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Blühende Gärten bestimmen

Blühende Gärten bestimmen das Bild des Parks, der seinen Namen Al-Azhar (die Blühende) zu Recht trägt.

Eine grüne Oase inmitten

Eine grüne Oase inmitten von Kairo – der Al-Azhar-Park.

Von Palmen gesäumte Al-Azhar-Prom

Von Palmen gesäumte Al-Azhar-Promenade am Abend. Auch hier sorgen ein Dutzend Wasserfontänen ständig für eine frische Brise.

Kanäle und sprudelnde übernehmen

Kanäle und sprudelnde übernehmen eine Schlüsselrolle im Park Al-Azhar.

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Al-Azhar – eine blühende Oase in Kairo

Auf dem Standort einer ehemaligen Bauschuttdeponie schufen Landschaftsgestalter, Gärtner und Architekten den mit 30 Hektaren grössten Landschaftsgarten im Nahen Osten. Mittlerweile zählt der Al-Azhar-Park zu den beliebtesten Ausflugszielen im Zentrum der 19 Millionen zählenden Metropole am Nil.

Wasser symbolisiert in der arabischen Welt den Garten Eden, von dem die irdischen Parkanlagen eine Vorstellung vermitteln sollen. Stets gefüllte Teiche, Kanäle und sprudelnde Brunnen übernehmen, neben den Schatten spendenden Bäumen entlang der Spazierwege, auch im Kairoer Al-Azhar-Park am Rande der Altstadt die Schlüsselrolle. Sie sorgen selbst in den grössten Hitzeperioden für erträglichere Temperaturen.Auf einer Fläche von 30ha angelegt und 2004 eröffnet, hat sich der grosszügig gestaltete Park Al-Azhar schon nach kurzer Zeit als Publikumsmagnet erwiesen. Der Erfolg war voraussehbar, da die fast 19 Millionen Einwohner zählende Metropole am Nil so gut wie keine Grünanlagen von nennenswerter Grösse aufzuweisen hat.

Ausblicke bis zu den Pyramiden

Ganze Heerscharen Erholungssuchender, darunter viele Familien, ziehen in ihrer Freizeit zum Park, angelegt auf einem gewaltigen Hügel, von dem aus die Besucher an den seltenen Tagen ohne Smog die etwa 15km entfernten Pyramiden erblicken können. Nach dem historischen Vorbild nordindischer Moghul-Gärten führt der Weg in die Gartenanlage durch einen imposanten Bogenpavillon. In der Marmoreinfassung des gepflasterten Weges sorgen ein Dutzend Wasserfontänen ständig für eine frische Brise. Links davon verläuft eine breite palmengesäumte Allee mit Sitzbänken.Hier bietet sich ein grandioser Ausblick auf die Zitadelle mit der majestätischen Mohammed-Ali-Moschee. Blühende Gärten und farbenfrohe Blumenbeete bestimmen das Bild des Parks, der seinen Namen Al-Azhar (die Blühende), in Anlehnung an die gleichnamige im Mittelalter gegründete Universität, zu Recht trägt.In der Gegenrichtung führt eine weitere gepflasterte Allee zu den begrünten Hügeln. Im nördlichsten Parkteil erwartet die Besucherinnen ein Hain aus Dattelpalmen sowie ein Spielplatz. Bei der Gestaltung des dortigen Fünf-Sterne-Restaurants standen die Bogengänge des benachbarten Alt-Kairo Pate.Im Eingangsbereich des Restaurants sorgen acht Wasserstrahlen eines im Marmorboden versenkten und mit Mosaiken prächtig verzierten Brunnens nach Art der historischen Stadtpaläste für Kühlung. Von dort aus fliesst das Wasser in einem schmalen, mit Marmor eingefassten Kanal hinunter in das Zentrum des Parkbereichs.

Wasser für Obstbaumgärten

Das Leben spendende Nass lässt auf seinem Weg geometrische Blumen- und Gemüsegärten nach persisch-islamischer Art erblühen und verharrt dann eine Zeit lang in Teichen, bevor es in Rinnen hügelabwärts über eine «Chadar» genannte künstliche Kaskade fällt. Schliesslich, wieder in einem Kanal gesammelt, versorgt es den «Bustan» (Obstbaumgarten), der mit Mango- und Orangenbäumen bepflanzt wurde, und fliesst schliesslich in einen See.Ebenfalls nach dem Vorbild der indischen Moghul-Gärten, in denen Pavillons oft über Wasserflächen errichtet wurden, gestalteten die Architekten ein Seeufer-Café, das über dem Wasserspiegel zu schweben scheint. Im Gebäude fliesst das Wasser in Rinnen durch den baumbestandenen Innenhof, wo Sitzbänke zum Verweilen einladen. Von dort aus schweift der Blick über die Kuppeln und Minarette der Moscheen von Alt-Kairo. Wenn im Parkgelände bei Einbruch der Nacht ein Meer von Laternen erstrahlt, lässt sich gut nachvollziehen, warum so viele Schriftsteller sich der Magie und dem Charme der ägyptischen Hauptstadt nicht entziehen konnten.

