Satellitenbilder, Drohnen und andere Verfahren der Fernerkundung wecken hohe Erwartungen bei der Früherkennung von Borkenkäferschäden. Doch eine aktuelle Analyse des WSL zeigt deren Grenzen deutlich auf: Befallene Fichten können mit den heutigen Methoden in der Regel nicht rechtzeitig genug erkannt werden, um eine wirksame Sanierung einzuleiten.
Das entscheidende Problem liege im engen Zeitfenster zwischen dem Befall eines Baumes und dem Ausflug der nächsten Käfergeneration. In kollinen bis submontanen Lagen Mitteleuropas fliegen Jungkäfer typischerweise sechs bis zehn Wochen nach dem Erstbefall aus. Während dieser Zeit bleibe die Krone zunächst grün. Veränderungen, die optische Fernerkundungssysteme erfassen können, treten erst auf, wenn die Schädigung bereits weiter fortgeschritten ist.
Eine Übersichtsstudie wertete dazu 26 wissenschaftliche Arbeiten aus den Jahren 2000 bis 2022 aus. Untersucht wurden Verfahren mit Satelliten, Flugzeugen, Drohnen und terrestrischen Sensoren. Die Ergebnisse fielen aus Sicht der praktischen Anwendung ungenügend aus: Kein Ansatz erreichte gleichzeitig die als Mindestanforderung definierten 80 Prozent bei Treffer- und Erkennungsquote. Nur bei fünf der 26 Studien war es überhaupt wahrscheinlich, dass ein Befall vor dem Ausflug der Käfer erkannt wurde.
Zusätzliche Schwierigkeiten bereiten die Wetterbedingungen. Passive Sensoren benötigen wolkenfreie Sicht, während der Hauptaktivitätszeit des Buchdruckers ist die Bewölkung in vielen Regionen Mittel- und Nordeuropas jedoch hoch. Zudem misst die Fernerkundung nicht den Borkenkäferbefall selbst, sondern Veränderungen der Baumvitalität. Trockenstress oder andere Schäden können deshalb ähnliche Signale verursachen.
Ganz ohne Nutzen ist die Technik gemäss WSL dennoch nicht. Besonders bei sogenannten Überwinterungsbäumen kann Fernerkundung laut den Autoren sinnvoll sein. Im Herbst beginnen sich deren Kronen zu verfärben, während wichtige Hinweise wie Bohrmehlspuren fehlen können. Zudem lassen sich Befallsherde räumlich eingrenzen und Kontrollgänge gezielter planen. Auch bei schwer zugänglichen Beständen oder zur Erfassung von Sturmholz kann die Technik eine Ergänzung sein.
Die Schlussfolgerung für die Praxis ist klar: Regelmässige terrestrische Kontrollgänge bleiben derzeit die einzige verlässliche Methode, um einen Borkenkäferbefall rechtzeitig zu erkennen. Fernerkundung kann diese Arbeit unterstützen – sie aber nicht ersetzen.