Rund 80 Prozent des Schweizer Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser. Gleichzeitig ist es für Landwirtschaft, Industrie und zahlreiche Ökosysteme von Bedeutung. Gerade in Trockenperioden übernimmt es eine wichtige Pufferfunktion: Je nach Jahreszeit und Grundwassertyp trägt es zwischen 30 und 80 Prozent zum Gesamtabfluss der Schweizer Fliessgewässer bei.
Trockenheit trifft Regionen unterschiedlich
Längere Trockenphasen können diese Funktion jedoch zunehmend beeinträchtigen. Sinkende Grundwasserstände machen sich regional unterschiedlich bemerkbar. Während grosse Vorkommen im Mittelland vergleichsweise langsam reagieren, können Quellen und Grundwasservorkommen im Jura und in den Alpen deutlich schneller zurückgehen oder zeitweise ganz versiegen. Dieser Zustand kann Moore und Fliessgewässer ebenso betreffen wie Landwirtschaft, Industrie und Haushalte. Gleichzeitig können während Trockenperioden die Konzentrationen von Schadstoffen im Grundwasser zunehmen.
Grundwasserneubildung gezielt fördern
Um die Wasservorkommen widerstandsfähiger gegen Trockenheit zu machen, soll deshalb vor allem die Neubildung von Grundwasser gestärkt werden. Entsiegelte Flächen, renaturierte Fliessgewässer und Moore sowie naturnahe Rückhaltemassnahmen können dazu beitragen, dass Niederschlagswasser besser versickert und in den Untergrund gelangt. Auch eine bodenschonende Landwirtschaft kann diese Entwicklung unterstützen. Solche Ansätze sollen künftig stärker in die Raum- und Nutzungsplanung einfliessen.
Messnetze und Schutz verbessern
Gleichzeitig braucht es nach Einschätzung der Fachleute bessere Grundlagen für den Umgang mit Trockenperioden. Dazu gehört ein dichteres Grundwassermessnetz, insbesondere in peripheren Regionen. Messungen, Satellitendaten und Modelle sollen helfen, Wasserentnahmen und Bewässerung besser zu erfassen und zu planen. Ebenso wichtig bleibt der Schutz der Wasserqualität: Bestehende Schutzzonen rund um Trinkwasserfassungen sollen konsequent durchgesetzt und Einträge von Nähr- und Schadstoffen in den Zuströmbereichen möglichst vermieden werden.
Wassermanagement besser koordinieren
Neben technischen und planerischen Massnahmen kommt auch der Zusammenarbeit eine wichtige Rolle zu. Bund, Kantone, Gemeinden und Nutzergruppen sollen das Wassermanagement stärker auf Ebene der Einzugsgebiete koordinieren. Für akute Trockenphasen werden zudem Notfallpläne empfohlen.
Insgesamt umfasst das Grundwasser der Schweiz rund 150 Kubikkilometer – etwa das Dreifache des Volumens des Bodensees. Etwas mehr als zehn Prozent davon werden jährlich erneuert. Wie gut diese Reserven künftig verfügbar bleiben, hängt deshalb nicht nur von der Niederschlagsmenge ab, sondern auch davon, wie Wasser gespeichert, geschützt und genutzt wird.