Historisch gesehen bestand zwischen der Blumenbörse Heimberg und der Blumenbörse Bern keine enge Zusammenarbeit. Nach dem Brand in Heimberg kam es aber zu einer Annäherung und schliesslich zur Fusion per 1. Januar 2013. Ziel war es, an einem Strick zu ziehen und Synergien zu nutzen. Das erwies sich in der Umsetzung als schwierig. «Mit Erich Scheuermeyer und Michael Ettmann hatten wir zwei starke Persönlichkeiten, die nicht in die gleiche Richtung arbeiteten», erklärt René Bergmann, Vizepräsident der Genossenschaft Berner Blumenbörsen. Deshalb erfolgte per Ende November 2014 die Trennung von Erich Scheuermeyer, dem Standortleiter Heimberg.
«Dieser Schritt löste unter der Kundschaft im Oberland eine Solidarisierungswelle aus, die wir so nicht richtig eingeschätzt haben», räumt Bergmann ein. Sie führte zur Gründung der Blumenbörse Thun AG, die im März 2015 in Gwatt bei Thun eröffnet werden soll (vgl. dergartenbau 50/2014). Ihr Geschäftsführer: Erich Scheuermeyer. «Die unzufriedenen Kunden haben nie das Gespräch mit uns gesucht», bedauert Bergmann. Eine Anfrage, die Blumenbörse in Heimberg zum Buchwert zu übernehmen, sei per Mail eingetroffen. «Hätte bezüglich Verhandlungsbasis mehr Spielraum bestanden, wären wir in Verhandlungen eingetreten. Mit uns kann man reden.»
Bergmann betont, dass keinerlei Absichten weder bestehen noch je bestanden, den Standort Heimberg aufzugeben. Er und Michael Ettmann, Geschäftsführer der Berner Blumenbörsen, weisen die Kritik an der Strategie zurück. Beide sind überzeugt, dass die Profilierung der Blumenbörsen über die heimische Produktion stattfinden muss. «Qualität, Marktnähe, Frische und Regionalität sind wichtiger als der Preis», so Bergmann, der hofft, dass die Oberländer Produzenten weiterhin solidarisch zu den Berner Blumenbörsen stehen. Sortimentsbreite und -tiefe seien durch die Ware der Genossenschafter, durch weitere Inlandprodukte und ergänzende tägliche Importe gewährleistet, betont Ettmann. «Wir haben heute einen höheren Warenumschlag bei etwas weniger Masse und werden das Sortiment sogar noch ausbauen.»
In Heimberg nehmen die Berner Blumenbörsen das neue Jahr mit einer weitgehend erneuerten Crew in Angriff. «Wir sind eine gesunde Börse und werden alle Register ziehen, um diesen Standort zu stärken, zu halten und den Konkurrenzkampf zu gewinnen», erklärt Bergmann und Ettmann ergänzt: «Wir werden das schaffen, wir haben viel zu bieten, auch bezüglich Service.»C.-R. Sigg