In der Schweiz ist das Wald-Weidenröschen in allen Regionen und vom Tiefland bis ins Gebirge weitverbreitet. Oft findet man die Art herdenweise. Besonders häufig ist sie auf Waldschlägen, Brandflächen oder Erosionsstellen an zutreffen. Es scheint, als ob sie die Geselligkeit mag, findet man sie doch selten alleine stehend. Mit seinen Flugsamen ist das Weidenröschen rasch zur Stelle, wenn es gilt, eine neue Fläche in Besitz zu nehmen. Wegen seiner Vorliebe für frisch abgebrannte Waldflächen nennt man es in Nordamerika «fireweed», Feuerkraut. Nordamerika? Ja, tatsächlich ist Epilobium angustifolium auch in Kanada, den USA, und überhaupt rund um den Polarkreis zu Hause. Zirkumboreal nennt man eine solche Verbreitung, die zahlreichen anderen Arten eigen ist. An den Standort stellt die Pflanze des Jahres wenig Ansprüche, und sie lässt sich auch schlecht einem Lebensraum zuordnen. Sie wächst an Ufern, Waldrändern, in Hochstaudenfluren, auf Felsschutt, Ruderalflächen und sogar dort, wo andere längst umgeknickt sind: in Lägerstellen. Dies hilft uns auch für die Pflege der Art im Garten: Solange genügend Nährstoffe, Feuchtigkeit und Platz zur Verfügung stehen, ist die Pflanze genügsam und gedeiht vom Schatten bis in die Vollsonne.
Wildstaude des Jahres.
Im Jahr 2022 rief der Verein Bioterra aus Anlass seines 75-jährigen Bestehens die Wildstaude des Jahres ins Leben, um auf diese für die heimische Tierwelt unersetzbaren Nahrungsquellen aufmerksam zu machen. Gleichzeitig bricht Bioterra damit eine Lanze für das Ansiedeln mehrjähriger einheimischer Wildpflanzen im eigenen Garten. Die langlebigen, für die Biodiversität unerlässlichen Blütenpflanzen sind pflegeleicht und unkompliziert. Sie halten Wetterextremen wie wochenlanger Trockenheit oder Regen stand und sind somit eine Bereicherung für jeden Bio- und Naturgarten.
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