Markus Spiegel: Verglichen mit dem Mengengerüst der gibb, der grössten Berufsschule im Kanton Bern, ist die Zahl der Lernenden und Studierenden von 250
am Oeschberg klein. Als Filiale ist der Oeschberg jedoch eingebettet in die Organisation des bzemme. Wie Lehrabteilungen eine grosse Schule ausmachen, damit bin ich aus meiner vorhergehenden Tätigkeit an der gibb vertraut. Kommt man von einer solch grossen Schule, weiss man die kurzen Dienstwege zu schätzen.
Wer legt nach der Neuorganisation die strategische Ausrichtung fest. Welchen Spielraum haben Sie als Schulleiter?
Die personellen Voraussetzungen mit dem ehemaligen Direktor der GSO als Leiter des bzemme und mit meiner Funktion als Mitglied der Schulleitung des bzemme sind hervorragend. Der Gestaltungsfreiraum war der Hauptgrund für meinen Stellenentscheid. Meine Aufgabe ist es in erster Linie, den Oeschberg neu zu positionieren. Alle Funktionsträger kamen im April auf dem Gurten zusammen, um den strategischen Rahmen abzustecken und abzuklären, wer wir sind und was wir machen. Wir
wollen in Zukunft nicht mehr Gartenbauschule heissen. Wir sind eine Vollzeitschule, die zwei Fachrichtungen anbietet: GaLaBau und Floristik. Der Name Gartenbauschule entspricht nicht dieser Ausrichtung. Wir heissen deshalb künftig Oeschberg. Der neue Auftritt unter oeschberg.ch in Zusammenarbeit mit einer Webagentur ist auf gutem Weg.
Welchen Stellenwert hat die Produktion?
Die Produktion ist existenziell für uns und ein Schlüsselbetrieb, um das Pflanzensortiment für die Anlagen sicherzustellen und die Pflanzen für die Floristik und den Blumenladen bereitzustellen. Für die Produktion haben wir auf Stufe EFZ nicht genügend Lernende. Geführt wird eine EBA-Klasse.
Ist durch das neue Angebot der Gartenbauschule Hünibach einer Vollzeitschule für Landschaftsgärtner eine neue Konkurrenz entstanden?
Von Konkurrenz möchte ich nicht sprechen. Wir haben von dem neuen Ausbildungskonzept gehört, wissen aber nicht, wie es zahlenmässig aussieht. Wir haben bislang keinen Kontakt zur neuen Schulleitung der Gartenbauschule Hünibach.
Mit der Einführung der EBA wurde ein neues Standbein geschaffen, das sich mit seinem Angebot an schulisch schwächere Jugendliche richtet. Ist das die Zukunft der Lehrwerkstätten?
Die EBA-Lehrstellen sind ein wichtiges Standbein. Wir fokussieren aber nicht allein auf die EBA-Ausbildung. Wir bieten EFZ-Ausbildungsstellen für Lernende, die mehr Zeit und Begleitung brauchen. Dies können auch Lernende sein, die sehr gut in der Schule sind. Am Oeschberg treffen die Lernenden auf Lehrkräfte, die Verständnis haben und sich Zeit nehmen, eine Arbeitsanleitung zu wiederholen. Das Angebot ist auf Lernende ausgerichtet, die froh sind um ein Ausbildungsangebot ohne den Leistungsdruck der Marktwirtschaft. Diesen Turnaround haben alle Lehrwerkstätte vollzogen. Lernenden muss man Horizonte zeigen. Am Oeschberg findet sich die ganze vertikale Ausbildung – ein breiter Spannungsbogen vom EBA-Lernenden bis zum Vollzeitstudenten Höhere Fachschule. Das macht den Oeschberg aus.
Können diese jungen Berufsleute im Berufsalltag mithalten?
