Hohe Wildbestände beeinträchtigen das natürlich Anpassungspotenzial des Waldes. Das geht aus dem Waldbericht 2025 hervor. Demnach hat der Anteil an Schutzwald mit sehr wenig Verjüngung in den letzten zehn Jahren zugenommen und beträgt inzwischen 30% der Schutzwaldfläche. Als Gründe nennt der Bericht des Bundesamts für Umwelt zu wenig Licht und hohen Verbiss der Jungbäume durch Rehe, Hirsche und Gämsen.
Laut dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID fordern die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer bessere Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Rechtlich sind die Kantone in der Pflicht, Wildbestände so zu regulieren, dass die natürliche Verjüngung mit standortgerechten Baumarten ohne Schutzmassnahmen möglich ist. Benno Schmid des Verbands WaldSchweiz erwartet konkrete Massnahmen vom Bund. Das sagt er gegenüber dem LID. Der Bundesrat hat den Auftrag als Antwort auf das parlamentarische Postulat «Zukunftsfähige Wälder sind nur mit gesetzeskonformem Wildverbiss möglich» von Othmar Reichmuth einen Massnahmenbericht zu verfassen.
Regional grosse Unterschiede
Der Anteil von Schutzwald mit unter 5% Verjüngung liegt im Jura und Mittelland bei rund 12%, in den Voralpen bei 19%, in den Alpen bei 34% und auf der Alpensüdseite bei 41%. In Graubünden werde der Einfluss des Wilds regelmässig beurteilt. Aus einem Bericht des Amts für Wald und Naturgefahren des Kantons Graubünden geht hervor: Auf 16% der Waldfläche wird der Wildeinfluss als «gross» und auf 7% als «sehr gross» eingestuft – also in Kategorien, in denen mindestens eine Hauptbaumart schalenwildbedingt ausfällt. Auf weiteren 21% gilt der Wildeinfluss als «erheblich».
Laut dem LID werde in dem Bericht die Forderung deutlich, den Druck auf die weiblichen Tiere und Jungtiere zu erhöhen. Parallel dazu verfolge Graubünden seit 2021 ebenfalls eine Lebensraum-Wald-Wild-Strategie: In Fünfjahresschritten soll sich der Waldzustand bis 2035 etappenweise verbessern, damit natürliche Verjüngung wieder möglich wird.