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dergartenbau - Heft Nr. 02/2019
Dienstag, 15. Januar 2019

Sorge zum Boden tragen – auch in den Städten

Stéphanie Perrochet Landschaftsarchitektin im Grünflächenamt Neuenburg und Geschäftsführerin der Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter VSSG, Corcelles NE
 
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Der Boden ist eine in menschlichen Zeitmassstäben nicht erneuerbare Ressource, Basis der Nahrungsproduktion, weltweit wichtiger Kohlenstoffspeicher und leistungsstarker Wasserfilter. Aber trotz der seit 2015, dem «Jahr des Bodens», geleisteten Aufklärungsarbeit gehört er heute noch zu den Stiefkindern des Biosphärenschutzes.

In der Schweiz geben das Umweltschutzgesetz und die Verordnung über Belastungen des Bodens seinem Schutz das rechtliche Fundament. Der Bund setzt sich auf verschiedenen Ebenen dafür ein. Die Erfolge sind bisher jedoch beschränkt, da auf kantonaler oder kommunaler Ebene die finanziellen und personellen Mittel knapp sind (Massnahmen für den Bodenschutz, www.bafu.admin.ch). So wird bei vielen Eingriffen der Boden weiter mit Füssen getreten. Die Schäden sind oft irreversibel.

Der grösste Bodenfresser in der Schweiz bleibt die Ausweitung der überbauten Fläche. Die Landwirtschaft setzt Böden anderen Risiken aus, sie kann vor allem zu Erosion und / oder Eintrag von Schadstoffen führen. Unser Thema ist der Bodenschutz auf Baustellen, bei «Events» in Parks und Grünanlagen. Zwar ist die bodenkundliche Baubegleitung für Grossbaustellen gesetzlich vorgeschrieben, aber auf vielen kleineren Baustellen werden die Böden nicht schonend behandelt. Sie werden befahren, umgelagert, aufgeschichtet, vermischt und rückverdichtet. Eine strukturzerstörende Belastung, Bodenvermischungen oder Einmischungen von Fremdmaterial gehören dort zum unbeachteten Alltagsgeschehen. Der «lebende Boden» ist danach oft nur noch ein hohler Begriff.

Wie können Gärtner, Planer und grüne Ämter dazu beitragen, dass Boden schonender behandelt wird? Praktische Schulung ist gefragt. Nur umfassende Kenntnisse bodenschonender Massnahmen und die Berücksichtigung des Wettereinflusses erlauben eine wirkliche Einbindung der wertvollen Ressource in den Bauablauf. Ein empfehlenswertes Nachschlagewerk dazu veröffentlichten Ulrike Meyer und Anne Wienigk 2016: «Baubegleitender Bodenschutz auf Baustellen». Sie weisen darauf hin, dass der Bodenschutz bereits bei der Planung, der Baustelleneinrichtung und der Maschinenauswahl berücksichtigt werden muss. Bodenart und -struktur bestimmen die Tragfähigkeit und damit die Wahl geeigneter Maschinen.

Für die kommunalen Behörden gilt es, bei der Erteilung der Baugenehmigung im Falle auch Bodenschutzmassnahmen im Baustellenbereich zu fordern. Nicht nur der Wurzelraum von Bäumen benötigt eine besondere Behandlung, sondern auch Wiesen und Rasen dürfen nicht ohne Auflagen «frei» zur Verfügung stehen. Zu oft werden Grünanlagen oder andere Pflanzenstandorte rücksichtslos zum Manövrieren von Fahrzeugen und Baumaschinen sowie als Abstellfläche genutzt. Der Boden leidet lange darunter. Tragen Sie dazu bei, dass auch nach den zahlreichen «Events» in Parkanlagen anstatt zerstörter Böden nur schöne Erinnerungen bleiben.
 

Stéphanie Perrochet Landschaftsarchitektin im Grünflächenamt Neuenburg und Geschäftsführerin der Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter VSSG, Corcelles NE
 

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