Vom Arbeitstempo her stehen sie nicht dort, wo diejenigen sind, die in den Betrieben ausgebildet wurden. Tempo hat mit Erfahrung zu tun. Junge sollten an der Qualität der Ausbildung gemessen werden, nicht am Tempo. Es freut mich deshalb, wenn Berufsbildner in den Praktikumsbetrieben sagen: Sie sind zwar nicht so schnell, aber gut ausgebildet. Wir legen in der Ausbildung sehr viel Wert auf Pflanzenkenntnisse. Landschaftsgärtner sollen sich nicht als Tiefbauer verstehen, sondern einen Bezug zu Pflanzen haben.
Gibt es Änderungen in der Ausbildung?
Zum Lehrbeginn 2016/2017 starten wir mit einem neuen Ausbildungskonzept. Vom pädagogischen Standpunkt aus ist es nicht gut, wenn die Lernenden im fünften und sechsten Semester ein externes Praktikum machen. Wir wollen sie im sechsten Semester bei uns haben. Unser Auftrag ist es, dass all unsere Lernenden das Qualifikationsverfahren bestehen. Darauf wollen wir sie im sechsten Semester vorbereiten. Die Lernenden sind neu 1,5 Jahre in der Vollzeitschule am Oeschberg, ein Jahr im Praktikum und im letzten Semester wieder am Oeschberg.
Neu bieten wir auch eine verkürzte Berufslehre an. Wir haben Anfragen von Personen mit einem akademischen Hintergrund, die ihrem Berufsleben eine Wende geben wollen, handwerklich und mit Pflanzen arbeiten wollen. Das ist ein Trend.
Wie gestaltet sich die Suche nach Praktikumsplätzen?
Wir sind sehr gut aufgestellt. Dank einer guten Vernetzung mit den Geschäftsinhabern ist dies problemlos. Sie zeigen bei Schwierigkeiten eine enorme Geduld mit den Lernenden.
Die Revision der modularen Weiterbildung steht bevor. Wie beurteilen Sie die Neuerungen?
Die vertikale Ausbildungslandschaft liegt mir sehr am Herzen. Um uns als Anbieter von Vorbereitungskursen zu positionieren, haben wir Martin Luginbühl und Heinz Hartmann zu einem Infoanlass eingeladen. Das Projekt ist sehr gut aufgegleist. Der Modulbaukasten mit den gemeinsamen Grundlagenmodulen für GaLaBau und Produktion und den Wahlmodulen überzeugt.
Der grösstmögliche Stolperstein liegt in der Ausbildung der Fachreferenten. Sollen sie künftig Modulprüfungen selber schreiben und abnehmen, setzt dies methodische und didaktische Überlegungen voraus. An Fachkompetenz mangelt es nicht. Basiskenntnisse in Prüfen und Bewerten und darin, wie man Modulprüfungen schreibt, das muss unbedingt auf das Radar von JardinSuisse. Es kann nicht im Interesse des Verbandes sein, dass es unterschiedliche Prüfungsniveaus an den jeweiligen Standorten gibt.
Ist dies eine Chance für den Oeschberg?
Ja, wir haben die Fachreferenten mit methodisch-didaktischen Kenntnissen. Uns ist es enorm wichtig, dass sich die fachkompetenten Leute am Oeschberg daheim fühlen. Es gibt viele Standorte für die Vorbereitungskurse der Berufsprüfungen. Wir wollen die Besten sein – fachlich und methodisch-didaktisch. Es wäre schön, wenn das vom Markt erkannt würde.
Eine Diskussion, die der Verband führen muss, ist die Anzahl der Anbieter bzw. die Koordination des Angebots. Wollen sechs Studierende an zwei Standorten eine Weiterbildung absolvieren, sind es für beide Standorte zu wenig, zwölf können den Vorbereitungskurs nicht besuchen. Alle gehen leer aus.
Am Oeschberg ist wie im Berner Oberland ein neues Ausbildungszentrum für die Durchführung der überbetrieblichen Kurse geplant.