Unterirdische Wasserspeicher

Im Westen vom fatimidischen Zentrum und östlich von der mameluckischen Nekropole (Mausoleenstadt) umgeben, erstreckte sich auf dem heutigen Parkgelände bereits im Mittelalter ein ausgedehnter Garten. Vor etwa einem halben Jahrtausend begannen die Anrainer jedoch, diese Fläche mit Hausmüll und Bauschutt bis zu einer Höhe von 40m aufzuschütten. Grabungsarbeiten führten in den 1980er-Jahren zu einem spek-takulären Fund: Man stiess auf ansehnliche Überreste der von Sultan Saladin, der Ägypten und Jerusalem erobert hatte, im 12.Jahrhundert errichteten Stadtmauer. Der auf einer Länge von eineinhalb Kilometer erhaltene Schutzwall ist inzwischen vorbildlich renoviert. Diese Arbeiten übernahmen Bewohner der Altstadt. Sie waren zuvor mithilfe des Trust entsprechend trainiert worden. Kairo verdankt übrigens diese zauberhafte Parklandschaft einer Initiative der in Genf ansässigen und gemeinnützig ausgerichteten Stiftung «Aga Khan Trust for Culture». Im nächsten Schritt wurden über 1,3 Millionen Kubikmeter Schutt abgeräumt und frisches Erdreich herbeitransportiert.Als das schwierigste Unterfangen erwies sich in der Anfangsphase die Integration von drei gigantischen Trinkwasserspeichern für den Grossraum Kairo. Als Standort für diese lebenswichtigen Tanks war schon zuvor das Gebiet der ehemaligen Müllhalde festgelegt worden. Sie mussten demnach noch vor der Gartengestaltung fertiggestellt werden. Heute erinnern drei grosse Hügel im Park an die unterirdischen Speicher.

Bepflanzung und Bewässerung

Dann erst schlug die Stunde der Landschaftsarchitekten und Gärtner. «Zunächst musste die Bodenqualität radikal verbessert werden», berichtet der Botaniker Saady Badawy von der Universität Kairo. Das war keine leichte Aufgabe, da die Böden in diesem Teil der Hauptstadt, die im Durchschnitt nur 68m über dem Meeresspiegel liegt, einen noch höheren Salzgehalt aufwiesen als das Tote Meer. Darauf liess sich kein blühender Garten anlegen. «Experimentell haben wir herausgefunden, wie der Ursprungsboden mit nicht salzhaltigem Boden gemischt werden muss, damit Pflanzen gedeihen können», fährt Badawy fort. Dann galt es abzuklären, welche Pflanzenarten überhaupt infrage kommen. Die Wahl fiel auf landestypische, robuste und genügsame Arten, darunter die Maulbeer-Feige (Ficus sycomorus) sowie diverse Kakteen und Sträucher. Sie bedecken heute vor allem die abschüssigen Parkteile, wo schnell wachsende Pflanzen zur Geländestabilisierung beitragen. In den hö-heren Lagen pflanzte man schattige Bäume. Heute liegt die Zahl der Pflanzenarten im Parkgelände bei über 320. Eigene Baumschulen kümmern sich um den Nachschub.Ebenfalls durch Versuche fanden die Gartenbauer heraus, welche Form der Bewässerung optimale Ergebnisse lieferte. Heute setzt man überwiegend auf die ressourcenschonende Sprinkler- und Tropfbewässerung. Zum Glück verläuft in unmittelbarer Nachbarschaft zum Park eine Wasserleitung, die ein landwirtschaftliches Gebiet mit Nilwasser versorgt. Über eine Abzweigung fliesst nun das kostbare Nass auch in den Al-Azhar-Park.

Kosten im Griff

Inzwischen ist die Parkverwaltung ihrem erklärten Ziel, die anfallenden Kosten durch eigene Einnahmen zu decken, ein gutes Stück näher gekommen. Der erwünschte Nebeneffekt – die Wiederbelebung des benachbarten Wohnquartiers Darb Al-Ahmar – lässt sich ebenfalls nicht übersehen. Seine Bewohner haben durch den Garten Arbeit und damit ein Einkommen gefunden. Immer mehr Wohnhäuser werden renoviert. Aus diesem Grund zieht der früher eher gemiedene Ort zunehmend neugierige Besucher an.

Aufwertung angrenzender Wohnquartiere

Ein Park alleine verbessert die Lebensverhältnisse der benachbarten Altstadtbewohner nicht. Deshalb wurde das angrenzende Wohnquartier Darb Al-Ahmar mit einbezogen. Zahlreiche historische Baudenkmäler, die in einigen Fällen heute als Schulen oder Kulturzentren dienen, konnten vor dem Zerfall gerettet werden. «Damit haben wir eine echte Beziehung zwischen dem neuen Park und seinem islamischen Kontext geschaffen», versichert der zuständige Kairoer Landschaftsarchitekt Maher Stino. Bei der Sanierung von Privatgebäuden bot die Stiftung «Aga Khan Trust for Culture» Hilfe an, indem Kleinkredite und Architekten vermittelt wurden. Th. Veser

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