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dergartenbau - Heft Nr. 11/2019
Mittwoch, 22. Mai 2019

Frischen Fusses sicher unterwegs

Sohle mit dachförmigem Profilverlauf von Leipold+Döhle. Auf rutschigem Untergrund sorgen dichte Winkelprofile für den guten Halt.
 
Bewertung: 
Ein sicherer Arbeitsschuh ist gut und sinnvoll. Leider sind gewisse Ausführungen schwer, klobig und fördern Schweissfüsse. Für Arbeitsbereiche des Garten- und Landschaftsbaus, in der Kommune und im Facilitybereich, wo knöchelhohe Schutzschuhe nicht Pflicht sind (z.B. Reinigung, Werkstatt, Transport/Umschlag), gibt es atmungsaktive Alternativen im Sportschuhformat.

 

Zehenschutz, durchtrittsichere Sohle und verstärkter Hacken sind bei vielen Modellen vorhanden. Einige Hersteller beweisen zudem, dass auch was fürs Auge möglich ist.

 

Materialübersicht

Im Sicherheitsschuhbereich kursieren viele spezifische Bezeichnungen, die verwirrend wirken. Folgende Auflistung der Material- und Herstellerbezeichnungen soll Klarheit schaffen:

Composite ist eine Fasergewebe–Harzverbindung, die schon bei einer Dicke von nur 3,8 mm einen Durchtrittschutz in der Schuhsohle gewährleistet (z. B. Texon Enigma Zero HAT 2). Je nach Art des Gewebes können unterschiedliche Festigkeiten erzielt werden. Dabei ist diese Schicht leichter als Metall und vor allen Dingen flexibler, relativ preisgünstig, leicht herzustellen und einfach zu verarbeiten. Deshalb wird dieses Material im Arbeitsschutzschuhbereich für Sohlen- und Zehenschutz verwendet.

EVA-Material (Ethylen-Vinyl-Acetat-Polymer) ist aufgrund der hervorragenden Dämpfungseigenschaften besonders für die Innen- und Zwischensohle geeignet. Dieses entsteht, indem das Polymer aufgeschäumt wird. Das Verhältnis Gas / Polymer entscheidet über den Härtegrad der Sohle. Damit sind problemlos unterschiedliche Härtebereiche innerhalb einer Sohle herstellbar. 

Bei Plasmafeel werden verschleissfeste Fäden dreidimensional verwebt. Dadurch entsteht eine stabile, lockere Stoffstruktur, die eine Luftzirkulation ermöglicht und frei ist von Pilling (Knötchenbildung an der Oberfläche). Werden diese Fäden speziell beschichtet (z. B. Aktivkohle) oder Silberfäden mit eingewebt, haben diese Stoffe zusätzlich eine antibakterielle geruchsmindernde Wirkung.  

Bei PU (Polyurethan) handelt es sich um ein Polymermaterial, das trotz geringer Dichte und leichtem Gewicht sehr verschleissfest, biegsam, stossdämpfend und rutschhemmmend ist. Zudem zeichnet es sich durch eine hohe Chemikalienfestigkeit aus. Im Zusammenspiel mit Gummi kann man die Gewichtsnachteile verringern. Deshalb wird diese Kombination oft bei der Sohlenherstellung genutzt.

Sun Reflect reduziert durch verstärkte Reflektierung die Aufheizung des Obermaterials durch Sonneneinstrahlung. Es sollte nur mit farbloser Schuhcreme gepflegt werden.

Tech Soft ist eine spezielle Materialkombination bei Einlegesohlen. Die Oberschicht besteht aus 82 % Polyester und 18 % Kohlefasern, die Unterschicht aus 97 % Polyurethan und 3 % Kohlefasern. Damit erhält man eine antistatische, atmungsaktive, antibakterielle, geruchsneutralisierende Sohle mit sehr guter Stossdämpfung. Zudem kann dieses Material mittels thermischer Verfahren in diverse Formen gebracht werden.

 

Gewicht und Grösse

Wenn man den ganzen Tag Arbeitsschutzschuhe trägt, ist jedes Gramm weniger wichtig. Bereits die arbeitsschutztechnische Grundausstattung wie Zehenschutzkappe und durchtrittsichere Sohle bringen relativ viel Gewicht auf die Waage. Hinzu kommen das stabile Obermaterial und ein dickes Profil. Die Benutzung von Kunststoffen verringert das Gewicht spürbar, ohne dass eine Minderung der Arbeitsschutzbelange befürchtet werden muss.

