Hauszwetschgenbäume haben

Hauszwetschgenbäume haben ein robustes Blattwerk, bringen regelmässige und reiche die Ernten und Früchte sind wahre Alleskön-nerinnen. Die Sorte ist damit für den Anbau in der Feldobstanlage und im Hausgarten geeinget. Bild: Franziska Oertli

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Hauszwetschge ist Schweizer Obstsorte des Jahres 2018

Fructus, die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, hat die Hauszwetschge zur diesjährigen Obstsorte des Jahres ernannt. Der Kürungsanlass wurde gestern in Oltingen BL gemeinsam mit dem lokalen Projekt Posamenter durchgeführt, das sich seit 2005 erfolgreich um die Verwertung der Zwetschgenernten aus den hochstämmigen Obstgärten im Tafeljura kümmert.

Auf dem Spielhof der Familie Gysin, der mitten in einem Obstgarten aus vorwiegend alten, hochstämmigen Zwetschgenbäumen liegt, gaben Max Salathé, Baumschulist aus Dienten, und Dora Meier, Initiantin des Projekts Posamenter, Einblick in die lange Geschichte dieser alten Obstsorte, die während Jahrhunderten begehrt war und in wenigen Jahren beinahe in Vergessenheit geraten ist.
Die Hauszwetschge wurde im 17. Jahrhundert erstmals polologisch erwähnt. Sie entwickelte sich in Mitteleuropa zu einer grossen Sortengruppe mit unzähligen Typen. Die in der Schweiz bekannten Hauszwetschgentypen können nach den aktuellen Methoden genetisch kaum unterschieden werden. Grund dafür ist die hohe Selbstfruchtbarkeit und die genetische Stabilität der Hauszwetschge, deren Nachkommen sehr ähnliche Eigenschaften wie der Mutterbaum zeigen. Jungbäume konnten deshalb auf den Bauernhöfen nachgezogen werden und es entstand eine Fülle an Hofsorten, die perfekt an einen Standort angepasst waren, aber kleine Unterschiede in der Grösse, der Farbe des Fruchtfleisches oder im Geschmack zeigten. Im Lauf der Zeit erhielten vermeintlich «neue» Sorten Namen wie ‘Schöne von Bibern’, ‘Prunk Eyholzer’ oder ‘Blaue Zuckerzwetschge’ und andere. Sie gehören aber alle zur Sortengruppe Hauszwetschge, wie Fructus betont. 1970 selektionierte die Forschungsanstalt Wädenswil (heute Agroscope) aus den vielen Typen zwei mit besonders guten Eigenschaften: ‘Rinklin’ und ‘Rudin’.
Die eher kleinfrüchtige Hauszwetschge, die erst ab Mitte September reif wird, hebt sich mit einem ausgewogenen Verhältnis von Zucker und Säure sowie einem ausgezeichneten Aroma von anderen Sorten ab. Sie ist fast nur noch an Wochenmärkten oder direkt ab Hof erhältlich. Fructus empfiehlt sie als unkomplizierte Allrounder-Sorte sowohl für den Hausgartenals auch für den extensiven Feldobstbau.
Seit 2005 das Importverbot für Industrieobst aufgehoben wurde, stammen die Zwetschgen aus der Dose nicht mehr von den Hauszwetschgenbäumen der Nordwestschweiz, sondern werden kostengünstiger aus dem EU-Raum importiert. Als Folge dieser Entwicklungen sind tausende von hochstämmigen Zwetschgenbäumen gerodet worden. Das lokale Projekt Posamenter kümmert sich seit 2005 erfolgreich um die Verwertung der Zwetschgenernten aus den noch verbliebenen hochstämmigen Obstgärten im Tafeljura.

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