Wirbelsäulen- und Bandscheibenerkrankungen sind in der Gartenbau- und Baubranche ein bekanntes Phänomen. Viele Gärtnerinnen und Gärtner berichten von Rückenschmerzen. Oft sind die Schmerzen im Kreuz ein Signal dafür, dass der Rücken zu einseitig belastet wurde. Es ist deshalb wichtig, sich im Alltag immer wieder ein paar Grundsätze zum richtigen Umgang mit schweren Lasten, aber auch zur richtigen Haltung bei Arbeiten mit Spaten oder Schaufel in Erinnerung zu rufen.
• Lasten korrekt einschätzen
Wie viel Gewicht ein Mensch zu tragen vermag, ist von dem Alter, dem Geschlecht, dem Körperbau, dem Trainings- und dem Gesundheitszustand abhängig. Ebenfalls eine Rolle spielen die Art der Last (Volumen, Form, Greifbarkeit) und Faktoren wie Hubweg, Hebehöhe, Häufigkeit, Transportdistanz und Wegbeschaffenheit. Als zumutbare Lastgewichte (oberer Richtwert) für 20- bis 35-Jährige gelten 25 kg für Männer und 15 kg für Frauen, bei regelmässigem Umgang mit Lasten 12 kg für Männer und 7 kg für Frauen.
• Schwere Lasten nicht alleine bewegen
Immer erst prüfen, ob der Einsatz von Hilfsmitteln (beispielsweise Sackkarre, Treppenkarre, Handwagen, Hubwagen, Gabelstapler, Maschinen) möglich ist oder ob Kolleginnen und Kollegen mit anpackenkönnen. Lasten aufteilen und besser mehrmals gehen. Lange Transportdistanzen vermeiden, gegebenenfalls Rollen- oder Transportbänder einsetzen.
• Lasten nie ruckartig oder mit Schwung anheben, ziehen oder schieben
Zum Anheben vom Boden und zum Absetzen bei Lasten ab ca. 5 kg immer wie ein Gewichtheber in die Knie gehen und den Rücken gestreckt halten, sodass die Bandscheiben gleichmässig belastet werden. Beide Arme einsetzen, die Last eng am Körper tragen und beide Körperseiten gleichmässig belasten. Den Oberkörper nicht abdrehen bzw. Lasten nie in verdrehter Haltung weiterreichen, sondern einen Zwischenschritt einlegen. Beim Abladen in eine erhöhte Position (z. B. Regal) kein hohles Kreuz machen. Säcke am besten auf der Schulter tragen – mit gestrecktem Rücken.
• Aufrechte Körperhaltung beim Schaufeln, Wischen oder Harken
Dazu muss die Stiellänge des Arbeitsgerätes im Verhältnis zur Körpergrösse stimmen. Ist sie zu kurz, führt das zu einer gekrümmten Arbeitshaltung; zu lange Stiele wiederum sind unhandlich. Eine mögliche Lösung sind Geräte mit Teleskopstiel, die sich auf die Körpergrösse des Anwenders einstellen lassen.
Der Stiel eines Spatens oder einer Grabgabel sollte laut Empfehlungen der deutschen Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) bis zum unteren Rippenbogen reichen. Bei stehend, ziehend oder schwingend eingesetzten Geräten (Harken, Hacken) gilt eine Höhe bis zur Stirn als angemessen. Für Laubbesen ist eine Stiellänge von Stirnhöhe plus 30 cm angezeigt.
Um einseitige Belastungen zu vermeiden, rät die SVLFG, beim Schaufeln oder Fegen nicht nur die Lieblingskörperhälfte einzusetzen, sondern regelmässig auch auf die andere Seite zu wechseln.