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dergartenbau - Heft Nr. 19/2017
Dienstag, 19. September 2017

Die Lehre zum Landschaftsgärtner sollte neu vier Jahre dauern

«Wir müssen Mut haben und für die Zukunft neue Wege beschreiten.» Vor dem Hintergrund der gestiegenen Anforderungen sieht Gärtnermeister Jürg Haas Handlungsbedarf für die Ausbildung der Landschaftsgärtner.
 
Bewertung: 
Ist die Zeit reif für einen Systemwechsel in der Ausbildung der Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner? Gärtnermeister Jürg Haas ist jedenfalls überzeugt von der Notwendigkeit einer veränderten Ausbildung und wagt einen Vorstoss. Er führt eine Vielzahl guter Gründe an, die für eine vierjährige Ausbildungszeit sprechen. Ausbau der überbetrieblichen Kursangebote und Wochenblöcke in den Berufsschulen sowie praktische Vollzeitausbildung im vierten Lehrjahr im Betrieb sind wesentliche Punkte.

Die Anforderungen an den Landschaftsgärtner sind in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches gestiegen. Zu den zu verarbeitenden Produkten gehören nicht nur Pflanzen, Erden und Steine, sondern darüber hinaus auch viele neue Materialien. Zudem sind diverse Spezialgebiete hinzugekommen. Die heute bei der Anlage von Gärten verwendeten Materialien und geforderten Techniken stellen eine grosse Herausforderung dar, die es als Fachmann am Ende der Lehrzeit mehrheitlich zu beherrschen gilt. Eine grosse Anzahl von Maschinen und Geräten steht heute zur Verfügung und diese müssen optimal eingesetzt und sicher bedient werden können. Die Arbeitssicherheit muss zwingend beachtet werden. Das bedarf einer sehr umfassenden Ausbildung, was in drei Jahren Lehre nur ungenügend vermittelt werden kann. Nicht zu vergessen sind die Ansprüche unserer Kunden und die geforderte hochstehende Qualität.

 

Der Einwand: vier Lehrjahre schrecken viele ab 

Das mag für einige wenige zutreffen. Sind wir auf diese angewiesen? Wir wollen doch Lernende ausbilden, die diesen Beruf mit Überzeugung gewählt haben. Diese sind dann eher bereit, unserem schönen Beruf viele Jahre treu zu bleiben.

 

Der Unterricht in den Gewerbeschulen muss in Wochenblöcken erfolgen 

Die Firmen, die Lernende ausbilden, kennen nichts anderes, als jeden Tag die Gruppen neu zu bilden: Da der Lernende gerade heute in der Schule ist und die Gruppe ohne seine ergänzende Hilfe nicht optimal läuft; dann vielleicht nicht morgen, aber am darauffolgenden Tag der zweite Lehrling auch in der Schule ist.  So ist der Lehrling wie ein Spielball einmal da, einmal dort. Für ihn ist es nie sicher, ob er wieder in die gleiche Gruppe, zur gleichen Baustelle zurückkommt. Also braucht er sich auch keine eigenen Gedanken zur laufenden Arbeit zu machen (was machen wir morgen Interessantes?), da er dauernd «herumgereicht» wird. Auf jeden Fall ist der Unter­bruch durch den Schultag auch für den Lehrling nicht lustig. 

 

Der Sportunterricht sollte verkürzt werden und durch Bewegungsübungen sowie sinnvolles Muskelaufbautraining (z.B. Pilates-Übungen) ersetzt werden.

 

Die überbetrieblichen Kurse (üK)
müssen massiv ausgebaut werden

Für die Lernenden müssen zusätzliche üK eingeplant werden, sodass sie ohne Einschränkung nach der Lehre als Landschaftsgärtner möglichst alle im GaLaBau anfallenden Arbeiten selbstständig ausführen können und dürfen. Das Zusatzangeobt sollte folgende Inhalte umfassen (Liste nicht abschliessend):

• Motorsäge (für alle Arbeiten, die im Garten anfallen inkl. kleinere Fällarbeiten)

• Baumpflege und -schnitt (Arbeiten in der Höhe) 

• Obstschnitt 

• Baugeräteführer: Bagger, Lader Stapler  

• allgemeine Maschinenkunde (Tagesparkdienst und Problemlösungen) 

• Wasser im Garten, Rohre, Leitungen

Schächte, Rinnen, Kanalisationsanschlüsse 

• neue Produkte (z. B. Feinsteinzeug) 

 

Wie können wir uns die 4-Jahre-Lehre für den GaLaBau vorstellen?

Die Gewerbeschule erfolgt in Wochenblöcken. Das heisst eine Woche Schule, dann vier Wochen Praxis im Betrieb. Die üK sollen ebenfalls in Wochenblöcken unterrichtet werden. Nach dem dritten Lehrjahr wird die theoretische Abschlussprüfung absolviert. Das vierte Lehrjahr gilt allein der praktischen ­Arbeit. So erfährt der Lehrling den ­gesamten Ablauf der Arbeiten ohne Unter­brechung. Unterhaltsfirmen, die Landschaftsgärtner ausbilden, sollen den Lehrling im vierten Jahr an einen GaLaBau-Betrieb übergeben, der das fehlende Praxiswissen vermitteln kann. Das vierte Lehrjahr soll auch dazu dienen, den Lehrling möglichst selbstständig einzusetzen, damit er Praxiserfahrungen sammeln kann. Das motiviert und fördert das Interesse am Beruf. Solche Mitarbeitenden brauchen wir! 

 

Die praktische Prüfung, die weitaus höhere Anforderungen als bis anhin an den Lehrling stellt, erfolgt am Ende des vierten Jahres. Eine Individuelle Facharbeit (IFA ) soll wieder verlangt werden (fördert die Motivation ungemein), jedoch mit viel strengerer Bewertung.

 

Natürlich muss der Lehrlingslohn im viertenJahr erhöht werden. Im Lohnregulativ/GAV haben wir den «Gärtner EFZ» in den ersten drei Jahren zu einem reduzierten Lohn. Das heisst im Grunde genommen nichts anderes, als dass die drei Jahre Lehre nicht ausreichen. Wenn wir nun aber die Lehrlingsausbildung auf vier Jahre verlängern und die Zeit nutzen, um die Ausbildung breiter und interessanter zu machen, dient das allen Beteiligten. Die unterste Lohnstufe (früher «Junggärtner») ist dann ersatzlos zu streichen.

 

Die EBA ist unbedingt auf drei Jahre zu verlängern und mit entsprechend höheren praktischen Anforderungen anzupassen. Wir müssen Mut zeigen und für die Zukunft neue Wege beschreiten!

 

Text: Jürg Haas, dipl. Gärtnermeister, Bern Bilder: zvg, wab
 

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