 

Jeder Fuss ist anders. Um trotzdem einen festen Sitz und einen hohen Tragekomfort zu bieten, ist von den Schuhherstellern eine grösstmögliche Flexibilität gefordert. Weitenanpassungseinlagen wie bei Haix sind ein Lösungsansatz.

 

Noch wichtiger ist aber das Grössenspektrum nach oben und unten. Da besteht durchaus noch Nachbesserungsbedarf, denn Frauenschuhe in den Grössen 34 und 35 sowie Herrenschuhe von 48 bis 50 sind nur schwer zu finden. Zudem gibt es nach wie vor keine einheitliche Schuhgrössenfertigung. Trotz gleicher Grössenangabe weicht der tatsächliche Fussinnenraum je nach Hersteller um +/- 1 cm ab. Da derartige Spezialschuhe oft per Versand zum Endverbraucher kommen, ist das eine unbefriedigende Situation. Ein nachträgliches Weiten ist nur in geringem Masse möglich. Der Kundenbetreuung (Fussvermessung, Einlagenempfehlungen) kommt daher eine grosse Bedeutung zu. 

 

Schutzkomponenten

Zehenschutz und durchtrittsichere Sohle sind die wichtigsten Schutzvorrichtungen. Kunststoffe kommen dabei nicht nur wegen des geringeren Gewichtes zum Einsatz, sondern weil sie auch, im Gegensatz zu Metall, isolierend wirken – egal ob es sich dabei um Kälte oder Wärme handelt. 

 

Obermaterial und Innenausstattung

Leder ist bei vielen Kunden die Nummer eins beim Obermaterial. Allerdings haben textile Werkstoffe im Bereich Luftzirkulation eindeutige Vorteile. Deshalb findet man besonders bei den sommerlichen Sicherheitsschuhen sehr häufig eine Kombination aus Leder und Textil. Die auf Zug oder Abrieb mechanisch belasteten Bereiche werden durch Leder haltbarer, während die dazwischen liegenden Stellen aus Textil für einen stetigen Luftaustausch sorgen. Beide Materialen müssen stabil und dauerhaft verbunden sein. Daher ist vor dem Kauf auch immer ein Blick auf die Nahtausführung (doppelte Sattlernähte) zu werfen.

 

Dass die Zehenschutzkappe im Schuh ein separates Innenfutter mit zusätzlichem Band über der Endnaht besitzt, ist sehr wichtig. Denn das ist der Bereich, wo der Fuss abrollt und somit die grössten Zug- und Biegekräfte wirken. Die Schuhzunge sollte mit mindestens zwei 2-3 cm langen quer verlaufenden Nähten am Obermaterial befestigt sein, um ein vorzeitiges Ausreissen zu verhindern. Der innere Fersenbereich hält länger, wenn eine separate bis zur Sohle reichende Lederschale vorhanden ist. Sie verhindert schmerzende Reibungen und gibt einen zusätzlichen Halt. Eine textile Zwischensohle mit weicherem Zehenbereich unter der Einlegesohle verbessert den Tragkomfort ebenfalls.

 

Aussen- und Einlegesohle

Ein Untergrund kann sehr verschieden in Struktur und Aggregatszustand sein. Dementsprechend flexibel sollten deshalb Profil und die Materialzusammensetzung der Aussensohle ausgelegt sein. Fussschutz und sicherer Stand müssen gleichermassen Beachtung finden. Je loser und schlüpfriger der Untergrund, desto griffiger sollte das Profil sein. Ein grobes, hohes Profil mit sehr breiten Zwischenstegen wie bei einem Ackerstollenreifen ist in dieser Situation nicht die beste Wahl. Gleichmässige, dichte Winkelprofile sorgen für den besten Halt.

 

Trotz einer massiven Sohlendicke darf die Biegsamkeit nicht vernachlässigt werden. Der Fuss muss beim Laufen nach vorne abrollen können. Auch die Dämpfung darf durch die Sohlendicke nicht reduziert werden, denn beim Laufen liegt das gesamte Körpergewicht auf einem Fuss. Alle dabei auftretenden Stoss- und Biegebelastungen gehen sonst ungedämpft über Knöchel, Knie und Hüfte auf die Bandscheiben der Wirbelsäule.   

