Die Bedingungen für häufige Waldbesuche sind bei uns vielerorts ideal, denn der Wald ist frei zugänglich und dieses beliebte Erholungsgebiet liegt für die meisten Leute praktisch vor der Haustüre. Für die Bevölkerungsumfrage WaMos 2 hat die Forschungsanstalt WSL gut 3000 Personen befragt. Diese erreichen ihren Freizeitwald durchschnittlich in knapp 14 Minuten. Nur 4 Prozent benötigen dafür mehr als eine halbe Stunde. Die allgemein gute Erreichbarkeit lässt sich auch daran erkennen, dass 70 Prozent der Interviewten ihren Weg zu Fuss und weitere 7 Prozent mit dem Fahrrad zurücklegen. Im Mittel beträgt die Aufenthaltsdauer pro Waldbesuch etwa 90 Minuten. Fast 90 Prozent geben an, sich normalerweise nicht länger als zweieinhalb Stunden im Wald aufzuhalten wobei ein Waldbesuch bei einem Grossteil der Befragten weniger als eine Stunde dauert.
Ein hohes Mass an Zufriedenheit
88 Prozent der Bevölkerung äussern ein hohes Mass an Zufriedenheit mit ihren Waldbesuchen und sogar 95 Prozent erleben diese als entspannend. Damit leisten die Wälder einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Wohlbefinden der Menschen und zur Volksgesundheit. Ein Hauptgrund für die positive Einschätzung ist, dass der jeweils besuchte Wald einer grossen Mehrheit der Befragten gefällt. Generell gefallen der breiten Bevölkerung Wälder mit Lichtungen besser als dunkle mit dichtem Bestand und vielfältige besser als monotone. Sehr beliebt sind bei Besucherinnen und Besuchern zudem Waldgebiete mit Bächen, Teichen und Tümpeln.
Einen entscheidenden Einfluss darauf, ob ein Wald den Leuten gefällt und für die Erholung bedeutsam ist, haben frühe Walderfahrungen in der Kindheit. Menschen, für welche der Wald in der Kindheit wichtig war, schätzen ihn auch als Erwachsene mehr, erholen sich im Wald leichter und gewichten zudem seine Schutz- und Produktionsfunktionen stärker, wie die Bevölkerungsumfrage zeigt.
Als Hauptmotive für ihren Aufenthalt erwähnen die Waldbesucherinnen und -besucher vor allem den Genuss von guter Luft, das Naturerlebnis, ihren Willen, etwas für die eigene Gesundheit zu tun sowie die erwünschte Abwechslung zum Alltag.Bei der Frage nach den Lieblingsaktivitäten rangieren Spaziergänge, einfach Sein, das Beobachten der Natur und das Sammeln auf den vordersten Plätzen. Fasst man die einzeln genannten sportlichen Tätigkeiten – wie Wandern, Joggen, Nordic Walking, Vita Parcours, Orientierungslauf oder Biken – zusammen, so ist der Sport nach dem Spazieren die populärste Freizeitaktivität im Wald.
Es braucht eine gewisse Infrastruktur
Je nach dem Grund ihres Waldaufenthalts sind die Befragten auf ein minimales Infrastrukturangebot angewiesen. Sie suchen also nicht ausschliesslich das reine Naturerlebnis, sondern benötigen für ihre Freizeitaktivitäten auch bestimmte Einrichtungen, die vor allem in den intensiv genutzten, stadtnahen Wäldern sehr unterschiedliche Bedürfnisse abdecken. Beliebt sind bei den Erholungssuchenden insbesondere Naturlehrpfade, Feuerstellen, Waldhütten, Unterstände, Bänke und Spielplätze.
Nach Einschätzung des BAFU sollten diese Wünsche bei der Waldentwicklungsplanung vorab in typischen Erholungswäldern sorgfältig geprüft und umgesetzt werden, denn die Erholungssuchenden sind die wichtigsten Kunden im Wald. Entsprechende Angebote können nicht zuletzt angrenzende Waldgebiete vom Nutzungsdruck entlasten. Grundvoraussetzungen für zusätzliche Infrastrukturanlagen bilden die Zustimmung der Waldeigentümer, die Klärung der Haftungsfragen sowie die Sicherstellung der Finanzierung.
Störungsempfinden nimmt zu
Die WaMos 2-Resultate zeigen auch, dass die Infrastrukturangebote von den jeweiligen Erholungssuchenden zwar geschätzt werden, weitere Waldbesucherinnen und -besucher mit anderen Ansprüchen aber auch stören können. Dies gilt speziell für Biketrails, Seilparks und Reitwege, die jeweils nur einzelnen Nutzergruppen zugutekommen. Ein Indiz für das bestehende Konfliktpotenzial ist die im Vergleich zu früheren Untersuchungen höhere Wahrnehmung von Störungen durch andere Waldbesucherinnen und -besucher. So geben 27 Prozent der Befragten an, sie fühlten sich in ihrer Erholung teilweise durch Störungsquellen beeinträchtigt. Dabei erwähnen sie an erster Stelle Radfahrer, Leute mit Hunden und vereinzelt Lärm. Die individuell empfundenen Störfaktoren werden aber von den meisten Betroffenen nicht als derart prägend wahrgenommen, als dass sie das positive Erlebnis eines Waldbesuchs wesentlich schmälern könnten. Die Qualität der Erholung und Entspannung erfährt dadurch also keine markanten Einschränkungen. Angesichts der Erholungsintensität in zentrumsnahen Waldgebieten und der grossen Dynamik mit einer laufenden Zunahme an neuen Freizeitaktivitäten im Wald plädiert das BAFU dafür, die vermehrt auftauchenden Interessenkonflikte anzugehen.
Besucherlenkung entschärft negative Auswirkungen
Ein vielerorts bereits erfolgreich getestetes Modell liegt in einer besseren Besucherlenkung durch die räumliche Entflechtung und Kanalisierung bestimmter Freizeitaktivitäten mit einem übermässigen Störpotenzial. So können beispielweise spezielle Trails für Mountainbiker die Konflikte mit Spaziergängerinnen und Wanderern entschärfen, wie verschiedene Studien zeigen. Dies bedingt nach Ansicht des BAFU ein gezieltes Waldmanagement. Die vom Bundesrat Ende August 2011 verabschiedete Waldpolitik 2020 hält denn auch fest, dass in diesem Bereich ein räumlicher Koordinationsbedarf besteht.
Daneben kann auch Überzeugungs- und Informationsarbeit entscheidend dazu beitragen, das Konfliktpotenzial und ökologische Schäden zu reduzieren. Ein Beispiel dafür ist die vom BAFU mitlancierte Kampagne «Respektiere deine Grenzen». Sie soll Schneeschuhwanderer und Skitourenfahrer für den Lebensraum der Wildtiere sensibilisieren und die Wildruhezonen als wichtiges Instrument zur Störungsminderung besser bekannt machen.