Edelkastanien sind nördlich der Alpen vergleichsweise selten. Auch auf öffentlichem Grund in Bern gibt es bislang nur wenige. Das soll sich ändern: Im Rahmen des Projekts «Bern wachst zäme» werden bis Mitte November 150 Marroni-Bäume an Interessierte abgegeben. Die Nachfrage übersteigt das Angebot aber schon jetzt. «Bisher haben sich rund 250 Personen gemeldet», sagt Stefan Stevanovic von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). «Nun sind wir dabei, weitere Finanzierungsmöglichkeiten zu finden, damit alle einen Baum erhalten.»
Die Stadt Bern beteiligt sich mit fachlicher Unterstützung am Projekt. Die Kosten dafür trägt die ZHAW. Hinter der Aktion steht ein Forschungsprojekt: Die Bäume sollen dazu beitragen, die Stadt auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Stevanovic sieht in der Edelkastanie eine Baumart mit Zukunft: Sie sei besonders widerstandsfähig gegenüber Hitze und Trockenheit. Allerdings eignet sich nicht jeder Standort für eine Edelkastanie. Der Baum benötigt ausreichend Platz und einen durchlässigen Boden. Deshalb sei er weniger für enge Strassenräume geeignet. Besser gedeihe er in grosszügigen Gärten, Parks oder auf Schularealen.
Neben der Beschattung und der Anpassung an heissere Sommer haben Edelkastanien auch einen ökologischen Nutzen: Ihre Blüten und Früchte bieten Insekten und anderen Tieren Nahrung. Langfristig soll das Projekt deshalb nicht nur den Bestand an Edelkastanien in Bern vergrössern, sondern die Bevölkerung auch dazu motivieren, mehr Bäume zu pflanzen. Die Aktion läuft noch bis Mitte November 2026. Weitere vergleichbare Pflanzaktionen sind in der Stadt Bern derzeit nicht geplant.