Wir sind erfreut, dass das ük-Zentrum gestärkt werden soll und der Verband hinter dem Projekt steht. Über die gesamte Bildungslandschaft betrachtet ist es bedauerlich, dass die Oberländer ein eigenes Berufsbildungszentrum haben. Bezüglich Nachhaltigkeit hat der Oeschberg gute Karten. Die drei Bildungsorte Lehrbetrieb, Schule und Zentrum für die überbetrieblichen Kurse sind am Oeschberg vereint. Die gesamte Berufsbildungsgilde ist an unserem Mittagstisch versammelt. Wir haben ein Schulmodell vor Ort, das fantastisch ist.
Der Oeschberg positioniert sich gern als Kaderschmiede. Passt das noch zum neuen Auftritt?
Auf jeden Fall. Als Höhere Fachschule positionieren wir uns nach wie vor als einzige. Wir führen derzeit zwei Klassen für Techniker HF. Das Anerkennungsverfahren ist auf gutem Weg. Wir sind stolz auf dieses Schulmodell. Der handlungsorientierte Aufbau in Themenfelder entspricht inhaltlich dem, was man heute unterrichtet.
Welches sind vordringliche Ziele?
Wir wollen als frischer Anbieter für Gärtner- und Floristenlehrstellen auftreten. Die Kolleginnen und Kollegen sollen sich primär als Pädagogen verstehen. Sie haben den Auftrag, zu unterrichten, auszubilden, zu beraten und zu begleiten. Unterstützt werde ich hierbei von Michael Flühmann und Benjamin Tschirren, die das gleiche pädagogische Verständnis haben. Wir verstehen uns als Team, das die Zukunft des Oeschberg gestalten möchte.
Mit welchen Massnahmen führen Sie den Kulturwandel herbei?
Das sind zum Teil kleine Dinge. Alle Ausbildner und Lehrkräfte begegnen den Lernenden auf Augenhöhe. Dazu gehört die konsequente Anrede der Lernenden mit Sie. Die Stundenpläne und Arbeitszeiten wurden angeglichen, um gemeinsame Pausen zu ermöglichen und den pädagogischen Austausch unter den Berufsbildnern und dem Fachlehrerkollegium zu fördern. Hierfür wurde die stillgelegte Mosterei zum Lehrerzimmer umfunktioniert.
Oeschberg – Angebot und Schülerzahlen
Der Oeschberg ist eine Abteilung des Bildungszentrums Emme (bzemme). Als Vollzeitschule werden Ausbildungsplätze für Lernende in der beruflichen Grundbildung angeboten: Gärtner/-in EFZ Garten- und Landschaftsbau, Gärtner/-in EBA Produktion bzw. Garten- und Landschaftsbau, Florist/-in EFZ.
Unterhalten werden ein Atelier für Floristik, ein Pflanzenproduktionsbetrieb, eine Schulparkanlage, ein Blumenverkaufsladen sowie ein Internat.
Modulare Weiterbildungsangebote bereiten auf Berufs- und Höhere Fachprüfungen vor: Polier Gärtner, Grünpflegespezialist, Produzierender Gartenbau, Bauführer (Teilprüfung HF), Gärtnermeister (HF). Den Bildungsgang Techniker/-in HF für den GaLaBau gibt es nur am Oeschberg.
Derzeit sind in den drei EFZ-Gärtner-Klassen 37 Lernende in Ausbildung und in den beiden EBA-Gärtnerklassen 15 Lernende. Es werden zudem drei Floristikklassen (1. bis 3. Lehrjahr) geführt mit 36 Lernenden.
34 Studierende, in zwei Klassen, besuchen die Vollzeitschule für Techniker HF. 120 Studierende belegen Vorbereitungskurse für die höhere Berufsprüfung. Hinzu kommt der über drei Jahre laufende berufsbegleitende Lehrgang «Gestalten mit Pflanzen» mit 15 Teilnehmenden. Insgesamt verzeichnet der Oeschberg derzeit 257 Lernende und Studierende.