Seit mehr als einem Vierteljahrhundert pflegen die Gommer Forstleute ihre Schutz-wälder vorausschauend und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung vor Naturgefahren wie Lawinen. Forst Goms ist es gelungen, die alten Bannwälder, in denen jegliche Nutzung verboten war, in moderne Schutzwälder um-zuwandeln. Dank der gut dokumentierten Eingriffe sind heute Erfolgskontrollen und differenzierte Pflegemassnahmen möglich – eine Pionierleistung. Die Waldbewirt-schaftung ist darauf ausgerichtet, einen dauerhaften und stabilen Schutzwald zu er-halten, die ökologischen Potentiale zu berücksichtigen und das geerntete Holz sinn-voll zu nutzen und zu vermarkten. Dieses vorbildliche Handeln von Forst Goms wird nun mit dem Binding Waldpreis ausgezeichnet.
Dauerhafter Schutzwald dank gezielter Pflege
Ein gleichförmiger und ungepflegter Wald ist als Schutzwald ungeeignet. Darum be-steht eine zielorientierte Schutzwaldpflege darin, mit durchdachten, forstlichen Ein-griffen einen stufigen Bestand mit kleinen Lücken und stabilen Baumgruppen zu schaffen. Im Goms sind diese in besonders schöner Form zu sehen. Innerhalb der Gruppen – sogenannten Rotten – wachsen alte und junge Bäume nebeneinander. Die Lücken lassen genügend Licht auf den Waldboden, damit junge Bäume nach-wachsen können. Damit ihre Triebe nicht zu stark abgefressen werden, drängt sich eine Regulierung des Wildbestands auf. Im Goms hörte man deswegen mit der Win-terfütterung von Hirschen und Gämsen auf.
Vorbild für nationale Richtlinien
Weil die Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen hoch ist und die Kosten gering sind, ist die Waldpflege im Goms zusätzlich vorbildhaft. Rund zwanzig Mal teurer wä-re es, die Schutzwirkung des Waldes durch Lawinenverbauungen zu erreichen statt die Wälder zu pflegen. Abgesehen davon ist die regionale Wertschöpfung bei der Schutzwaldpflege viel höher. Der Bawald von Ritzingen spielte und spielt darum als eines von zwei Fallbeispielen in der Entwicklung der nationalen Wegleitung für die Praxis „Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald (NaiS)“ eine wichtige Rol-le. Die Richtlinien sind heute massgebend für die Vergabe von Bundesgeldern an die Forstdienste.
Geeignete Betriebsstrukturen
Nur ein funktionstüchtiger Betrieb ermöglicht eine hervorragende Schutzwaldpflege. Dank der Bildung der Betriebsgemeinschaft Forst Goms im Jahr 2011 ist es möglich, dass die drei Revierförster und Bereichsleiter Willy Werlen (Verwaltung und Ge-schäftsführung), Fredy Zuberbühler (Ökologie) und Tony Jentsch (Technik) sowie ihre Mitarbeitenden ihr Fachwissen spezialisieren können. Die Grösse des Betriebes und das vielfältige Angebot erlauben es zudem, 14 qualifizierte Ganzjahres- und 14 Saisonstellen anzubieten sowie Lehrlinge auszubilden. Ein einheitlicher Auftritt und eine gute Kommunikation erhöhen den Bekanntheitsgrad und die Verwurzelung in der Region.
Binding Waldpreis
Der Binding Waldpreis (www.binding-waldpreis.ch) ist das wichtigste Engagement der in Basel beheimateten Sophie und Karl Binding Stiftung. Der Waldpreis ist mit 200'000 Franken der höchst dotierte Umweltpreis der Schweiz. Seit 27 Jahren zeichnet die Stiftung damit Waldbesitzer und Forstbetriebe aus, die beispielhafte Leistungen erbringen und ihren Wald vorbildlich und nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit nutzen und pflegen. Die Auswahl der Preisträger erfolgt auf Vorschlag des Kuratoriums, einem unabhängigen Rat von Forst-fachleuten. Eine Direktbewerbung für den Preis ist nicht möglich: Kantonsforstämter, For-schungs- und Bildungsinstitutionen wie die ETH, Waldwirtschaftsverbände sowie Umweltor-ganisationen können mögliche Preisträger vorschlagen.
Der diesjährige Preis wird zum Thema „Schutzwaldpflege: Sicherheit vor Naturgefahren“ vergeben.
Am Donnerstag, den 6. Juni 2013 ab 14.30 Uhr wird Forst Goms in Basel (Merian Park, Botanischer Garten Brüglingen) den 27. Binding Waldpreis offiziell entgegen nehmen. Im feierlichen Rahmen werden die Leistungen des Gemeindezweckverbandes gewürdigt.