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dergartenbau - Heft Nr. 22/2018
Dienstag, 30. Oktober 2018

Zehn Jahre Baumpflege Dietrich

Das Porträt der Belegschaft der Baumpflege Dietrich GmbH bringt die Leidenschaft für Bäume zum Ausdruck. Es wurde auf dem Betriebsausflug unter Leitung von Michel Brunner (links) zu Baumriesen aufgenommen.
 
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Fachartikel zur Baumpflege

Baumpflegespezialist Fabian Dietrich liess die Leserinnen und Leser von dergartenbau in verschiedenen Fachartikeln an seinem Fachwissen teilhaben: Stammschutz vor Sonnenbrandschäden, fachgerechter Baumschnitt, fachgerechte Verankerung, sicheres Arbeiten auf Kleinbäumen sind die Themen. Der Werdegang des Baumpflegespezialisten wird im Berufsbildporträt «Aus Begeisterung für Bäume» aufgezeigt.

Bewertung: 
Wie klingt eine «Appenzeller Sequoia»? Wie wurde die Sorte ‘Rygolder Pflümli‘ aus der Taufe gehoben? Antworten darauf gab es an der Feier zum 10-Jahr-Jubiläum der Baumpflege Dietrich GmbH in Därligen. Eingeweiht wurde zudem das neue Betriebsgebäude. Baumpflege ist für den Inhaber Fabian Dietrich nicht nur Broterwerb, sondern Passion und Berufung. So hat sich der Betrieb weit über das Berner Oberland hinaus einen Namen gemacht. Der gefragte Baumgutachter setzte sich in vielen Fällen mit Erfolg für alte erhaltenswerte Bäume ein.

«Bäumige Grüsse» oder der Wunsch für einen «bäumigen Tag» sendet Baumpflegespezialist Fabian Dietrich  mit jedem Mail. Wer den engagierten Fachmann kennt, der über die Energie von zwei Menschen zu verfügen scheint, weiss, dass diese Grussworte getragen werden von einer Leidenschaft für Bäume. Sie sind die DNA des Baumpflegespezialisten, der sein im Verlauf seiner über 20-jährigen Tätigkeit in diesem Fachgebiet angesammeltes Wissen in Aus- und Weiterbildungen weitergibt, den Dingen auf den Grund geht und sich nicht scheut, den Finger auf wunde Punkte zu legen. Wenn es um wertvolle Einzelbäume geht, die aus Unverständnis kaputt geschnitten werden und irreparabel geschädigt sind oder gefällt werden, obwohl sie kerngesund sind, schmerzt es den Fachmann. Dies gilt auch, wenn er als Baumgutachter einen Fällentscheid treffen muss, wie dies aus den Fachartikeln auf der informativen Firmenwebsite hervorgeht. Das gesamte Dienstleistungspaket des mit zehn Jahren noch jungen Betriebs, von der Beratung (Baumpflegekonzepte, Expertisen, Gutachten) über die Pflanzung und Pflege bis hin zur manchmal unumgänglichen Fällung, wird anhand zahlreicher Referenzprojekte aufgezeigt. «Wir verstehen uns als Partner der Gartenbauer, die auch zu unseren wichtigsten Kunden zählen», so der damals 31-jährige Baumpflegespezalist, der seine Weiterbildung zum Baumpflegespezialisten 1997 antrat, im in dieser Fachzeitschrift erschienenen Berufsbildporträt «Aus Begeisterung für Bäume» bereits vor seiner Zeit als Unternehmer (siehe Kasten). Dietrich ist alleiniger Inhaber der Firma, die in der Saison 17 Mitarbeitende (12 in der Ausführung und  5 im Büro) beschäftigt, teilt sich aber die Geschäftsführung mit seiner Schwester Bettina, die den administrativen Bereich leitet.  

 

Botschafter für Bäume

Aufgeschaltet auf der Firmenwebsite ist zudem eine Sammlung von Medienberichten, die den Einsatz des Baumpflege­spezialisten für den Erhalt alter Bäume dokumentiert. Wiederholt macht Dietrich darin deutlich, dass Bäume nicht präventiv entfernt werden sollen, sondern erst dann, wenn es wirklich nötig ist. Eine Geschichte der Rettung alter Bäume reiht sich an die andere. Ein Fallbeispiel ist die über 100-jährige Silberweide, die in Merlischachen steht. Sie ist eine der grössten ihrer Art in der Schweiz. Der Fällentscheid wurde aufgrund der Stand- und Bruchsicherheitskontrolle des Baumpflegespezialisten rückgängig gemacht. «Dieser Baum kann mit keinem Geld der Welt ersetzt werden. Man müsste 100 Jahre warten, bis sich wieder ein solcher Baum entwickelt hat», verdeutlicht Dietrich den Wert dieses Baumes gegenüber der Lokalzeitung. Die Silberweide kann, begleitet durch baumpflegerische Massnahmen (Entlastungsschnitt, Kronenpflege und Kronensicherungen) weitere 50 bis 100 Jahre bestehen. Sie  gehört zu den Rekordbäumen, die der mit Dietrich befreundete Baumexperte und Baumfotograf Michel Brunner in ganz Europa aufspürt und dokumentiert. 

