Das Imkern liegt in vielen Städten im Trend. Werden zu viele Honigbienen gehalten, begünstigt dies die Verbreitung von Krankheiten. Honigbienen konkurrieren zudem mit Wildbienen um Pollen und Nektar. Um Gesundheit und Koexistenz von beiden zu sichern, braucht es griffigere Regeln. Diese sollten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und von allen Beteiligten gemeinsam erarbeitet werden.
Honigbienen sind Nutztiere – vom Menschen seit Jahrhunderten gezüchtet und betreut. Sie bestäuben Kulturpflanzen und tragen in landwirtschaftlichen Gebieten wesentlich zur Produktion von Gemüse und Obst bei. In Städten wird die stark wachsende Imkerei hingegen zum Problem und gefährdet sowohl Honigbienen als auch Wildbienen. So ist in Zürich die Zahl der Bienenstöcke seit 2014 von 900 auf über 1200 gestiegen, in Berlin hat sie sich seit 2005 verdreifacht. Ein einzelner Bienenstock beherbergt Zehntausende von Individuen. Ein Grund für den Boom beruht auf dem Irrtum, dass Honigbienen zurückgehen und gefördert werden müssen. Das ist weder in Europa noch weltweit der Fall.
Zu viele Honigbienen, zu wenig Futterpflanzen
Den Bienenspezialisten, dem Naturschutz und den Imkerverbänden bereitet die weitgehend nicht regulierte Zunahme Sorge. Fachleute betonen, dass Bienen in städtischen Gebieten verschiedenen Stressfaktoren ausgesetzt seien. Sie finden etwa oft nicht genügend Blüten vor, so dass Honig- und Wildbienen um den wenigen Pollen und Nektar als Nahrung konkurrieren. Kommt hinzu, dass Zierpflanzen, wie sie in Städten vorherrschen, möglicherweise weniger Nährstoffe enthalten. Bei einer hohen Dichte von Honigbienenvölkern werden Krankheiten wie die von der Varroamilbe übertragene Varroatose leichter verbreitet. Stehen die Bienenstöcke auf stark bebauten Arealen oder auf Dächern, leiden die Insekten unter Luftverschmutzung und Hitze. Konfliktpotenzial identifizierten die Fachleute bei den Nutzungsansprüchen der Bienenhalter: Die meisten Hobbyimker haben nur wenige Bienenvölker, die insgesamt einen kleinen Teil des Futterangebots benötigen. Die vereinzelten kommerziellen Bienenzüchter mit ihren vielen Völkern beanspruchen hingegen einen grossen Teil der Nahrungsressourcen.
Studien von Imkerverbänden in London und Berlin zeigen, dass zumindest in dicht bebauten Gebieten zu viele Honigbienen auf zu wenig Futterpflanzen kommen. Einige Städte haben deshalb begonnen, die Imkerei zu regulieren. So hat Oslo im Jahr 2020 Zonen eingeführt, in denen die Zahl der Bienenstöcke begrenzt ist, um zu hohe Dichten zu vermeiden und die Wildbienen zu schützen. Zürich hat 2025 aus denselben Gründen neue Bienenstöcke auf stadteigenen Grundstücken verboten.