Werden Eichen stark von Raupen angefressen, treiben sie im folgenden Frühjahr später aus. Diese Strategie erschwert den Fressfeinden den Zugang zu Nahrung und kann den Frassschaden deutlich verringern. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam in einer Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution veröffentlicht wurde.
Viele Insekten, insbesondere Raupen, schlüpfen im Frühling genau dann, wenn die jungen Blätter der Bäume weich und nährstoffreich sind. Nach einem starken Befall reagieren Eichen jedoch, indem sie ihren Blattaustrieb im Folgejahr um durchschnittlich drei Tage verzögern. Die Raupen finden dadurch zunächst keine Nahrung, weil die Blätter noch in den Knospen verborgen sind. Laut der Studie reicht diese Verzögerung aus, um die Überlebensrate der Insekten stark zu senken und den Frassschaden am Baum um 55 Prozent zu reduzieren.
«Die Verzögerungstaktik ist für die Eiche effektiver als eine chemische Abwehr, etwa durch bittere Gerbstoffe im Blatt», sagt Soumen Mallick vom Biozentrum der Universität Würzburg, Erstautor der Studie. Für die verstärkte Produktion von Gerbstoffen müsse der Baum viel Energie aufwenden.
Für die Untersuchung nutzte das Forschungsteam Sentinel-1-Satellitendaten, um ein 2400 Quadratkilometer grosses Gebiet in Unterfranken zu überwachen. Die Forschenden werteten 137'500 Einzelbeobachtungen aus den Jahren 2017 bis 2021 aus. Analysiert wurden 27'500 Bildpunkte in 60 Waldgebieten. Besonders aufschlussreich war das Jahr 2019, als es in der Region zu einem starken Ausbruch des Schwammspinners kam.