 

Das spektakuläre, links oben abgebildete Firmenporträt der Baumpflege Dietrich GmbH ist auf einem durch Brunner geführten Betriebsausflug zu den Baumriesen entstanden. Grossformatige Fotos der Baumriesen zieren auch die Wände im neuen Betriebsgebäude, das über grosszügige Räume für die Mitarbeitenden und repräsentative Büroräume verfügt und an den Tagen der offenen Tür zur Besichtigung stand. Baumexperte  Brunner wusste am Jubiläumsanlass mit einem Vortrag über die Baumriesen zu begeistern. Über 4000 alte, grosse Bäume, «von Birne bis Weide», hat er aufgesucht, vermessen, fotografiert und archiviert. Dazu gehört auch ein Birnbaum mit einem Stammumfang von 7,5 m. Früher hätte es Tausende Sorten gegeben, die meisten seien verschwunden, so Brunner. Dem Erhalt alter Sorten nimmt sich die Vereinigung Fructus an, die mit einem Informationsstand an den Tagen der offenen Tür bei Baumpflege Dietrich vertreten war. 

 

‘Rygolder Pflümli’

Eine besondere Geschichte, die mit einem Obstbaum in Zusammenhang steht, rankt sich um den Bau des Betriebsgebäudes. Nur schwer vereinbar mit dem baumpflegerischen Gewissen des Erbauers war die für den Neubau erforderliche Fällung des über 100 Jahre alten Pflaumenbaums (Prunus domestica), der über Generationen als Familienbaum gepflegt wurde. Grossbaumverpflanzungen gehören zwar zum Spezialgebiet des Baumpflegebetriebes, in diesem Fall war jedoch zum Bedauern von Dietrich eine Verpflanzung aufgrund der Grösse des Obstgehölzes und wegen der Standortsituation nicht möglich. Der Obstbaum musste im Februar 2017 dem Bauprojekt der Firma weichen. Anliegen des Baumpflegespezialisten war es, die Sorte genetisch zu bewahren. Deshalb wurden Edelreiser entnommen und an die Bio-Baumschule Glauser zur Veredlung und für die Zucht von Nachkömmlingen übergeben. Blattproben der Nachkömmlinge sendete Dietrich zudem im Frühjahr 2017 zur molekularbiologischen Sortenprüfung an Fructus. Bei der genetischen Analyse stellte sich zu seiner Freude heraus, dass die Sorte in der Referenzdatenbank nicht vorhanden ist. Das erste von vier neugezogenen Bäumchen wurde an der Einweihungsfeier auf dem Firmenareal gepflanzt. Die  neue Sorte trägt den alten Flurnamen  Rygolder im Namen. 

 

Auch der Stamm des einstigen Familienbaums besteht weiter. Er wurde entrindet und von Tom Eisenhut (Timbertom) aufbereitet. Zusammen mit der Wandmalerei aus Lehmfarben (poesieinlehm.ch), die den Baum im Kleid der vier Jahreszeiten zeigen, belebt er den Mehrzweckraum im  dreistöckigen Betriebsgebäude. Eine weitere Wandmalerei findet sich beim Aufgang zum Büro. Abgebildet ist der  Bergahorn des Firmenlogos. Auf Mass gefertigte Möbel, wie die Holzverkleidung beim Empfang, setzen Akzente und unterstreichen den Auftritt des Unternehmens, das Betriebe der öffentlichen Hand und einen grossen Kreis von Baumliebhabern zu seiner Kundschaft zählt. 

 

Respekt und Wertschätzung gegenüber der Natur, im Umgang mit der Kundschaft und im Team prägen einen der Leitsätze der Firma. Den Mitarbeitenden gegenüber wird diesen Aspekten Rechnung getragen durch die Bereitstellung einer zeitgemäs­sen Infrastruktur mit einem Trocknungsraum für die Kletterutensilien und Arbeitskleider, Aufenthaltsräumen mit Küche, sanitären Anlagen und Garagen für die Firmenfahrzeuge. Entsprechend den baurechtlichen Vorgaben wird das Gebäude gemischt genutzt als Wohnraum (20%) und als Werkhof (80%). Der Neubau wurde in Etappen realisiert. Das Wohnhaus der Grosseltern, in dem der Betrieb vorher untergebracht war, wurde erst abgerissen, nachdem der Neubau stand. Trotz erschwerender Bedingungen, in den Wintermonaten fällt sechs Wochen lang kein Sonnenstrahl auf den Bau, setzte Dietrich auf einheimisches Holz. Das Konstruktionsholz besteht aus Fichtenholz, die Balkone aus Douglasie, die Treppe aus Eiche und die Akustikdecke im Mehrzweckraum aus Weisstanne. Bei der Fassadenbekleidung handelt es sich um eine Stülpschalung aus heimischem Lärchenholz aus Österreich.

 

Text: Waltraud Aberle, Redaktion Bilder: zvg, wab
 

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