70% der europäischen Böden sind mit Pflanzenschutzmittel (PSM) kontaminiert. Das zeigt eine internationale Studie unter der Co-Leitung der Universität Zürich (UZH). Wie diese mitteilt, liefert die Studie erstmals umfassende quantitative Belege für die Verbreitung und Auswirkungen von Pflanzenschutzmittel in der europäischen Landwirtschaft.
Wissenschafter aus zehn europäischen Forschungseinrichtungen untersuchten dabei, wie sich 63 der gängigen PSM auf die Böden auswirken und entnahmen insgesamt 373 Bodenproben aus Feldern, Wäldern und Wiesen in 26 europäischen Ländern. Über die Hälfte der Wirkstoffe, die sie in den Proben gefunden haben, seien Fungizide gewesen, gefolgt von Herbiziden mit 35% und Insektiziden mit 11%. Die meisten Mittel seien auf landwirtschaftlichen Flächen vorgekommen, aber auch in Wäldern und Wiesen, wo normalerweise keine PSM eingesetzt werden, so die UZH weiter.
Bodenorganismen stark betroffen
Gleichzeitig untersuchten die Forschenden die Bodenproben nach nützlichen Bodenorganismen. Dabei stellten sie laut der UZH fest, dass PSM insbesondere Mykorrhiza-Pilze stark beeinträchtigen. Besonders schädlich sei dabei das Fungizid Bixafen, das zur Bekämpfung schädlicher Pilze auf Getreide eingesetzt wird.
PSM verändern laut der Studie auch die Funktion der Böden, indem sie das Wachstum gewisser Bakterien fördern. Die Studie deute darauf hin, dass der Einsatz von PSM die natürliche Nährstoffversorgungs-Funktion des Bodens beeinträchtigt, sodass zusätzliche Düngung erforderlich wird, um die Erträge aufrechtzuerhalten.
Einige der Wirkstoffe seien nur schwer abbaubar und haben laut der UZH langfristige Auswirkungen auf die Bodenökosysteme. Die Forschenden plädieren deshalb darauf, auch die Auswirkungen der PSM auf Ebene der Lebensgemeinschaften und ihren Funktionen für den Boden zu berücksichtigen und dringend in die aktuelle Pflanzenschutzmittelregulierung zu integrieren.