Über Jahrzehnte prägte Nigel Dunnett eine Haltung, die heute aktueller ist denn je: Pflanzungen als lebendige Systeme zu denken – robust, artenreich, im Dialog mit Ort und Klima. Er gilt als Pionier neuer ökologischer und nachhaltiger Ansätze für Gärten, Landschaften und öffentliche Räume. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Integration von Ökologie und Gartenbau, um ressourcenschonende, aber wirkungsvolle Landschaften zu schaffen, die dynamisch, vielfältig und naturnah sind. Was ihn besonders machte, war die Verbindung aus wissenschaftlicher Präzision und gestalterischer Leichtigkeit. Bei ihm hatte nichts etwas Zufälliges – und doch wirkte alles selbstverständlich. Seine Pflanzbilder erzählten von Jahreszeiten, von Veränderung, von der Schönheit des Unperfekten.
Mit dem Projekt «Grey to Green» in Sheffield zeigte er früh, was möglich ist, wenn man Infrastruktur nicht als starre Struktur begreift, sondern als Chance für lebendige Räume. Auch die Weiterentwicklung der Barbican Beech Gardens in London trägt seine Handschrift: kein radikaler Umbruch, sondern ein sensibles Weiterdenken – und ein lebendiges Experiment für eine nachhaltige und klimaangepasste Anpflanzung. Viele kennen seine Arbeit auch aus dem Olympic Park in London, wo er gemeinsam mit James Hitchmough und anderen neue Massstäbe für grossflächige, nachhaltige Pflanzungen setzte. Seine Wiesen in städtischen Gebieten hatte er so gestaltet, dass die Menschen sie überall dort geniessen konnten, wo sie lebten und arbeiteten – beispielsweise die Wildblumenwiesen am Burggraben des Tower of London. Und immer wieder war da auch die Bühne der Chelsea Flower Show, auf der er sechsmal zeigte, wie sich komplexe Ideen in dichte, atmosphärische Gärten übersetzen lassen – zuletzt im Jahr 2025 mit dem Hospitalfield Arts Garden.
Stimmen aus der Branche
Tom Stuart Smith schreibt zu Dunnetts Tod auf Instagram: «Seine Arbeit hat unser Verständnis der Rolle von Bepflanzung in unseren Städten grundlegend verändert – sie hat das aussergewöhnliche Potenzial ökologischer Ansätze zur Schaffung widerstandsfähiger und artenreicher Landschaften aufgezeigt. Sein Werk wird auch künftige Generationen von Designern und Gärtnern inspirieren, und wir werden ihn sehr vermissen.»
Auch diesseits des Ärmelkanals ist man vom Dahinscheiden des britischen Landschaftsgestalters betroffen. So schreibt Florian Brack von Grün Schaffhausen: «Nigel Dunnett hat mit seinen dynamischen und wirkungsvollen Bepflanzungen und Ansaaten auch in der Schweiz einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. An der International Conference on Urban Horticulture in Wädenswil im Jahr 2004 durfte ich ihn und seinen Gestaltungswillen persönlich kennenlernen.»
Auch Vincent Fehr von florafutura zeigt sich betroffen. «Als Ökologe hat mich die Arbeit von Nigel Dunnett lange begleitet. In meiner Forschung untersuchte ich ‹Novel Ecosystems› in ‹natürlichen› Ökosystemen – Nigel Dunnett inspirierte mich und viele aus der grünen Branche, auch urbane Pflanzungen so zu denken: als dynamische Gefüge. Seine Arbeit hat gezeigt, dass aus Veränderung und Unvorhersehbarkeit resiliente, ökologisch wertvolle Systeme mit gestalterischer Qualität entstehen können. Eine Arbeit, deren Relevanz weiter wachsen wird.»
Maja Tobler von der Tobler Landschaftsarchitekten AG in Tamins äussert sich folgendermassen: «Nigel Dunnett arbeitete leise, unaufdringlich und zugleich mit einer ausserordentlichen Kraft. Er verband Schönheit mit Wissenschaft, ökologische Verantwortung mit menschlichen Bedürfnissen, Gestaltung mit sozialem Anspruch. Seine Arbeiten zeigten, dass Pflanzungen weit mehr sein können als schöne Bilder: lebendige Systeme, widerstandsfähige Stadträume, Orte der Freude, der Begegnung und der Hoffnung. Er stellte nie sich selbst in den Vordergrund. Im Zentrum standen die Pflanzen, die Orte, die Menschen und die Verantwortung, die wir als Gestaltende tragen. Auch in der Schweiz hat seine Arbeit Menschen beeinflusst und weitergebracht – vielleicht nicht laut, vielleicht nicht überall sichtbar, aber doch tief und nachhaltig. Nigel Dunnett war für mich eine wichtige Stimme. Eine Stimme, die zeigte, dass Natur, Wissenschaft, Gestaltung und Gesellschaft nicht getrennt gedacht werden müssen. Dass Schönheit nicht im Widerspruch zur Ökologie steht. Und dass eine Pflanzung dann besonders stark wird, wenn sie nicht nur betrachtet, sondern erlebt und gebraucht werden kann. Wir verlieren mit ihm einen unermüdlichen Schaffer, einen stillen Pionier und einen Menschen, der mit grosser Bescheidenheit sehr viel bewegt hat. Die Gartenwelt ist ihm tief dankbar – und trauert um ihn.»