 

Die Einlegesohle trägt viel dazu bei, wie wohl man sich im Schuh fühlt. Eine anatomisch optimale Gestaltung beugt vorzeitigen Ermüdungserscheinungen vor. Seitlich hochgezogene Bereiche unterstützen den festen Halt im Schuh und über die gesamte Fläche verlaufende Kanäle (Airflow) sorgen für den Abtransport der Transpirationsflüssigkeit. Die Einlegesohle muss selbst bei stärkeren Belastungen stabil im Schuh liegen. Übrigens: Es ist unbedingt auch darauf zu achten, ob die Arbeitsschuhe für orthopädische Einlagen geeignet sind.

 

Fersengestaltung und Schnürung

Die Gestaltung des Fersenteils bestimmt, wie gut ein Fuss im Schuh sitzt, sodass er nicht schlappt und nicht scheuert. Während der Sitz des Schuhvorderteils dank Schnürung flexibel ist, kann an der Ferse nichts verändert werden. Entweder es passt – oder nicht. Dank hochgezogener und komplett gepolsterter Fersenpassagen kann dieser leicht konisch verlaufende Fussteil besser gehalten und weich umschlossen werden. 

 

Die klassische manuelle Schnürung ist nach wie vor stabilste Variante. Das kann, physikalisch bedingt, weder Klettverschluss noch Gummizug oder eine Schnellschnürung erreichen. Aber es dauert länger und das Rissrisiko des Bindematerials ist höher. Je länger der Schnürungsbereich ist, desto flexibler ist er auf unterschiedliche Spanndimensionen einstellbar. Dies erleichtert den Einstieg in den Schuh, erschwert aber das Schnüren. 

 

Kontrolle und Pflege

Das Obermaterial benötigt regelmässige Pflege mit klassischer Schuhcreme bei Glattleder bzw. Schutzsprays bei Hydrovelourleder und Textilien. Dadurch kann die natürliche Geschmeidigkeit und Elastizität des Materials erhalten werden. Das trifft besonders auf den Laschenbereich zu. Wird Glattleder ausschliesslich mit Imprägnierspray behandelt, wird es vorzeitig brüchig. Geknülltes Zeitungspapier ist nach wie vor die beste Methode, um das Schuhinnere zu trocknen. Alle Materialien, die bei einem modernen Schutzschuh verwendet werden, sollten keinen hohen Temperaturen ausgesetzt und nur langsam getrocknet werden.

 

Auch die Sohlen verdienen eine regelmässige Reinigung und Sichtprüfung, denn scharfkantige Untergründe und aggressive Materialien greifen das Sohlenmaterial an. Ist die Profilschicht gebrochen, kann auch die Zwischenschicht schnell durchstossen werden. Ebenso empfiehlt es sich, das Innenfutter zu kontrollieren. Besonders im Bereich der Zehenschutzkappe können Futterrisse Wunden verursachen. Einlegesohlen sind alle waschbar (30 °C) und sollten nach jedem Arbeitstag aus dem Schuh genommen werden, damit sie schnell und vollständig trocknen.

 

Bei einer derartig hochwertigen Schuhwerkkategorie sollte auch die Nachhaltigkeit bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielen. Eine Neubesohlung ist günstiger und umweltfreundlicher als wegschmeissen und neu kaufen. |

Text: Ekkehard Musche, Motorist, Wusterwitz
 
Klassifizierungen

Um den richtigen Schuh finden zu können, ist es notwendig, die Kategorien mit ihren Klassifizierungen zu kennen (Normen: DIN EN ISO 20345, DIN EN ISO 20346, DIN EN ISO 20347, DIN EN 15090).

Obermaterial
Code I = Leder und artverwandte Materialien
Code II = Vollgummi oder
Gesamtpolymer

Schutzanforderungen
SB = Grundanforderung (z.B. Zehenschutzkappe)
S1 = SB + geschlossener Fersenbereich, Antistatik, Energieaufnahmevermögen im Fersenbereich, öl- und benzinresistente Sohle
S1P= S1 + durchtrittsichere Sohle
S2 = S1 + Schutz gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme
S3 = S2 + zusätzliche Durchtritt-sicherheit, Profilsohle

Zusatzanforderungen
A = Antistatik
AN = Knöchelschutz
CI = Kälteisolierung Sohlenkomplex
CO = für orthopädische Spezialeinlagen geeignet
CR = Schnittfestigkeit
E = Energieaufnahmevermögen im Fersenbereich
FO = öl- und benzinresistente Sohle
HI = Wärmeisolierung Sohlenkomplex
HRO = Verhalten gegenüber Kontaktwärme der Sohle
M = Mittelfussschutz
P = Durchtrittsicherheit
WR = Wasserdichtheit
WRU = Schutz gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme des Obermaterials

Stichwörter:

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