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Technikfrust und Techniklust

Wer kennt sie nicht diese Situationen, wo man am liebsten den Computer aus dem Fenster wirft, wie wild die Heckenschere schüttelt oder dem Rasentraktor einen beherzten Tritt versetzt. Man schlägt auch schon mal den Fahrkarten- oder EC-Automaten, beschimpft sein Telefon oder brüllt die Kettensäge an.

Selbst gut ausgebildeten Nutzern bereiten die immer komplexeren und komplizierteren technischen Errungenschaften Kopfzerbrechen. Die Wut auf die eigene Unwissenheit und Hilflosigkeit kommt dabei zum Ausdruck.

Brüllen, Schütteln oder Streicheln

Im Gegensatz zur zwischenmenschlichen Kommunikation haben Brüllen, Schütteln, Treten oder Streicheln nicht die geringsten Erfolgsaussichten. Es ist und bleibt eine Maschine. Egal, ob Rasenmäher oder PC, sie alle benötigen eine korrekte Bedienung. Technik ist unaufgeregt, rational, von bestechender Logik und funktioniert nach fest definierten Gesetzen. Eine Maschine denkt halt nicht darüber nach, ob sie vielleicht doch noch die Funktion wieder aufnehmen sollte. Es ist und bleibt Mechanik, die nach Naturgesetzen arbeitet und einem Verschleiss unterliegt.

Bananenprodukte fördern Frustpotenzial

Technikprobleme zu lösen, kostet viel Kraft und Zeit, erst recht wenn man Hotlines oder unbekannte Dritte heranziehen muss. Oftmals trifft man deshalb auf Technikangst. Es ist ja auch selten sofort absehbar, ob das Gerät fehlerhaft oder der Benutzer zu «dämlich» ist. Kombiniert sich das mit Zeit- und Leistungsdruck, entsteht eine «explosive» Mischung, die auch in zerstörerische Wut enden kann. Sogenannte «Bananenprodukte» verschärfen dieses Frustpotenzial noch erheblich. Einige Hersteller bringen aus ökonomischen Gründen Geräte auf den Markt, die nicht richtig funktionieren und erst beim Kunden «nachreifen» sollen. Da müssen dann schadhafte Gaszüge oder fehlerhafte Zündmodule ersetzt werden, um die Funktionstüchtigkeit wieder herzustellen. Diese unakzeptable Verfahrensweise, die Waren vor Serienproduktionsstart nicht ausgiebig zu testen, zieht sich leider auch durch viele Wirtschaftsbereiche namhafter Industrieländer.

Technikgestaltung und -handhabung ist deshalb wichtiger denn je. Richtig eingesetztes Know-how zur Verbesserung des Bedienkomforts verhindert Fehlbedienung und macht die Maschine verständlicher. Auftretende Technikprobleme sind dem Verkäufer oder dem Hersteller anzuzeigen, um Hilfe zu erhalten und die eventuell vorhandenen Produktschwächen herstellerseitig abstellen zu lassen.

Wenn Technik Spass macht

Mit Recht kann man darauf stolz sein, mit der Kehrmaschine die Wege zu fegen oder den Vertikutierer zu starten. Es ist völlig legitim, sich auf die Schulter zu klopfen (oder klopfen lassen), wenn man nach einjähriger Pause die Schneefräse wieder zum Leben erweckt hat. Dann kann Technik auch Spass machen. Sie ist schliesslich in der Lage, viele Alltagssituationen zu vereinfachen und zu erleichtern.

Und wenn mal eine Maschine nicht funktioniert, dann geht die Welt auch nicht unter. Panik und Hektik verschlimmern die Situation, weil dadurch der richtige Lösungsweg mit Sicherheit nicht gefunden wird. Es gilt, kühlen Kopf zu bewahren. Alles wieder auf Anfang und konzentriert, Schritt für Schritt die Bedienungsabfolge noch mal durchgehen.

Denn es gibt nur zwei Möglichkeiten: Bedienerfehler oder technischer Defekt. Läuft die Maschine trotz korrekter Bedienung nicht, dann kann nur ein technischer Defekt vorliegen. Nun hilft Akzeptanz und erleichtert die Suche nach den Lösungsmöglichkeiten. Wut und Raserei sind dabei blanke Energieverschwendung und äusserst kontraproduktiv.

Mit einem hohen Grad an Emotionslosigkeit gelingt es am besten, den Fehler zu finden. Die defekte Maschine hat keine Gefühle! Sie ist nicht böse! Sie hat nur einen Schaden. Sie kann uns leider nicht vorwarnen, geschweige eine Reparaturanweisung ausspucken – noch nicht. Dank Mikroelektronik und Computertechnik sind Hauptverschleissteile schon heute überwachbar (z. B. Kohlebürsten bei Bohrmaschinen, Akkuzustand, Motorwicklung) und schalten die Maschine bei Überschreitung eines Sollwertes ab. Es gibt auch die Möglichkeit, dass Fehlfunktionen per SMS gemeldet und Servicetechniker mit Angabe des GPS-Standortes angefordert werden.

Die Erwartungshaltung, alle Geräte in Haushalt und Beruf perfekt beherrschen zu können, ist zu hoch. Dazu ist die Gerätefülle und -vielfalt einfach zu gross. Ebenso übertrieben ist die Annahme, dass jedes Gerät jederzeit perfekt zu funktionieren hat. Viele Maschinen sind einfach unpraktisch, schlecht gebaut oder qualitativ minderwertig. Mit diesem Bewusstsein für Technik kann man viel gelassener die nächste Panne angehen.

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