Im Andombiry-Wald bei Morombe im Südwesten Madagaskars steht mit Tsitakakantsa der grösste Baobab der Insel. Sein Stamm erreicht einen Umfang von 29 Metern. Der madagassische Name bedeutet sinngemäss: «Man hört den Gesang dessen nicht, der sich auf der anderen Seite des Stammes befindet.» Seit 2018 gilt der Baum bei der lokalen Bevölkerung als heilig.
Der Tsitakakantsa gehört zur Art Adansonia grandidieri, der grössten der sechs auf Madagaskar heimischen Baobab-Arten. Der rumänische Wissenschaftler Adrian Patrut schätzt sein Alter auf rund 900 Jahre. Auf Madagaskar gibt es allerdings deutlich ältere Affenbrotbäume: Der älteste datierte Baobab der Insel ist rund 1600 Jahre alt.
Der Zustand von Tsitakakantsa hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert. Bereits vor sieben Jahren gingen Blüte und Fruchtbehang deutlich zurück. Seit etwa drei Jahren bildet der Baum kaum noch normal entwickelte Früchte. Im Oktober 2025 stellte der Biogeograf Cyrille Cornu zudem einen starken Schimmelgeruch und eine schwärzliche Flüssigkeit fest.
Als mögliche Ursache gilt Wasser, das während des Tropensturms Jude im März 2025 über eine Öffnung in die Hohlräume des Baums gelangte. Dort konnte es nicht verdunsten und begünstigte den Befall durch Bakterien und Pilze. Mittlerweile ist ein Hauptast abgebrochen, weitere Teile weisen Risse auf und nur noch ein Teil des Baums treibt Blätter.
Baobabs speichern grosse Mengen Wasser in ihrem Gewebe. Sterben sie ab, trocknen sie deshalb nicht einfach aus, sondern können unter ihrem eigenen Gewicht zusammensacken und rasch verrotten. Wie schnell dieser Prozess bei Tsitakakantsa fortschreitet, hängt auch vom Wetter ab. Starke Winde könnten den Zerfall beschleunigen. Fachleute rechnen damit, dass von dem Baum in spätestens drei Jahren kaum noch etwas übrig sein wird.