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dergartenbau - Heft Nr. 18/2018
Dienstag, 4. September 2018

Wyss Gartentage 2018: Bühne frei für die Gewinner des Hitzesommers

Pierre Bürckel (rechts) führte an den Wyss Gartentagen 2018 durch die Sonderschau «Paprika und Chili».
 
Alternanthera besonders beliebt

 

Auch in diesem Jahr waren die Besucherinnen und  Besucher der Wyss Gartentage eingeladen, ihren persönlichen Favoriten unter den 1936 Versuchsnummern zu kennzeichnen. In der Publikums-

gunst obenaus schwangen Alter-

nanthera bettzickiana ‘Burgundy

Threads’ (Bild) und ‘Red Threads’.

Mit ‘Little Ruby’ (Rang 8) schaffte es auch noch eine dritte Alternanthera-Sorte unter die Top Ten. crs

Bewertung: 
Der Sommer 2018 präsentierte sich ausnehmend sonnig, trocken und heiss. Welche Arten und Sorten kommen mit solchen Bedingungen am besten zurecht? Hinweise liefern über 1900 Sorten, deren Performance an den Wyss Gartentagen vom 22. und 23. August in Zuchwil inspiziert werden konnten.

 

Schön und heiss –  an den Wyss Gartentagen 2018 war das Wetter gleich wie in den Wochen zuvor. Und «hot» wurde es auch inhaltlich, und zwar in der Sonderschau «Paprika und Chili», durch die Pierre Bürckel, Leiter Gemüse bei Wyss, die Besucherinnen und Besucher führte. Neben Peperoni und vielen attraktiven Zierformen (Verzehr auf eigene Verantwortung), waren auch verschiedenste «scharfe» Chili auszumachen, darunter die buschig-kompakte ‘Cayennetta’ (mittelscharf, Früchte unter dem Laub gut vor der Sonne geschützt), die sich prima als Balkonpflanze eignet, oder die feurige ‘Trinidad Moruga Scorpion Rosso’. 

 

Neu für 2019 ist Capsicum frutescens ‘Longhorn’ mit aussergewöhnlich langen, schmalen und an der Spitze leicht gequirlten Früchten von milder Schärfe. Die Sorte gilt als hitzeverträglich. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung erleiden die Früchte keine Schäden. Komplett anders geformte, gelblich-orange Früchte sind das Merkmal von Peperoncini ‘Yellow Tomato’. Sie sind ähnlich rund wie Cherry-Tomaten. Dekorative glockenartige und dabei bis 5 cm grosse und milde Früchte bietet die mit dem All-America-Selections-Award 2017 ausgezeichnete, buschige, bis 1,2 m hohe Capsicum baccatum ‘Mad Hatter’. Als Beetpflanze besonders hübsch wirkt die hitzetolerante, kompakt dunkellaubige Capsicum annuum ’Purple Flash’, die mit fast schwarzen Früchten und hellgrün panschiertem Laubaustrieb gefällt. Als äusserst beliebt bei Familiengartenbesitzerinnen und -besitzern gilt die ertragreiche, im Balkan entstandene 70 cm hohe Peperoncini ‘Babura’, deren spitz zulaufenden Früchte sich von gelb über orange bis dunkelrot färben. Die Schärfe ihrer Früchte kann variieren.

 

Tomaten im Gitter

Gut ist der warme Frühling und schöne Sommer nicht nur den wärmebedürftigen Paprika, sondern auch den Tomaten bekommen, von denen Wyss rund 150 Sorten zeigte, die alle ohne Pestizide gezogen wurden und auch genascht werden durften. Bemerkenswert an den im Freien gepflanzten Sorten war das aus den USA stammende Gittersystem, das den Pflanzen ausreichend Halt bietet und ein Aufbinden erübrigt. Es punktet aber auch mit seiner modernen Ästhetik. Das Gittersystem kommt vor allem für den Anbau von Sorten wie die neue, krautfäuleresistente ‘Honeymoon’ in Frage.

 

Kübelpflanzen mit Früchten

Passend zum Balkongemüse-Trend greift Wyss auch «alte» Themen wie die Birnenmelone (Solanum muricatum) wieder auf, die einen sonnigen Standort bevorzugt. Im Versuchsgarten wachsen die Sorten ‘Pepino Gold’, ‘Pepino Purple’ und ‘Pepino Yellow’. Sie wurden – ebenso wie 600 weitere Versuchssorten in 10-Liter-Kübeln – in ein torffreies Substrat von Stender gepflanzt. Dieses nach Vorgaben von Wyss produzierte Substrat ist schwer, strukturstabil sowie gut Wasser und Nährstoffe speichernd. Das ermögliche eine schönere Qualität und eine Kultur ohne Hemmstoffe, erklärte Marcel Burri, Leiter Zierpflanzenbau bei Wyss. Allerdings müsse eine etwas längere Kulturzeit in Kauf genommen werden.

 

Als Idee für Balkon und Terrasse testet Wyss Passiflora in Kübelpflanzengrösse für den Zeitraum nach der niederländischen Angebotsphase. P. edulis, die essbare Früchte ausbildet, präsentierte sich mit einem eindrücklichen Fruchtbehang. Man darf gespannt sein, ob diese Früchte noch zur Reife kommen. Die Chancen stehen gut. Ausserdem will Wyss die Frosthärte testen. Passiflora edulis gilt als relativ frostunempfindlich.

