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Die thematisch gestalteten, ellipsenförmigen Staudenbeete teilen die Rasenfläche in Vorder- und Hintergrund. Zudem fügen sie sich bestens in die hügelige Umgebung ein.

Bewusst wurde auf hohe Zäune und dichte Hecken verzichtet, um Aus- und Einblick nicht zu stören.

Entwurfsplan mit Rosengarten, Birkenhain und Staudeninseln, erstellt 2015 von Ursula Yelin, Planungsbüro Gartenwerke.

Zwischen dem formal architektonischen Sitzplatz und dem Wohnhaus ist ein flächiger Buchsgarten angelegt.

Blick in den Nutzgarten, zu dem auch eine Feuerstelle gehört. Auf dem Kiesplatz ist ein kleines Gewächshaus geplant.

Hier fuhr einst der Traktor durch die Scheune. Dank der grossen Fenster verschmelzen Innen- und Aussenraum.

Die Magerwiese in voller Blüte. In der gepflanzten Wiese" steht u. a. die Sibirische Schwertlilie kurz vor der Blüte.

Auf einem Rundgang durch die "Phlox-Wiese".

Die Stauden bleiben bis zum nächsten Frühjahr stehen.

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Leidenschaft für Stauden

Eine grosse Begeisterung für Stauden bei allen Beteiligten haben einen Staudengarten entstehen lassen, der seinesgleichen sucht. Experimentierfreude und ein gutes Gespür für Dynamik tragen dazu bei, dass dieser Garten auch in Zukunft nicht an Attraktivität verlieren wird.

Gartenträume sollen wahr werden. Und sie werden wahr, die Gartenvisionen der Architektin Monika Toneatti Staudenmann – Hauptakteure sind die Stauden. Im bernischen Mamishaus, in der Nähe von Schwarzenburg, eingebettet in eine attraktive Hügellandschaft, findet sich auf knapp 800 m ü. M. ein Staudengarten der besonderen Art. Er besticht nicht nur durch seine Grösse, sondern auch durch seine Pflanzenvielfalt und Natürlichkeit – ohne aber den Anspruch zu erheben, ein Naturgarten zu sein.

Vor knapp zehn Jahren baute die Architektin zusammen mit ihrem Bruder das grossväterliche Bauernhaus, das unter Denkmalschutz steht, in ein Wohnhaus um. "Ich habe alle meine Sommerferien hier verbracht. Es ist fast ein wenig ein heiliger Ort für mich", meint Monika Toneatti Staudenmann. Diese enge Verbundenheit mit dem Ort ist eine wichtige Grundlage, dass dieses Gartenparadies so überhaupt erst entstehen konnte.

Formal architektonisch

Sie war schon immer eine Gartenliebhaberin und versucht diese Leidenschaft stets auch bei ihrer Arbeit als Architektin der Bauherrschaft zu vermitteln. "Haus und Garten gehören zusammen und müssen auch gemeinsam geplant werden", ist sie überzeugt.

Bereits kurz nach dem Umbau nahm Monika Toneatti Staudenmann die Gartengestaltung im Bereich der "Hofzufahrt" in Angriff. Hier manifestiert sich das architektonische, formale, Gestaltungsprinzip der Architektin. Ein rechteckiger, mit Kortenstahlrahmen gefasster, kiesbedeckter Sitzplatz wird ergänzt mit einem flachen Wasserbecken und Kräuterbeeten, jeweils ebenfalls rechteckig und eingefasst. Zur Zufahrtsstrasse hin wird dieser Gartenteil durch eine Staudenrabatte begrenzt, ein Hinweis auf ein weiteres Gestaltungsprinzip, das uns auf dem Rundgang noch intensiv vor Augen geführt werden wird: die Vorliebe für Stauden. Auf der angrenzenden Grünfläche dreht ein Rasenroboter seine Runden. Eigentlich sollte eine Blumenwiese die Verbindung zum benachbarten Weidland herstellen. Mäuse durchkreuzten jedoch diese Idee.

"Ich wollte verschiedene Themen realisieren. Eine davon war der Buchsgarten", erklärt Monika Toneatti Staudenmann. Entstanden ist u. a. ein Buchsbeet, bestückt mit z. T. alten Buchspflanzen, die sie vom vorherigen Wohnort hierhin zügelte. Mitgekommen waren auch Rosen, denn ein Rosengarten durfte nicht fehlen. Ihre Vorliebe gehört historischen Sorten. "Da sie jedoch alle gleichzeitig blühten, habe ich Stauden und Gräser hinzugefügt", meint die Archtektin.

Staudeninseln und Birkenhain

2015 folgte die Umgestaltung der an den Rosengarten anschliessende Rasenfläche. Ein zentraler Aspekt war, Bestehendes mit in die Gestaltung miteinzubeziehen. So wurden beispielswesie zur alten Birke weitere Birken hinzugefügt, ein kleiner Birkenhain entstand – und das Bestehende so zu einem Thema gemacht. 

