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dergartenbau - Heft Nr. 06/2019
Dienstag, 12. März 2019

DV JardinSuisse: dem flexiblen Rentenalter einen Schritt näher

Olivier Mark ist seit 2009 Präsident von JardinSuisse und wurde dieses Jahr für eine weitere Amts-periode wiedergewählt.
 
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Am Mittwoch, 6. März 2019 fand die 12. Delegiertenversammlung von JardinSuisse im Bellevue Palace in Bern statt. Den Schwerpunkt bildete die Abstimmung über einen Gesamtarbeitsvertrag für einen flexiblen Altersrücktritt in der Grünen Branche (GAV FAR).

 

«Es ist unsere Aufgabe, vorausschauend zu sein und Lösungen zu suchen, damit ein Fall Schaffhausen (2013 organisierte die Unia einen Streik der Gärtner) nicht wieder passiert», meinte Olivier Mark, Präsident JardinSuisse, in seiner Eröffnungsrede. Die Arbeit mit Grüne Berufe Schweiz (GBS) sei intensiviert worden, um die Arbeitsbedingungen in der Grünen Branche zu verbessern. Gemeinsam sei ein Vorschlag für einen flexiblen Altersrücktritt ausgearbeitet worden – als Gegenvorschlag zum Unia-Modell.

 

Man sei sich bewusst, dass diese Lösung alle Leistungen der Branche verteuern werde und auch nicht alle Unternehmen  den Nutzen einer obligatorischen Frühpensionierung sehen. Darum werde an dieser Delegiertenversammlung, dem höchsten Entscheidungsgremium des Verbandes, darüber abgestimmt, ob das Frühpensionierungssystem gestartet oder gestoppt werden soll. 

 

GAV FAR angenommen

Der Vorschlag heisst «Gesamtarbeitsvertrag für einen flexiblen Altersrücktritt in der Grünen Branche (GAV FAR)». Mit 43 Ja, 21 Nein und einer Enthaltung wurde er von den Delegierten klar angenommen. 

 

Vor der Abstimmung erläuterte Zentralvorstandsmitglied Tobias Meier die Eckpunkte des GAV FAR. «Wir haben bewusst nicht das Baumeistermodell übernommen, da unser Modell flexibler, sicherer, sozialer und günstiger sein soll», erläuterte er. «Sozialer» bedeute, dass alle Mitarbeitenden der Branche davon profitieren können. Ziel sei eine Rente zwei Jahre vor der Pensionierung und eine Arbeitszeitreduktion ab fünf Jahren vor Pensionsalter. Der GAV FAR werde mit dem Kapitaldeckungsverfahren (im gegensatz zum Umlageverfahren GAV FAR der Baumeister) finanziert und könne, wenn notwendig, auch wieder gestoppt werden. Um das erforderliche Kapital ansparen zu können, seien 3,2 % des massgebenden AHV-Jahreslohnes notwendig. Davon muss der Arbeitgeber gemäss gesetzlichen Vorgaben die Hälfte übernehmen. Die Beiträge werden auf einem individuellen Konto jedes Arbeitnehmers angespart.

 

Die Einführung des GAV FAR wurde an den im Januar und Februar stattfindenden Generalversammlungen der Regional- bzw. der Fachsektionen diskutiert. Ablehnung kommt laut Ehrenpräsident Antoine Berger von der Fachsektion GaLaBau Zürich und Umgebung (29 Nein, 7 Ja). «Grundsätzlich ist das Modell machbar, hat aber den Fehler, dass es allgemeinverbindlich ist», meinte Berger. Er befürchtet, dass sich GaLaBau-Betriebe bei einer Annahme des GAV FAR aus dem Verband verabschieden würden, um das Quorum zu schwächen, das es für die Allgemeinverbindlichkeit braucht. Abschliessend empfahl er den Delegierten, sich zu enthalten, damit der Vorstand das Modell nochmals überarbeiten muss.

 

Tobias Meier entgegnete darauf, dass man bewusst die Allgemeinverbindlichkeit gewählt habe, damit alle Unternehmen über gleich lange Spiesse verfügen. Um die Allgemeinverbindlichkeit beantragen zu können, müssen 50 % der Arbeitgebenden und 50 % der Arbeitnehmenden im Verband bzw. in der Arbeitnehmerorganisation organisiert sein. Zudem brauche es noch die definitive Zustimmung vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco. 

 

«Was macht JardinSuisse?» 

Im Stil der Fernsehshow «Wer wird Millionär» präsentierte Geschäftsführer Carlo Vercelli die aktuellen Tätigkeiten des Verbandes. Rasch beantworten konnten die zufällig aus dem Kreis der anwesenden ausgewählten Personen die Frage nach dem Slogan «Hier wächst Zukunft», der TV-Sendung «Hinter den Hecken», den Kampagnen «Superfood» und «Schule in der Gärtnerei» sowie dem grössten Anlass für den Berufsnachwuchs «Swiss Skills». Weniger bekannt war hingegen, dass JardinSuisse seit diesem Jahr im Stiftungsrat von «Natur+Wirtschaft» ist und damit ab diesem Sommer auch Privatgärten mit dem entsprechenden Label ausgezeichnet werden können. 

 

Imagepolitur für den GaLaBau

Gastreferentin war Catherine Muller, Präsidentin des französischen GaLaBau-Verbandes UNEP und Geschäftsführerin der Gartenbaufirma Thierry Muller SAS im Elsass. Die UNEP vertritt  die Interessen von über 26 000 GaLaBau-Betrieben (über 85 000 Mitarbeitende) mit einem Umsatz von über fünf Milliarden Euro.

 

Die Rekrutierung von qualifizierten Mitarbeitenden ist laut Muller in Frankreich ein grosses Problem: 33 % der Unternehmen, die im 2. Semester 2018 neue Mitarbeitende gesucht haben, konnten die vakanten Stellen nicht besetzen. Grund sei u. a. das schlechte Image des Berufs.

 

Mit einem Aktionsplan wolle die UNEP nun das Image aufpolieren. Dazu gehöre u. a. die positiven Seiten des Berufs hervorzuheben. Besonders angesprochen werden soll die junge Generation, die den Gärtnerberuf eher als mühsamen Job bezeichne. Gesucht werde zudem eine enge Partnerschaft mit Arbeitsvermittlungsstellen, wo Arbeitnehmende, die sich neue orientieren (Stellenwechsel, Berufswechsel), auf die Berufe der Branche aufmerksam gemacht werden. Implementiert werden soll auch ein System zur Betreuung und Ausbildung von ausländischen Arbeitskräften. Schliesslich müssten auch die Führungskräfte sensibilisiert und geschult werden. So sollen den Unternehmen Tools zur Stärkung der Mitarbeitendenbindung bereitgestellt werden. «Langfristig wollen wir Stereotypen bekämpfen und den Mentalitätswechsel in den Unternehmen fördern», betonte Muller abschliessend. |

Text und Bilder: Othmar Gut, Landschaftsarchitekt HTL, Redaktion
 

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