 

Eine gemüsige Neuheit für den Schnitt, die es gerne vollsonnig mag, ist Solanum aethiopicum. Die afrikanische Aubergine trägt an dunklen, bis 80 cm langen Stielen dekorative orangerote Früchte, die bei entferntem Laub effektvoll zur Geltung kommen. 

 

Süsskartoffelanbau profitiert

Was aktuell als ungewöhnlich warmer Sommer gilt, könnte nach Einschätzung von Klimaforschern in rund 30 Jahren ein ganz normaler Durchschnittssommer sein. Bereits jetzt lasse sich bei Süsskartoffeln eine deutliche Verlängerung des Produktionszeitraums feststellen, erläuterte Wim C.J. van Marrewijk von der Wyss-Partnerfirma Biological Youngplants. Der niederländische Lieferant von biololgisch erzeugten Jungpflanzen setzt auf Süsskartoffelsorten wie ‘Indosweet’, die für die Produktion in Mittel- und Nordeuropa besonders gut geeignet sind. Im Versuchsgarten konnte das Fachpublikum acht Ipomea-batatas-Sorten (und deren Kno llen) begutachten.

 

Überzeugende Blühperformance

Was für Blüher sind zu favorisieren, wenn die Tendenz zu grosser Sommerhitze als Folge des Klimawandels anhält? Im Versuchsgarten von Wyss, wo alle Pflanzen bewässert werden (Überkopfbewässerung in der Nacht bzw. Tropfbewässerung für die Kübel), überzeugen in diesem Jahr u. a. Pelargonien, Petunien, Phlox und Tagetes. Mit ‘Nosento Limegreen’ präsentierte Wyss eine neue Tagetes-erecta-Sorte mit grünlichgelben gefüllten Blüten, die nicht den charakteristischen und bei Verwendung als Schnittblume unerwünschten Duft verströmen. Ebenfalls duftfrei scheint die neue Sorte ‘Key Lime’ zu sein. Neu für 2019 sind zudem ‘Little Duck Orange’ und ‘Little Duck Yellow’, zwei genetisch kompakte Tagetes-erecta-Sorten mit riesigen Blütenbällen. Sie eignen sich sowohl für die Beet- als auch für die Gefässbepflanzung und lassen sich ohne Hemmstoffe kultivieren.

 

Bei den Stauden brillieren in diesem Sommer erwartungsgemäss Echinaceae (darunter die im Markt sehr erfolgreiche Neuheit 2018 ‘Delicious Candy’ und die limettencremefarbig blühende Neuheit 2019 ‘Delicious Nougat’) sowie Rudbeckia und Minzen. Auch Catharanthus roseus als möglicher Ersatz für Impatiens walleriana ist ein Gewinner des heissen und vor allem trockenen Sommers 2018. Die Pflanze mag es warm und mit wenig Niederschlag. Eher problematisch reagiere sie bei wechselhaften Bedingungen mit feucht-kalten und schwül-warmen Phasen, berichtete Burri. Von ihrer Wuchskraft her die wohl beste Sorte für die Schweiz sei die kräftige ‘Titan Red Dark Improved’, eine Neuheit 2019. 

 

Bei den Salvien ist die Performance durchzogen. Sehr schön und üppig blühend zeigt sich S. patens ‘Patio Deep Blue’. Aber die Neuguinea-Impatiens begeistern nur halbwegs. Mit den diesjährigen Verhältnissen am besten zurechtgekommen sind interspezifische Typen wie die «SunPatiens».

 

Unerwartete und andere Verlierer

Im Gegensatz zum Vorjahr überraschend schwach präsentieren sich im Versuchsgarten die Bidens. Sie haben, wenn überhaupt, nur kleine Blüten. Dass die Lobularien kaum Blüten bildeten, überrascht hingegen weniger. Immerhin: Mit den nun kühler gewordenen Nächten rappeln sich einige Sorten wieder etwas auf. Auch für die Entwicklung von Tropaeolum minus waren die Bedingungen nicht günstig. Gleichwohl trug die in der Fleuroselect-Prüfung stehende Sorte ‘Deep Rose’ noch einige Blüten und vermittelte eine Ahnung von ihrem Dunkelrosa – ein neuer Farbton im Tropae olum-Sortiment, kombiniert mit kompaktem Wuchs und schönem, dunklem Laub.

 

Klimatisch kein ideales Jahr ist 2018 für Fuchsien. Dass es Sorten gibt, die sich trotzdem gut entwickelten, zeigte die Wyss-Partnerfirma Brandkamp mit der rosa blühenden «Jollies» ‘Trailing Albi‘ und der selbst bei so viel Sonnenschein reinweiss (und nicht rosa verfärbt) blühenden «Jollies» ‘Trailing Toulon’. Beide Sorten wurden erst letztes Jahr eingeführt.

Text und Bilder: Claudia-Regina Sigg, Dipl. Ing. FH Gartenbau, Redaktion
 

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