«Es gibt keinen Baum, der mehr mit der Liebe des Menschen verbunden ist», erklärte Dr. Silius Wodarz, Präsident der Baum-des-Jahres-Stiftung, am 15. Oktober in Berlin. «Linden sind die häufigsten Bäume Deutschlands und Mitteleuropas in Stadt und Landschaft.» Am bekanntesten sind die starkwüchsige Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) und die etwas zierlichere Winter-Linde (Tilia cordata). Bereits im Jahr 1991 war die Sommer-Linde einer der ersten Bäume des Jahres. Der augenfällige Unterschied zwischen den beiden Gehölzen liegt in deren Wuchshöhe und in der Form der Blätter. Die Winter-Linde wird nur etwa 15 bis 25m hoch, Sommer-Linden hingegen können über 40m hoch wachsen. Ihre grossen Blätter und ihr hoher Wuchs geben so viel Schatten, dass diese Bäume früher häufig an Dorfplätzen oder kultischen Orten angepflanzt wurden. Die Blätter der Sommer-Linde sind herzförmig und bis zu 12cm lang, die der Winter-Linde im Umriss fast kreisrund. Die Krone der Winter-Linde hat die Form eines Herzens mit der Spitze nach oben und ist ein beliebter Lebensraum von Vögeln, Pilzen und der Laubholzmistel. Mit ihrer leuchtend goldgelben Herbstfärbung ist sie der Schmuck vieler Gärten und Parks.
Das Heimatareal der Winter-Linde erstreckt sich über fast ganz Europa – im hohen Norden gibt es sie nicht. Die «Geschwister» unterscheiden sich durch ihre Ansprüche an Licht, Wasser, Wärme und Nährstoffe. Grundsätzlich ist die Sommer-Linde die anspruchsvollere. Der Stamm der Linden kann mehrere Meter dick werden. Eine der wohl stärksten Winter-Linden steht bei Rochlitz (Sachsen) mit einem Stammumfang von etwa 9m. Wird eine Winter-Linde gefällt, treibt sie sehr stark aus dem Stock wieder aus. Ihre Blüten öffnen sich zur Freude der Imker erst im Juli und schon von weitem kann man dann ihren charakteristischen Honigduft wahrnehmen.
Das Holz von Winter- und Sommer-Linde ist auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden. Es ist hell, weich, relativ leicht und bestens als Schnitzholz geeignet. Darum wurden früher die meisten Altar- und Wandfiguren in Kirchen daraus gefertigt.
Als Stadtbaum ist die Linde sehr beliebt und geeignet für Alleen, Parkplätze, Parks, Promenaden, Fussgängerzonen, Entrées grosser Gärten oder als Hausbaum. Sie ist sehr anspruchslos und tolerant, was den Standort angeht. Linden haben kaum Krankheiten oder Schädlinge und erreichen ein hohes Lebensalter (bis zu 1000 Jahre). Ärgerlich kann allerdings der aus Lindenkronen tropfende Honigtau werden. Diese Zuckerwassertröpfchen sind zwar vollkommen unschädlich, machen aber Fahrräder, Autos und Bänke für kurze Zeit klebrig. Der Belag ist jedoch mit Wasser leicht abzuwaschen.