Seine blau-violetten Blüten mit dem charakteristischen Sporn erstrahlten früher oft zwischen Getreidehalmen und boten dort Wildbienen und Schmetterlingen von Mai bis in den September hinein Nahrung. Doch heute ist dieser Anblick selten geworden. Äcker gehören neben den Wäldern zu den flächenmässig grössten Ökosystemen Deutschlands. Mehr als 350 Pflanzenarten, etwa 10 Prozent der mitteleuropäischen Gefässpflanzen, sowie zahlreiche Säugetiere, Insekten, Vögel und Amphibien waren in diesen Lebensräumen einst heimisch. Die Intensivierung der Landwirtschaft, der Einsatz von Herbiziden und Düngemitteln haben jedoch dazu geführt, dass zahlreiche Ackerwildkräuter und mit ihnen auch viele Tierarten in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgedrängt worden sind. Viele von ihnen finden sich heute auf den Roten Listen wieder.
Der Feldrittersporn (Consolida regalis) ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Hahnenfussgewächse und bevorzugt sonnige und kalkhaltige Böden mit regelmässiger Bodenstörung, wie sie extensiv bewirtschaftete Getreideäcker, Brachflächen und Wegränder bieten. Er wird 15 bis 50 cm hoch, hat einen schlanken, fein behaarten Stängel und stark zerteilte, fadenförmige Blätter, die Wasserverluste an trockenen Standorten minimieren.
Früher ein wichtiger Teil der Kulturlandschaft – heute nur noch seltene Erscheinung
Der Feldrittersporn ist ein klassischer Vertreter der Segetalflora, also der Wildpflanzen auf Äckern. In der Neolithischen Revolution vor etwa 9000 Jahren wurde der Ackerbau im fruchtbaren Halbmond Mesopotamiens erfunden und hat sich anschliessend mit Migrationsbewegungen bis nach Europa ausgebreitet. Mit Emmer, Einkorn, Weizen, Gerste und anderen Kulturpflanzen kamen auch viele Wildpflanzen, die in den neu entstandenen Lebensräumen passende Standortbedingungen vorfanden. Mit der Zeit entwickelte sich ein artenreiches Zusammenspiel von Ackerwildkräutern, feldbewohnenden Tieren und den von Menschen angebauten Nutzpflanzen. So sind Mohn, Kornblume und Kamille, aber auch Feldhamster, -hase, -lerche und Rebhuhn sind unmittelbar mit dieser Landschaft verknüpft und nicht wegzudenken.
Was über Jahrtausende entstand, wird nun in nur wenigen Jahrzehnten zerstört: Mit dem Einsatz von Herbiziden und Düngemitteln, mit der zunehmenden Mechanisierung und Bodenbearbeitung bewirkt die intensive Landwirtschaft, dass die Vielfalt sowohl an Kulturpflanzen aber auch Wildpflanzenarten erheblich reduziert wird. Auch die Saatgutaufbereitung ist ein wichtiger Grund für die Abnahme der wild wachsenden Pflanzen auf den Äckern, da ihre Samen nun nicht mehr wie früher mit denen der Kulturpflanzen ausgebracht werden. Diese Massnahmen waren und sind so effektiv, dass die Arten der Segetalflora heute zu den am stärksten gefährdeten Pflanzen gehören.
Die Loki Schmidt Stiftung sieht die «Blume des Jahres 2026» als stellvertretend für eine Vielzahl von Ackerwildkräutern, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgedrängt worden sind. So wird Consolida regalis in allen deutschen Bundesländern auf der Roten Liste geführt.
Für den langfristigen Erhalt dieser Arten reichen punktuelle Massnahmen nicht aus. Notwendig seien laut Stiftung unter anderem extensivere Bewirtschaftungsformen, der Verzicht auf Pestizide, vielfältige Fruchtfolgen sowie naturnahe Ausgleichsflächen. Die Wahl zur «Blume des Jahres» solle das Bewusstsein für diese Zusammenhänge schärfen – in der Landwirtschaft ebenso wie im privaten Garten oder auf dem Balkon.