«In manchen Alpengärten sieht man Pflanzen aus der ganzen Welt, während wir ‹nur› Arten aus den Schweizer Alpen zeigen», sagte Markus Fischer, wissenschaftlicher Leiter des Alpengartens Schynige Platte, an der Hauptversammlung des Trägervereins am 24. Juni. «Doch wir präsentieren unsere rund 650 Pflanzenarten wenn immer möglich in ihren natürlichen Pflanzengesellschaften – das ist in der Schweiz einmalig.» Dass dieses Konzept der Pflanzensoziologie im 90-jährigen Alpengarten bis heute funktioniert, ist ein grosses Verdienst von Verena und Otto Hegg. Der Berner Geobotanik-Professor Otto Hegg war während über vier Jahrzehnten als wissenschaftlicher Leiter für den Alpengarten verantwortlich. In enger Zusammenarbeit mit seiner Frau Verena, ehemals Chefgärtnerin im Alpengarten, betreute er mit Rat, Tat und immensem Wissen den Botanischen Garten auf 2000 Metern über Meer. Einen Überblick über die Erfahrungen seit der Gründung des Alpengartens Schynige Platte 1927 stellten Verena und Otto Hegg in einem Pflegewerk zusammen, auf das ihre Nachfolger in Zukunft aufbauen können.
Ehre und gute Resultate
Nachdem Otto Hegg dem Garten in den letzten Jahren noch beraten hatte, trat er nun aus dem Vorstand zurück und wurde an der Hauptversammlung verabschiedet – mit einer Würdigung seines Werks und Applaus, da er schon längst Ehrenmitglied des Vereins war. Verabschiedet wurde auch ein weiteres Ehrenmitglied, Hans Ringgenberg, der als langjähriger Kassier unter anderem für das gute Gedeihen der Dr. Werner Schmid-Stiftung verantwortlich war. Dank dem Ertrag aus dieser Stiftung und dem Erfolg der Schynige Platte-Bahn konnte Ringgenbergs Nachfolger Ueli Stähli für 2016 eine Rechnung präsentieren, die auch nach dem Einbau einer neuen Küche im Betriebs- und Laborgebäude mit 4›190 Franken Gewinn schloss.
Erfreulich entwickelt sich auch die Zahl der Pflanzenarten im Garten, da das Gartenteam auf seinen Weiterbildungsexkursionen mit dem Botaniker Adrian Möhl immer auch Samen aus anderen Regionen der Schweizer Alpen mitbringt und daraus neue Pflanzen zieht.
Klimaforschung im Garten
Wie wichtig der alte Garten für die neue Forschung ist, erläuterte Markus Fischer an aktuellen Arbeiten seiner Doktoranden am Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern, die unter anderem mögliche Folgen des Klimawandels für die Biodiversität untersuchen. So verpflanzte etwa ein Doktorand häufige und sehr seltene Pflanzenarten zwischen der Schynige Platte und anderen, tiefer (und damit auch wärmer) gelegenen Gärten und fand heraus, dass gerade die seltensten Arten am wenigsten gut mit den anderen Klimata zurecht kamen. «Das ist ein interessantes Forschungsresultat», sagte Fischer, «aber aus Naturschutzsicht ist es besorgniserregend.»
Daneben stellt die Pflege des Gartens selbst Forschende und Gartenteam vor immer neue Fragen. Wollen sie den Gästen auch in Zukunft Einblicke in den Reichtum und die Schönheit der Alpenflora geben, müssen sie nicht nur mit Umweltveränderungen wie dem Klimawandel und der flächendeckenden «Düngung» durch Stickstoff aus Abgasen zurechtkommen, sondern auch mit der längst noch nicht vollständig erforschten Dynamik von Pflanzengesellschaften.