In einem weiteren Schritt wurden mit thematischen Staudenpflanzungen die räumliche Wirkung verstärkt und die einzelnen Elemente zueinander in Beziehung gesetzt. Unterstützung holte sich Monika Toneatti Staudenmann bei Ursula Yelin und Stephan Aeschlimann Yelin vom Planungsbüro Gartenwerke, Eriswil (gartenwerke.ch). Der gemeinsam entwickelte Entwurf (vgl. linke Seite) sah vor, die grosse Rasenfläche so mit Staudenbeeten zu gliedern, damit Vorder- und Hintergrund sich klarer voneinander abheben und es spannend wird, durch den Garten zu spazieren. Die Idee der Staudeninseln war geboren.

Den Inseln, die die hügelige Landschaft in den Garten holen, wurde jeweils ein Thema zugeordnet. Stehen einmal die Dolden im Mittelpunkt, sind es ein anderes Mal die filigranen Strukturen von Gräsern, die einen Bezug zur umgebenden Weidelandschaft herstellen. So finden sich u. a. Angelica sylvestris (Wald-Engelwurz) mit weissen, ansehnlichen Blütendolden (Juli bis September) neben Lunaria rediviva (Wilde Mondviole), die als Blütenstände rosafarbene bis weisse Doldenrispen bildet (Mai/Juni), und Aster glehnii ’Agleni’ (Kleinblütige Herbst-Aster), deren Blütenköpfchen in grossen Dolden stehen (August bis Oktober). 

Poa labillardieri (Australisches Blaugras) und Sporobolus heterolepis (Regentropfengras) sind Bestandteil einer zweiten Staudeninsel. Hinzu gesellen sich Amsonia hubrichtii (Amsonie) mit nadelförmigen Blättern und vielen zierlichen Blütensternchen (intensive, gelbe Herbstfärbung), Perovskia 'Little Spire' (Silberstrauch), deren blaue kleine Blüten quirl-
förmig an langen Blütenähren erscheinen, und Eryngium giganteum (Riesen-Mannstreu), der bis weit in den Herbst hinein seine Schönheit bewahrt.

Bei einem weiteren Beet bestimmen Grossblattstauden das Thema. Monika Toneatti Staudenmann zieht die Vielfalt pflanzlicher Strukturen wie Blattformen einer grellbunten Farbigkeit vor. "Ich liebe die Rosenblüte, bin aber auch froh, wenn die süsse Buntheit wieder vorbei ist", meint sie. Eine dezente Farbwirkung ist ihr wichtiger.

Ein Nutzgarten und drei Wiesen

Letztes Jahr wurde der an den "Inselgarten" anschliessende Bereich, der ehemalige Gemüsegarten, umgestaltet. Für die Gemüse- und Kräuterproduktion ist nur noch ein kleiner Teil übrig geblieben und dafür wurden verschiedene Aufenthaltsorte wie u. a. eine Grillstelle und ein Pavillon eingerichtet. Auf dem Kiesplatz soll später noch ein kleines Gewächshaus gebaut werden.

Eine besondere Faszination übt die Kombination von drei Wiesenarten aus. Auf dem ehemaligen Wendeplatz hinter dem Haus hat sich eine prächtige Magerwiese entwickelt und in einem Teil des Nutzgartens wurde eine Phlox- Wiese ("Phlox Maedow") angelegt. Eine "gepflanzte Wiese" mit u. a. Sterndolden, Langblättrigem Hasenohr, Sibirischer Schwertlilie und Knolliger Kratzdistel (vgl. Pflanzliste rechts) dient als verbindendes Element. Letztere werden nach der Blütezeit von unzähligen Distelfinken besucht.

Leidenschaft und Pflanzenkenntnis

Generell bietet der Garten Lebensraum für eine vielfältige Fauna, bleiben doch die Stauden den Winter über stehen – bis kurz bevor die Frühjahresblüher wie wilde Tulpen, Narzissen und Anemonen sich zeigen. "Zum Zurückschneiden der Stauden brauche ich die Hilfe eines Gärtners", erklärt die Architektin, die sonst den Garten selbst mit grosser Leidenschaft hegt und pflegt. "Es ist nicht nur ein Garten zum Relaxen und die Seele baumeln lassen, sondern vielmehr auch ein Garten, in dem ich regelmässig tätig bin", betont sie. Mit "tätig" meint sie nicht nur jäten, sondern auch experimentieren, Stauden ergänzen oder austauschen. Wenn sie entspannt von ihren Experimenten erzählt, erkennt man schnell, dass sie die Gartenarbeit nicht als Belastung empfindet. Ein Aufenthalt im Garten schärfe alle Sinne und sei letztlich auch Inspirationsquelle für ihre berufliche Tätigkeit.

Kompetente Unterstützung beim Experimentieren erhält sie dabei vom Planungsbüro "Gartenwerke". "Ihre Wahrnehmung von Pflanzen deckt sich mit unserer. Sonst wäre das nie so entstanden", ist Stephan Aeschlimann Yelin überzeugt. "Man sieht es dem Garten an, dass sie ihre Gartenbilder realisiert, und nicht einfach einen Garten in Auftrag gegeben hat", meint er. Es sei schon eine aussergewöhn-
liche Situation, mit welcher Begeisterung und Leidenschaft sie in offenen Diskussionen den Gestaltungsprozess bestimme. Da sie alles selber pflege, spüre sie gut, was letztlich funktioniert. «Ich gebe mein Bestes, bin aber auch realistisch, und was nicht funktioniert, funktioniert halt nicht", meint Monika Toneatti Staudenmann. 

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